7. Tag
3x Ü im Canvas Studentenwohnheim, Glasgow im EZ zu je 58,66 EUR
Nach dem gestrigen Wandertag war ich ganz froh, daß heute endlich wieder ScotRail angesagt war. Insgesamt stand eine Reise von gut 7 Stunden an. Doch bevor es losging, verzogen sich wie von Zauberhand sämtliche Wolken vom Ben Nevis zurück und endlich konnte ich den Munro in seiner ganzen Pracht erblicken. Schon geil!
Die Zugfahrt ging zuerst wieder über das Glenfinnan Viaduct, diesmal aber die West Highland Line komplett durch bis zum Endbahnhof Mallaig. Auch diese Strecke führt durch eine zauberhafte Landschaft, die die paar Fotos hier kaum wiedergeben können. Der Bahnhof Mallaig wurde nicht zu meinem neuen Lieblingsbahnhof, denn der war völlig von Möwenscheiße gepflastert.
Am Bahnhof Mallaig versorgte ich mich mit einem lebensnotwendigen Kaffee (manchmal fährt in den schottischen Zügen auch jemand mit einem Wägelchen herum und bietet Getränke und Snacks an, aber leider nicht hier und heute) und stieg in den selben Zug wieder ein, mit dem ich gekommen war. Nun ging es bis Fort William die bekannte Strecke zurück und dann weiter in Richtung Glasgow.
Nach gut vier Stunden Fahrt war es Zeit für einen Zwischenstopp. Den legte ich an der Station Arrochar & Tarbet ein. Hier hatte ich die Möglichkeit, nach Westen nach Arrochar und zum Loch Long zu spazieren oder nach Osten nach Tarbet und zum Loch Lomond. Logisch, daß ich letzteres wählte.
Wer die Stadionhymne des 1. FC Köln liebt, der wird auch "The Bonnie Banks of Loch Lomond" lieben. Im Ernst: Die Rheinländer haben das Lied von den Schotten "geklaut". Was ist so besonders an dem Lied und dem See? KI (Sorry!) klärt auf: Der Loch Lomond nimmt im Herzen der Schotten einen ganz besonderen Platz ein. Er ist weit mehr als nur ein großer See; er ist ein kraftvolles Symbol für die schottische Identität, Romantik und die wechselvolle Geschichte des Landes. Fast jeder Schotte verbindet mit dem See sofort das weltberühmte Volkslied "The Bonnie Banks...". Es gilt als die inoffizielle Nationalhymne und wird traditionell am Ende von schottischen Hochzeiten, Partys oder Konzerten gesungen, bei denen sich alle Arm in Arm legen. Obwohl die Melodie schwungvoll wirkt, hat das Lied einen zutiefst traurigen und politischen Hintergrund. Den Rest bitte selber googlen.
Nach weiteren 90 min Fahrt hatte ich die Highlands hinter mir gelassen und mit Glasgow wieder städtisches Leben erreicht.
ScotRail-Route Tag 6: Banavie -> MALLAIG -> ARROCHAR & TARBET -> GLASGOW QUEEN STREET
Mit Gepäck schleppte ich mich vom Bahnhof Queen Street zu einem Studentenwohnheimhochhaus, wo ich mich für drei Nächte einquartiert hatte. Mein Zimmer war im 9. Stock und offensichtlich wohnte ich auf der Etage alleine. In der Gemeinschaftsküche stand ledig ein Wasserkocher und ein Herd, sonst war alles leer geräumt. Auf meine Bitte hin bekam ich noch ne Mikrowelle dazugestellt, damit ich wieder mein indisches Abendessen und Frühstück (= identisch) aufheizen konnte.
8. Tag
Wie die Fotos schon ahnen lassen, war ich am nächsten Tag wieder in den Highlands unterwegs. Genau genommen bin ich ab Glasgow die selbe Strecke vom Vortag drei Stunden lang wieder hoch gefahren. Einziges Ziel: Der Bahnhof Corrour. Ja, ich denke, das wird für alle Ewigkeiten mein absoluter Lieblingsbahn- hof sein und bleiben! Sollte jemand die Frage haben, warum ich an der Station nicht schon gestern ausgestiegen bin: Das ließ sich mit Mallaig nicht verbinden, es fahren ja nur drei, vier Züge pro Richtung und Tag. Und man muß auch wieder weg kommen, gerade von diesem Bahnhof.
Der Bahnhof Corrour ist einzigartig: Corrour ist von allen britischen Stationen entlang der Hauptstrecken die am höchsten gelegene. Sage und schreibe 408 m liegt sie hoch. Klar, im Vergleich zu Deutschland (Bahnhof Feldberg- Bärental mit 967 m) ziemlich tief, aber wir sind hier in Schottland. Das tollste ist jedoch die völlige Abgeschiedenheit der Station. Man sagt, daß die nächste öffentliche Straße 16 km entfernt ist. Das bedeutet: Man kommt hier nur her, wenn man z.B. von Fort William wandert oder radelt. Oder man, wie ich, mit dem Zug kommt. In dem Bahnhof und in seinen Nebengebäuden kann man sogar übernachten. (Bahn-) Romantik pur!
