"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]

zum Fußball 2011






6.11.2011 * FC Augsburg - Bayern München   1:2 * 17:30 Uhr * Bundesliga * SGL arena, Augsburg * Zuschauer: 30 660 * Eintritt: 15 EUR Stehplatz * Spritgeld für 1 100 km Autobahn: 60 EUR *

Ein historisches Spiel, zumindest auf dem Papier. Erstes Pflichtspiel zwischen FCA und FCB seit 28 Jahren (damals im DFB-Pokal), erstes Ligaspiel seit 47 Jahren (damals noch Regionalliga Süd) und somit allererste Bundesliga-Begegnung zwischen beiden Clubs überhaupt. Entsprechend groß war die Nachfrage: Ticketsuchende umschwirrten in Schwärmen das Stadion. Am wärmsten Novembertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hatte der Augsburger Sponsor die blendende Idee, massenweise Wintermützen des FCA für lau unters Volk zu bringen. Die SGL arena hebt sich positiv von einigen Stadionneubauten der jüngsten Vergangenheit ab. Keine low budget-Kiste, sondern wirklich ein toller Ground.



Zu Beginn eine Schweigeminute für den in der Woche zuvor in Augsburg erschossenen Polizisten, was die Münchner Ultras mit irgendeinem Spruchband kommentierten (konnte nur was von „Gedenkminuten“ und „Heuchlerei“ lesen). Die Gastgeber warteten mit Spruchbändern wie „Zieht den Augsburgern die Lederhosen aus!“ und irgendwas mit „Weltstadt“ und „Bärenfell“, was aber hier nicht unbedingt wiedergegeben werden muß.

Ein historisches Spiel, auch für mich: Es fiel mein 200. Ground in Deutschland. Und ich wollte noch mehr: Ein 6:0 der Bayern als höchsten Auswärtssieg ever. Bei einem Aufeinandertreffen des 18. gegen den 1. der Tabelle ja gar nicht so verwegen. Aber von wegen! Dominierende Münchner schafften es nicht, eine sichere Führung (3:0) herauszuschießen und als glücklich der Augsburger Anschluß fiel, musste gezittert werden. Wenigstens wurde es da etwas spannend. Krönung in der letzten Minute: Ein Augsburger Flitzer flic-flacte seine Eier über die Stadionwiese und unser Ukrainer holte sich noch einen roten Karton ab.

Erst um 20:30 Uhr wieder auf der Autobahn, brauste LEV-Karsten mit mir durchs nächtliche Deutschland und setzte mich weit, weit nach Mitternacht zu Hause ab. LEV-Karsten, ein echter Held der Autobahn! 





23.8.2011 * FC Zürich - Bayern München   0:1 * 20:45 Uhr * Champions League, Play-Off, Rückspiel * Letzigrund, Zürich * Zuschauer: 23 600 * Eintritt: 50 CHF * Hin- und Rückfahrt mit der Bahn zu 159,60 EUR *

Die Terminierungen und Auslosungen diverser Wettbewerbe durch die UEFA nehmen selten Rücksicht auf private Belange. So ließ es sich auch nicht ver- meiden, dass der FCB nur vier Tage nach der Geburt meines Sohnes Martin in Zürich antrat. Und weil mir ein ticket zugeteilt worden war, ließ es sich noch weniger vermeiden, dass ich hinfuhr. Natürlich nicht ohne den Segen der noch im Krankenhaus weilenden, frischgebackenen Mutter.

Am Spieltag traf ich pünktlich um 17:00 Uhr in Zürich HB ein lief trotz brütender Hitze etwas durch das nette Städtchen. Die Romantik des Ortes wird einem allerdings spätestens dann vermiest, wenn man zum Geldausgeben gezwungen wird. Die Schweiz war ja nie ganz billig, aber gerade in diesen Wochen war der Franken zum Höhenflug angesetzt: 1 CHF = 1 EUR. Nimmt man den Speiseplan von McDonalds als Index, dann wird schnell klar, was hier abging: Ein Hamburger (in D = 1 EUR) für 2,50 CHF oder ein Sundae Eis (in D = 1 EUR) für 3,50 CHF! Der Wahnsinn!

Zwei Stunden vor Anpfiff stieg ich am Letzigrund aus der Straßenbahn. Prompt lief mir Festus über den Weg, der sich darüber beschwerte, ich hätte neulich (hier auf dieser site) etwas zuviel aus seinem Leben geplaudert. Wer als Promi im Interesse des öffentlichen Lebens steht, muß das aushalten können, basta!



Der Ground des FC Zürich, bekannt als „Geburtstagstorte“, hat meinen Geschmack nicht getroffen. Er ist rundherum offen und würde eher in südlichere Gefilde passen. Sportlich war die Ausgangslage klar: Bayern würde sich nach dem 2:0-Erfolg im Hinspiel den Einzug in die Gruppenphase nicht nehmen lassen und nach dem 0:1 durch Gomez nach nur sieben Minuten dürften auch die größten Optimisten unter den Schweizern ruhig geworden sein. Die Zürcher Süd- kurve schwenkte das ganze Spiel über brav seine Fähnchen, der Münchner Gästeblock auch (was hier aber eine Cannabis-Flagge zu suchen hat, erschließt sich mir nicht), bot aber mit immer wieder abgebrannten Bengalischen Feuern und vereinzelten Böllern mehr Abwechslung.






Die Stimmung unter den Münchnern war prächtig und fand ihren Höhepunkt beim „Changing of the Guards“! Zehn uniformierte Männlein und Weiblein, offen- bar von der Armee oder einer Spezialeinheit, standen während des Spiels in einer langen Reihe ununterbrochen in Richtung bayerischem Publikum blickend auf der Tartanbahn. Etwa alle 45 Minuten wurde abgelöst, und das war wirklich der Brüller: Das neue Team lief im Gänsemarsch ein, der Vorderste der Reihe klopfte jeweils dem Abzulösenden auf die Schulter, worauf dieser sich hinter den Ablöser stellte. Das ganze 10 Mal! Dann marschierten die Abgelösten nach dem gleichen Procedere raus: Der erste der Zehnerkette klopfte dem zweiten Abgelösten auf die Schulter und dieser reihte sich hinter dem ersten ein und so liefen sie an der ganzen Reihe vorbei, bis alle zehn komplett waren und den Innenraum des Stadions unter dem spöttischen Gejohle der Münchner verlassen konnten. Das war aber noch nicht alles: Der Auftritt „des Teufels General“ war der Gipfel! Der schritt die ganze Reihe ab und korrigierte penibel die Standposition eines jeden Einzelnen: Fast jeder musste ein paar Millimeter (!) entweder nach Vorne, zur Seite oder nach Hinten treten. Das wiederholte „des Teufels General“ gleich mehrfach. Nicht, dass nach der Korrektur die Uniformierte wirklich einen saubere Choreographie abgaben. Nein, die standen immer noch wie ein Hühnerhaufen da. Das war an Absurdität nicht zu überbieten! Danke an „des Teufels General“ für diese Showeinlagen.



Nach dem Abpfiff sah ich zu, dass ich zum Zürich HB zurückkam. Kurz nach Mitternacht fuhr mein Zug nach Basel SBB, wo ich um 1:12 Uhr einrollte. Von ein paar in den Ecken liegenden Reisenden abgesehen, war der Bahnhof absolut menschenleer. Wunderte mich darüber, dass er nicht abgeriegelt wurde oder dass nicht zumindest etwas Securitiy präsent war. So fiel auch außer mir keinem ein herrenloser Koffer auf, der neben einem Fahrkartenautomat stand. Ich fotografierte das Teil mal schnell, um der Polizei später, wenn der Bahnhof in die Luft gesprengt worden war, einen wertvollen Hinweis auf diese Kofferbombe geben zu können. Mein Anschluß ging erst um 5:15 Uhr ab Basel Bad Bf, so dass ich mir vier Stunden um die Ohren zu schlagen hatte. Es war immer noch drückend heiß, als ich mich um 2 Uhr auf meinen Fußweg durch die ebenso leergefegte und bizarr wirkende Basler Innenstadt, über die Wettsteinbrücke zum DB- Bahnhof machte. Wieder war, außer einigen Taxis, keine Seele unterwegs. Bis um 5 Uhr saß ich am Gleis 5 herum, ehe ich mich in den ICE ablegen konnte. Fazit: Auswärts im Europacup mit dem FCB lohnt sich immer noch!



Als ich daheim eintrudelte, konnte ich nicht direkt ins Bett springen - galt es doch erstmal meine liebe Frau und den jetzt fünf Tage alten Martin aus dem Krankenhaus abzuholen und nach Hause zu bringen.