Ich hatte eine gute Stunde Zeit, mich am Bahnhof und in der näheren Umgebung etwas umzuschauen. Tatsächlich: Mehr Einsamkeit und Pampa geht nicht. Außer dem Bahnhof selbst ist nirgendwo einen Anzeichen von Zivilisation zu erkennen. In nicht allzugroßer Entfernung gibt es mit Loch Ossian und Loch Treig zwei Seen und dazu drei Munros mit äußerst komplizierten Namen. Selbst fast einen Monat nach meinem Besuch dort, als ich den Text hier jetzt schreibe, bin ich immer noch völlig außer mir vor Begeisterung von diesem Ort. Bis zum nächsten Urlaub in den Highlands kann es nicht mehr lange dauern. Und nein, ich wurde nicht vom Scottish Tourist Board o.ä. gesponsort.
Am Abend gab es für mich das Kontrastprogramm zu den Highlands: Fußball in Carlisle, England. Weil ich rechtzeitig früh ankam, latschte ich zuerst zum Brunton Park von Carlisle United (ein Ground, der mir gaaaanz dringend fehlt) und anschließend zur Spielstätte des 9.-Ligisten Carlisle City.
18.8.26 * Carlisle City - Yarm & Eagelscliffe FC 0:1 * 19:45 Uhr * Northern League Division One * Gillford Park, Carlisle, England * Eintritt: 7 GBP * Zuschauer: ca 80
Der Ground von City hat zwei schöne Tribünen und einen netten Stehplatzbereich entlang einer der Seitenlinien. Ein Fan tat sich durch gelegentlich laut-starken Support besonders hervor. So eine Stimme müßte man haben. Die Preise für n Burger waren ziemlich happig, die Brötchen zum Glück nicht pappig! Wie das meist so ist: Wo es am teuersten ist, hat man am meisten Hunger :-). Gewonnen haben die Gäste, das Spiel war ganz OK und Ground No. 662 eingesackt. So konnte es zufrieden zurück nach Schottland gehen.
ScotRail-Route Tag 7: Glasgow Queen Street -> CORROUR -> Dalmuir -> Glasgow Central -> CARLISLE -> Glasgow Central
Während meiner ScotRail-Tage hatte nur ein einziger Zug eine Verspätung (in diesem Falle von 30 min) und die wurde in England erzeugt.
9. Tag
Auf meiner Fahrt am nach Dumbarton am ersten Tag waren mir im Vorbeifahren im River Clyde einige Bootswracks aufgefallen, die mehr als abenteuerlich aussahen. Mir war sofort klar, daß ich die näher untersuchen mußte. Die Gelegenheit ergab sich für mich eine Woche später.
Ich fuhr bis zum Bahnhof Bowling und dann begann die Suche nach dem Schlupfloch, der mir einen Zugang zum LOST Hafen ermöglichen sollte. Das kenne ich ja schon von den LOST GROUND-Begehungen. Clydeabwärts war eine riesige Baustelle und Privatgelände -> kein Durchkommen. Ich versuchte es in der anderen Richtung am Bowling Basin. Das sah zunächst sehr vielversprechend aus, denn entlang eines zugewucherten Kais war ein Trampelpfad zu erahnen. Irgendwann stand ich dann doch vor einem Sicherheitszaun und einer Tür mit einem dicken Stahlschloß dran. Doch bei genauerem Hinsehen fiel mir auf, daß sich der massive Riegel trotz Schloß nach etwas Fummelei soweit zurückziehen ließ, daß sich die Tür öffnen ließ. Der Weg war frei und die Überreste der abgesoffenen Boote kamen als Fotos in meine neue Sammlung LOST ÄPPELKAHN.
19.8.26 * Pollok FC - Johnstone Burgh 4:1 * 19:45 Uhr * Lowland League West * Newlandsfield Park, Glasgow, Schottland * Eintritt: 10 GBP * Zuschauer: 475
Am Abend hatte ich die Wahl zwischen Celtic - Linzer ASK in der CL-Quali und einem Spiel in der 5. Liga. Celtic liegt mehr sehr am Herzen, aber heute gab ich einem neuen Ground den Vortritt. Und ich hab die Entscheidung nicht bereut, denn im Süden von Glasgow wurde ich von einem Stadion mit einer richtig geilen Tribünen-Perle erwartet. In GB wird im öffentlichen Leben ja fast nur noch cashless bezahlt. Ausnahmen sind einige kleinere Fußballvereine, wo man noch auf Bargeld setzt. So hab ich immer noch ein paar Scheinchen und Münzen bei mir, aber die Summe war knapp bemessen, so daß ich in der 2. Hälfte etwas Kohldampf schieben mußte. Nun ja, Indien und die Mikrowelle haben mich später gerettet. Zum Spiel: Hoher Unterhaltungswert, fünf Tore und einfach ein gemütlich-nasskalter Abend, den ich 90 min lang sehr genießen konnte.