12.8.2011 * TuS Grevenbroich - 1. FC Viersen   0:5 * 19:30 Uhr * Diebels-Kreispokal, 1. Runde * Schloßstadion, Grevenbroich * Zuschauer: 80 * Einritt: 6 EUR * Anreise: mit der Bahn zu 13,60 EUR * Gleich hinter dem Bahnhof Rommerskirchen beginnt für mich "Borussia-Land" und Grevenbroich liegt mittendrin (in den Rübenfeldern). Umso erstaunter war ich, als man im Ground einen Schlager mit unsäglicher Kölschtümelei anstimmte. Landesliga gegen NRW-Liga hieß es an diesem Abend und die drei Klassen höher spielenden Gäste ließen zu keiner Sekunde Zweifel daran, wer hier als Sieger vom Platz gehen würde. Nettes Spiel, das nicht von einem Handy-Alarm meiner hochschwangeren Frau unterbrochen wurde.





7.8.2011 * SG Eintracht Gelsenkirchen - AL ARZ Libanon Essen   3:3 * 13:15 Uhr * Freundschaftsspiel * Südstadion, Gelsenkirchen * Zuschauer: 10 * Eintritt: umsonst * Anfahrt: mit der Bahn 18,60 EUR (BC50) *

Für meinen 350. Ground suchte ich mir das größte mir noch in NRW fehlende Stadion (mit Spielbetrieb) aus. Auf der website der SGE war an diesem Sonntag für 15:00 Uhr ein Testspiel gegen Fortuna 31 Herne angekündigt. Um etwa 14:20 Uhr war ich vor Ort und statt mich auf das Vorspiel zu konzentrieren, nahm ich die Anlage in Augenschein. Ich wüßte mal gerne, wie im Falle dieses Stadions die im Internet herumgeisternde maximale Zuschauerkapazität von 21 680 zustande gekommen ist, zumal der ground nie ausverkauft war? Wenn man die aufgestellten Schilder, die das Betreten der Stehränge wegen Unfallgefahr verbieten, ernst nehmen würde, dürfte sich die tatsächliche Kapazität der Anlage flugs auf etwa 3 000 reduzieren. Als etwa 14:55 Uhr das Vorspiel immer noch nicht zu Ende war und ich auch gar keine frischen Spieler aus den Kabinen kommen sah, wurde es mir etwas mulmig. Ich entwickelte eine Vorahnung, die sich gegen 15:05 Uhr in Gewissheit wandelte, als nämlich alle Spieler den Platz und alle Zuschauer das Stadion verließen: Das vermeintliche Vorspiel war gar keines, es war der Haupt-Act gewesen. Fortuna 31 Herne kreuzte an diesem Tage gar nicht auf. Nun ja, ich hatte drei Tore von der Eintracht gesehen und war annähernd eine Halbzeit im Stadion gewesen. ground zählt, basta! Den rothaarigen Schiri, den ich die ganze Zeit für eine Frau gehalten hatte, fragte ich nachher nach dem Endergebis ("3:3") und ob die Erste oder die Zweite der Eintracht gespielt hätte ("Eine Mischung aus beiden Mannschaften..."). Glück nur, daß ich so früh da war, sonst hätt ich den Jubiläumsground knicken können.




23.7.2011 * 1. FC Köln - FC Arsenal    1:2 * 15:30 Uhr * Freundschaftsspiel * Rheinenergie-Stadion, Köln * Zuschauer: 41 500 * Eintritt: 23 EUR * Zwei Momente, die in Erinnerung bleiben werden: Die gespenstische Ruhe während der Schweigeminute für die Opfer der Anschläge in Oslo knapp 24 h zuvor und das wunderschöne Eigentor für die Nordlondoner durch Jenkinson. Die jeweils 45 minütigen Auftritte von Walcott, van Persie und Arshavin waren ihr Geld wert.





11.6.2011 * Siegburger SV 04 - SC West Köln   2:0 * 18:00 Uhr * Landesliga Staffel 1, Mittelrhein * Nebenplatz des Walter-Mundorf-Stadions, Siegburg * Zuschauer: 60 * Eintritt: 5 EUR * Anreise: 13,60 EUR mit Bus&Bahn *

Peinlicher Schreibfehler auf dem Ticket!

Für den Samstag vor Pfingsten bot sich in der Region nur dieses eine Spiel an. wetter.de pries eine Regenwahr-scheinlichkeit in Siegburg von unter 20% an (mit zunehmendem Alter muß man beim Groundhopping auf sowas achten...). So ärgerte ich mich, als ich am Ground ankam, gleich doppelt. Warum? Erstens: Es sollte nicht im Stadion, sondern nur auf dem Kunstrasenplatz nebenan gekickt werden. Zweitens: Eine heftige Schauer ging über dem Platz und über mich nieder. Spätestens, als ich beim Versuch mir eine Stadionwurst zu kaufen, an einen Spieler (?) geriet, der gerade für seine Kollegen seinen Ausstand gab und ich so ein Würstchen für "ümmesöns" bekam, war mein Ärger verflogen. Auf dem Kunstrasen sportliche Bedeutungslosigkeit, denn am letzten Spieltag der Liga ging es für beide Teams um nichts: Siegburg im sicheren Mittelfeld, der SC West als Letzter abgestiegen.





29.5.2011 * FV Ermis Bergisch Gladbach - SC Vilkerath II   3:1 * 15:00 Uhr * Kreisliga D 7, Kreis Berg, Mittelrhein * Hartplatz von Inter 96, Bergisch Gladbach * Zuschauer: 20 * Eintritt: für lau * Anreise: auch für lau *

Am Dienstag noch bei der türkischen Fraktion gewesen, ging es sonntags „die Griechen“ von Ermis gucken. Kollege Chris samt Frau Thekla und Tochter Christina nahmen mich mit nach Katterbach, um auf Asche den kick ihrer Jungs Dimitri und  Vassili zu verfolgen. Dort traf man unter den paar Zuschauern mit Betriebsschlosser Josef sogar einen weiteren Kollegen an. Meine Premiere in der unterklassigen Kreisliga D - der Liga, aus der kein Abstieg möglich ist.



In praller Sonne sitzend amüsierte ich mich am Rande des staubigen Platzes über zwei tolle Tore von Chris´Sohn Dimi und über den Ermis-Trainer, der kölschschlürfend Anweisungen an seine Mannen gab. Unrühmlicher Höhepunkt des Nachmittags war, als in sprichwörtlich letzter Sekunde zwei Vilkerather einen Ermis-Stürmer in die Zange nahmen und der verletzt und laut schreiend am Boden liegen blieb. Kein Sanitäter in der Nähe, zogen sich die elf Minuten, die es dauerte, bis der Krankenwagen endlich auf den Platz rollte, eine doppelte Ewigkeit hin. Ich muß zugeben, in Hollywood-Filmen schreien die Schauspieler verträglicher. Hier aber drehte sich mir vom Stöhnen des Verletzten fast der Magen um. Dem armen Kerl hatte man den rechten Oberarm gebrochen, der irre anschwoll und in dreistündiger OP gerichtet wurde. Wie ich hörte, war am Abend die ganze Mannschaft bei ihm im Krankenhaus. Auch von mir „Gute Besserung!“



Ach ja, bei „den Türken“ ging es zeitgleich noch turbulenter her. Was bei Gençlerbirliği in Nümbrecht passierte, weiß wohl keiner so richtig, aber es war von einem Tritt in den Unterleib des Schiris, einer Kopfnuss, Tumulten und Polizeieinsatz die Rede. Sicher ist nur, dass das Spiel abgebrochen wurde.




25.5.2011 * Gençlerbirliği Bergisch Gladbach - FV Wiehl   3:1 * 19:30 Uhr * Kreisliga A, Kreis Berg, Mittelrhein * Sportplatz an der IGP, Bergisch Gladbach * Zuschauer: 80 * Eintritt: Mustafa hat mich eingeladen * Anreise: mit dem Fahrrad *

Der Aschenplatz an der Integrierten Gesamtschule Paffrath ist nicht irgendein Aschenplatz. Hier drehte schon das Topmodel Heidi Klum als Schülerin unter lehrkörperlicher Aufsicht ihre Runden und auch ich lernte hier in den 80er Jahren fürs Leben. Nämlich, dass ich beim Fußball nicht auf den Platz, sondern allenfalls neben den Platz gehöre. Aber es brauchte zwei Halbjahre der Fußball-AG bei Herrn Switalla, bis mir das klar wurde. Opfer meiner recht späten Erkenntnis wurden bis dahin zahlreiche Mitspieler (Kullerbälle ins Tor gelassen) und Gegner (primitive, aber nicht böswillige Fouls) .

Nach 23 Jahren tauchte ich erstmals wieder hier auf. Alles schien mir unverändert. Nur die Raucherröhren auf dem Schulhof waren weg, dafür stand nun am Sportplatz das Vereinsheim von Gençlerbirliği (hat wörtlich was mit „Jugend“ und „Zusammenschluß“ zu tun). Dort traf ich u.a. meine ISOVER-Kollegen Mustafa und Metin, die sich aktiv am Vereinsleben von Gençler beteiligen. Anlaß für mein Kommen war allerdings der von mir betreute Diplomand und Gençler-Stürmer Kasra Ghareh-Chaee, den ich nun endlich mal live in Aktion sehen wollte. Das mit dem Sehen wurde mitunter schwierig, denn der Platz war so trocken, dass die Spieler stets von dicken einer Staubwolke umhüllt umherliefen.