ScotRail-Route Tag 8: Glasgow Queen Street -> BOWLING -> Glasgow Queen Street, Glasgow Central -> POLLOKSHAWS WEST und Pollokshaws East -> Glasgow Central
10. Tag
GLA -> BRR mit Loganair zu 170 EUR, Ardmhor (Barra) -> Eriskay (South Uist) mit der Fähre von Caledonian MacBrayne zu 4,20 GBP, 2x ÜF im Bed&Breakfast An Taigh Mòr auf Eriskay im EZ zu je 163,50 EUR
Das ScotRail-Abenteuer war zu Ende, 8 von 8 Tagen abgefahren und so mußte ein anderes Fortbewegungsmittel her. Hier gönnte ich mir mal etwas ganz besonderes, nämlich zwei Flüge mit Loganair nach und von Barra BRR auf den Äußeren Hebriden. Die Airline ist dafür bekannt, daß sie insbesondere die abgelegenen Inseln und kleinen Flughäfen Schottlands mit Glasgow usw. verbindet. Das Fluggerät war eine Twin Otter, in die maximal 18 Passagiere (und zwei Piloten) passen. Ich glaube, auf dem Hinflug checkten nur 13 Leute ein und auch der Rückflug zwei Tage später war nicht ausgebucht.
Ich erwartete einen ziemlichen "bumpy flight", aber alles lief erstaunlich ruhig. Witzig nur, daß die Piloten während des Flugs die ganze Zeit Handbücher, die tatsächlich noch aus Papier waren, auf den Knien liegen hatten, in denen offensichtlich die Flugroute und andere Informationen enthalten waren.
Das besondere an dem Flughafen Barra ist nicht seine (kleine) Größe, sondern die Tatsache, daß als Landebahn ein Sandstrand dient. Das ist für einen Linienflughafen einmalig in Europa und auch in der restlichen Welt soll es das sonst nur noch ein einziges Mal geben. Gelandet wird nur bei Ebbe und so ist der Flugplan nach den Gezeiten ausgerichtet. Wasserpfützen machen der Twin Otter aber nix aus. Der Strand ist wirklich riesig und wenn die Flut kommt, dürfte das Wasser nur wenige Zentimenter hoch stehen. Aber anders als im Watt ist der feuchte Strandboden relativ fest. Sonst würde so eine Flugzeuglandung wohl auch kaum funktionieren. Der Strand kann von jedermann betreten werden. Nur wenn sich ein Flugzeug nähert (das passiert zweimal pro Tag), wird eine Windhose gehisst und dann müssen alle vom Strand runter. Bei der Landung stand eine ganze Busladung Touristen am Zaun, um das Spektakel live zu erleben. Autogramme mußte ich keine geben.
Auf Höhe des Flughafen ist die Isle of Barra am engsten. Man braucht nur etwa 200 m durch die Dünen zu laufen und man kommt an den Strand auf der anderen Seite der Insel. Schön kühl und windig. Baden tut hier keiner.
Weil Einheimische und Touristen ausnahmslos mit dem Auto unterwegs sind, ist das Linienbusnetz auf Barra sehr sehr dünn. In meinem Falle hieß das, das ich die 2,4 Meilen vom Flughafen bis zum Fährhafen zu Fuß laufen mußte. Mein eigentliches Ziel war nämlich nicht Barra, sondern die Insel Eriskay.
Nach 40 min Überfahrt kam ich endlich in Eriskay an. Dann stand mir noch eine Wanderung entlang des Strandes bevor und als ich das geschafft und ein paar Dünen erklommen hatte, stand ich vor dem Bed&Breakfast, in dem ich die nächsten zwei Nächte verbringen würde. Mein Gastgeber erwartete mich schon und führte mich in mein luxuriöses Zimmer. Schlüssel, auch für die Haustüre, gab es nicht. Hier auf der Insel schließt niemand sein Haus ab.
Mein erster Spaziergang führte mich zum Abendessen in den Pub, der gut besucht war. Eriskay ist nur 7 km² groß und kommt auf etwa 150 Einwohner. Aufgrund ihres Geländereliefs brauchte ich aber dennoch ein Karte, um mich zu orientieren.
Experten werden natürlich längst ahnen, warum ich überhaupt nach Eriskay gekommen bin. Für alle anderen kommt die Auflösung auf der nächsten Seite!


























