Zum Sportlichen: Neun Punkte Vorsprung und ein Spiel weniger hatte Gençler zur Winterpause vor dem ärgsten Verfolger SV Refrath gehabt. Nun hing man drei Spieltage vor Saisonende einen Punkt hinter denen. Ein Sieg über den FV Wiehl war also Pflicht. Kam auch so, auch wenn die erste Hälfte zunächst torlos blieb. Als aber ein Oberbergischer „meinen“ Kasra im Strafraum übel foulte und der fällige Strafstoß locker zum 2:0 verwandelt wurde, war die Entscheidung zu Gunsten der Platzherren gefallen. Ob´s allerdings zum Aufstieg reicht, wird sich zeigen.

Drei Jungs hatten offensichtlich meine rege Film- und Fotografiertätigkeit beobachtet und bestanden nun darauf, dass ich auch sie fotografierte. „Auf welcher Webseite erscheinen die Fotos denn?“ fragte mich einer, „we we we. …???“ Ich zögerte kurz, erwiderte dann aber „…michas groundhopping de eh.“ „Was, denkst Du, das kann ich mir merken?“ Ne, wohl nicht, dachte ich mir. Hier also noch mal zum Mitschreiben: www.michas-groundhopping.de

Überraschung am nächsten Tag beim Blick in die Zeitung: Wiehl hatte wohl auch ein Tor geschossen und zur Halbzeit gar in Führung gelegen. Muß wohl in einer Sandwolke passiert sein, denn weder Zuschauer noch ein Gençler-Akteur hatten davon was mitbekommen...






15.5.2011 * Auswahl Kreis Düren - Bayern München   3:4 * 16:00 Uhr * Freundschaftsspiel * Stadion am Schul- und Sportzentrum, Langerwehe * Zuschauer: 9 000 * Eintritt: 11,30 EUR + VVK * Anreise: per Bahn mit BC50 12,90 EUR *

Der Bayern-Fan Club Kreis Düren durfte diese Begegnung seiner Idole ausrichten, als Dank für die höchste Mitgliederanwerbung in einem der vergangenen Jahre. Dabei sollte das Spiel eigentlich schon im letzten Jahr stattfinden. Aber da kam der FCB bis ins Finale der Champions League und so wurde aus dem Auftritt in Langerwehe nichts. Nach der verkorksten Saison 2010/11 war nun der Weg frei für ein Kräftemessen mit einer Auswahl des Kreises Düren. Vermutlich hätten die meisten Zuschauer gut auf diesen Kick verzichten können… und die „Roten“ dafür lieber in Wembley gesehen. Sei´s drum!



Trainer der Auswahl war kein geringerer als der Dürener Wilfried Hannes. Der hatte mir lange gefehlt! Es war Sommer 1982. Ich war 12. WM in Spanien. Alle hatte ich beisammen: Breitner, Matthäus und sogar Bernd Franke. Rummenigge sowieso. Aber Wilfried Hannes blieb verschollen. Das letzte mir fehlende Sammelbildchen des hanuta/duplo-WM-Sticker-Albums. Furchtbar…! Aber ich hab ihn gekriegt, irgendwann… Komplett! Jetzt sah ich den ehemaligen Nationalspieler erstmals live. Ziemlich ergraut stand er abseits des Rampenlichts. Die Medien interessierten sich eher für Jonker, Robben, Gomez und Co, doch für mich war diesmal Wilfried Hannes der „Mann des Tages“. Er ist und bleibt ein unvergesslicher Bestandteil meiner Kindheit, auch wenn nur wegen der offensichtlichen Taktik eines Süßwarenkonzerns, Hannes-Klebebildchen ziemlich rar zu säen. „Sei´s drum!“, die Zweite.



Aus dem Fenster im ersten Stock eines Hauses neben dem Sportplatz konnte man prima direkt auf den Rasen blicken. Dort stand während des ganzen Spiels ein Mensch im blau-weißen Trikot und schwenkte provozierend eine Schalke-Fahne. Ich wartete vergeblich darauf, dass Schweinsteiger ihn mit einem gezielten Schuß vor den Latz abservierte.


Es war das übliche „Stars auf dem Dorf“-Ereignis. Der Stadionsprecher überschlug sich mit Superlativen und Dankeshymnen. Sollte bis dahin noch keiner der Bayern „abgehoben“ haben, nach dem Spiel müssten alle im kollektiven „Höhenrausch“ aufgestiegen sein. Die Münchner agierten keineswegs lustlos, machten aber den Sieg erst kurz vor Schluß perfekt, nachdem Düren sogar dreimal geführt hatte.













   


23.4.2011 * Xerez CD - Albacete Balompié   4:2 * 18:00 Uhr * Liga Adelante (2. Liga) * Estadio Municipal Chapin, Jerez de la Frontera * Zuschauer: 8 125 * Eintritt: 20 EUR (Sohn gratis) * Anreise: Düsseldorf-Weeze -> Sevilla mit Ryanair, dann weiter über Cádiz mit der RENFE *



Auf dem Weg vom Jerezer Bahnhof zum Stadion geht man unter einer Brücke durch und sieht auf der rechten Seite ein großes Graffiti-Wandgemälde mit einem düsteren Atom-Szenario: Menschen in Schutzanzügen wandeln durch eine verseuchte Welt, während sich in einem Schutzbunker ein Mädchen aufhält. Aus dem Bunker entweichen Dämpfe, die vielleicht als Träume verstanden werden können. Und aus einem dieser Dämpfe bildet sich ein Gesicht… Ribéry. Meiner Meinung nach 100 % Franck Ribéry. Doch urteilt selbst! Welchen Bezug hat ein „Künstler“ in Jerez zu dem beim FC Bayern kickenden Franzosen? Einen Messi oder Iniesta hätte ich ja verstanden, aber Ribéry?



Knapp eine Stunde Zugfahrt von unserem Urlaubsort Cádiz entfernt, war ein Spiel der 2. Liga Spanien angesetzt. Keine Frage: Kein Zögern, Sohn Paul untern Arm genommen und hin da! Wir konnten vom Aktionspaket 1+1 profitieren: 1 adulto zahlt, dann 1 nino umsonst. Vom Verkehrsauf-kommen auf dem Hinweg ausgehend, hätte ich auf knapp zweitausend Zuschauer getippt, aber es kamen weitaus mehr, um Abstiegskandidat Albacete zu sehen. Nach einiger Weile wurde mir klar, dass ich eine neue Kategorie Stadien würde aufmachen müssen: „der langweiligste ground“. Erste Nominierung: Das hier! So monoton, so ohne jeden Charakter oder ein Quentchen Charme. Auch zwei einsame Palmen im Rund vermochten es nicht, dass ich mein Urteil würde aufwerten können. ¡No!



Die Stimmung wurde trotz trostlosem Ambiente doch ganz gut, was vor allem an den halbes Dutzend Toren lag. Hier jedoch waren die Tore nicht etwa Krönung grandioser Ballstafetten, sondern die Produkte fussballerischer Unzulänglichkeiten. Besonders Xerez CD tat sich hier hervor, gelang es dem Club doch nicht, dem seit der 26. Minute nach einer zweiten “Gelben” reduzierten Gast Albacete in die Schranken zu weisen. Nach dem 3:1 in der 83. Minute kassierte Xerez eine Minute später in Überzahl das 3:2 und hätte sich von den aufopferungsvoll kämpfenden “Fledermäusen” fast noch den Sieg abluchsen lassen, was gar nicht unverdient gewesen wäre. Statt 3:3 hieß es nach einem sehenswerten Konter in der 94. Minute dann 4:2. Vielumjubelt: Der dreifache Torschütze in der 2. Halbzeit: José Mari.







24.4.2011 * Cádiz CF - CD Puertollano   2:0 * 18:00 Uhr * Segunda Division B, Grupo IV (3. Liga) * Estadio Rámon de Carranza, Cádiz * Zuschauer: 6 014 * Eintritt: 20 EUR (Kinder je 10 EUR) * Abreise: mit RENFE über Ronda und Córdoba nach Sevilla, dann wieder Sevilla -> Düsseldorf-Weeze mit Ryanair *

Fußball eine Religion? Während der Semana Santa, der Karwoche, finden in den Städten Spaniens hunderte von Prozessionen statt, in denen Nazareños in Ku-Klux-Klan-ähnlichen Gewändern durch die Stadt ziehen, um Buße zu tun. So sollte es nicht verwundern, dass die Aficionados von Cádiz am Ostersamstag ebenfalls zu ihrem Tempel, dem Estadio, pilgerten. Allerdings ging es hier weniger um Buße, sondern es handelte sich vielmehr um einen Protestmarsch mehrerer Fangruppierungen, die dem Mehrheitseigner Antonio Muñoz die Hölle heiß machen wollten: „Genug vom Betrug!“ oder „Muñoz hau ab!“ war auf Transparenten zu lesen. Unter reger Zustimmung anderer, herumstehender Fans wurden bengalische Feuer gezündet und einige Reporter sowie ein Kamerateam rannten dem Marsch hinterher und gaben ihm eine gewisse Wichtigkeit.





Meiner Tochter Pia (8) war es dagegen ziemlich egal, dass Cádiz CF zum Verkauf stand und von seinen Aktionären wohl nur als Spekulationsobjekt betrachtet wurde. Sie fieberte ihrem ersten Besuch eines Fußballspiels im Stadion entgegen. Dabei ließ sie sich weder von den extrem steilen Rängen des Stadions beeindrucken, noch vermisste sie bei den ständigen, heftigen Regenschauern ein trockenes Dach über dem Kopf. Die für eine viergleisige Dritte Liga hohe Zuschauerzahl von über 6 000 empfand sie nicht als ungewöhnlich und das das eher träge Spiel durch zwei zweifelhafte Elfer entschieden wurde, tat ihrer Begeisterung keinen Abbruch. Anders als befürchtet, wollte sie auch nicht schon nach der ersten Halbzeit wieder nach Hause, sondern lauschte geduldig dem Frage-Antwort-Spiel zum Geschehen auf dem Rasen zwischen Paul und mir. Nach dem Abpfiff konnte ich Pia sogar ermuntern, die Tribüne nach weggeworfenen Eintrittskarten für Chris aus Belgien abzusuchen. Na, wenn das keine gelungene Grundsteinlegung für eine spätere Groundhopperinnen-Karriere war?




















15.4.2011 * Fortuna Düsseldorf - 1. FC Union Berlin   3:0 * 18:00 Uhr * 2. Bundesliga * airberlin world, Düsseldorf * Zuschauer: 18 900 * Eintritt: 22 EUR * Anreise: 12,90 EUR mit BC50 * Jubiläumsspiel Nr. 750 ! *



Ein Stadion für nur drei (bzw. vier) Spiele ist schon ziemlich ungewöhnlich und so hatte ich an diesem Freitagabend einen Pflichttermin in der Landeshaupt-stadt. Und siehe da, der Ground konnte tatsächlich gefallen. Der Rindenmulch um die Stahlrohrtribünen gab dem Ganzen etwas von einer OBI-Outdoor-Verkaufsfläche, einmalig! Akklimatisierung bedurfte es für die Fans bei ihrer Stadion-Premiere offensichtlich keiner, denn die Stimmung war von Anfang an ganz passabel. Allerdings wurde der Alu-Gestängebau nicht ganz voll, was mich schon etwas wunderte. Aus "La Ola" machten die Düsseldorfer ein "Stahlgewitter", das (durch kollekives Trampeln auf die Aluplanken erzeugt) sich wellenförmig ausbreitete. Aus dem Gästeblock wurde der Gesang "Wir haben ein Stadion und ihr nicht!" laut, allerdings nur einmal. Offensichtlich hat danach das Nachdenken eingesetzt.



Einziges Manko an dem Abend: Die halbgare Stadionwurst. Ich sah mich schon wieder - wie eine Woche zuvor - reihernd, am Tropf hängend, in einem Krankenhausbett liegen. Glück gehabt! Daheim fand ich eine mail vom WDR im Postfach, daß man mit mir als Groundhopper in dem "Wegwerf"-Stadion gerne ein Interview geführt hätte. Hm, Pech gehabt!





27.2.2011 * SV Bergisch Gladbach 09 - Rot-Weiß Essen   1:4 * 15:00 Uhr * NRW-Liga * Belkaw-Arena, Bergisch Gladbach * Zuschauer: 1 602 * Eintritt: 9 EUR (Tribüne) * Anreise: keine, ich wohne hier * Mit Chris und Sohn Des aus Belgien sowie meinem Sohn Paul verweilte man beim "Spiel des Jahres" an der Paffrather Straße. Nach dem frühen 0:1 für RWE schien die Partie gelaufen, die weiteren Treffer nur eine Frage der Zeit zu sein. In der zweiten Hälfte war Gläbbisch wie ausgewechselt, schaffte gar den Ausgleich. Jetzt wurde es endlich ein ansehnliches Spiel und der Essener Anhang richtig wütend, da die sicheren drei Punkte kurzzeitig in Gefahr gerieten. Letztendlich machte RWE "den Sack" doch noch zu, auch wenn der Sieg um zwei Tore zu hoch ausfiel. Nachher feierten Spieler und Anhänger den Fast-Aufstieg und im Stadion erschallte das Vereinslied "Ohhhh RWE...!" Das ist bergische Gastfreundschaft.







20.2.2011 * DSC Wanne-Eickel - FC Borussia Dröschede   4:0 * 15:00 * Verbandsliga Westfalen, Staffel 2 * Sportpark Wanne-Süd, Herne * Zuschauer: 203 * Eintritt: 6 EUR * Anreise: SchönerTagTicketNRW 26 EUR * Es war ein gemütlicher Nachmittag im tristen Herne. Während hier der Favorit standesgemäß gewann, entführte einige hundert Meter weiter der SV Bergisch Gladbach 09 bei Westfalia alle drei Punkte.



Einige Trunkenbolde grölten ab und zu "Sonne, Mond und Sterne - Scheiße über Herne". Auch 36 Jahre nach der Gebietsreform hält man sich in Wanne und Eickel für Wanne-Eickler und nicht für Herner. Hm... und wenn schon: Pott is Pott!  Zur 80. Spielminute überließ ich das Spiel im Sportpark dem "Mond von Wanne-Eickel" und flüchtete in die warme Straßenbahn.







26.1.2011 * Alemannia Aachen - Bayern München   0:4 * 20:30 Uhr * DFB-Pokal, Viertelfinale * (neuer) Tivoli, Aachen * Zuschauer: 32 190 (ausverkauft) * Eintritt: 24 EUR + VV * Anreise: mit dem Zug 12,90 EUR und 5 EUR für n Taxi *

Ein wahrlich seltener Zufall bescherte mir in Aachen meinen alten Jugendfreund Festus, treuester Bayern-Fan der Stadt Hagen, als direkten Sitznachbarn. Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe, ihn nach fast 20 Jahren – in denen man nur sporadisch aneinander vorbei gelaufen war – mal intensiv zu verhören: Was er so treibt, was ehemalige gemeinsame Bekannte machen und sonstige Dinge. Er fahre immer noch zu jedem Bayern-Pfichtspiel (Angesichts seines knappen Budgets als Schwerbehinderter eine reife Leistung, aber er verfügte schon immer über eine ihm eigene Schlitzohrigkeit, sich durchs Leben zu wuseln.) Freundschaftsspiele nicht mehr alle, er ginge ja schon auf die 47 zu. Dem Damen-Fußball hätte er abgeschworen, dafür begleite er gelegentlich die Basketballmannschaft des FCB. Wohne immer noch bei Muttern, die schon über 70 sei und immer schlechter höre. Den Winter möge er nicht, wegen dem vielen Schnee. Es sei so viel Arbeit, diesen vom Grab seines vor sechs Jahren gestorbenen Vaters zu schaufeln. Seit einem Jahr hätte er ein Laptop, noch vor Jahren – nach eigener Aussage – undenkbar (und für mich auch heute unvorstellbar). Er würde gerne ins RTL-Dschungel- camp ziehen: Für 50 000 EUR sei er bereit, lastwagenweise Gülle zu trinken oder Kakalaken zu essen. Daran habe ich absolut keine Zweifel! Während des Spiels kamen mir immer mehr Erinnerungen an meine Zeit mit Festus ins Gedächtnis zurück: Die erste Begegnung im Mai 1986 am Bochumer Hbf, zahlreiche Fahrten im Luna-Schlafwagen nach München, der Abstecher vor einem Pokalfinale  in Berlin nach Polen rüber, die Schließfach-Aktionen in Cork und Hamburg, sein aus dem Zug geflogener Fotoapparat kurz vor Bremen, seine Hannen-Alt-Bierdosen-Lieferung für mich nach London („ohne Preisschilder, sonst wären die Dosen zu schwer…“), seine Erzählungen über seinen Krankenhausaufenthalt wegen seiner ... während einer Übernachtung in Norwich (Comedy pur !!!!), als ich mit ihm in einer Gyrosbude am Dortmunder Hbf stand und plötzlich eine Horde DO-Hools reinstürmte, mir (und Festus wohl auch) der Hintern auf Grundeis ging und plötzlich der Anführer des Mobs Festus erkannte und ihn als Informant für Feindbewegungen im Bahnhofsviertel nutzte…. und und und. Festus machte seinem Spitznamen „wandelndes Kursbuch“ noch immer alle Ehre, kennt er doch nahezu alle Abfahrzeiten und Relationen in- und auswendig. Er gab mir die Info, dass die Busse nach dem Spiel nur bis Aachen Bushof fahren. So verließ ich nach 78 min. beim Stande von 0:2 den ground, um den ersten Bus zu erwischen. Doch der rührte sich bis 10 min nach Abpfiff nicht. Am Bushof musste ich 10 min kreuz und quer über die Kreuzung titschen, um ein Taxi zum Hbf zu erwischen. Lieber hier 5 EUR zahlen, als später ein Taxi von Köln nach Hause chartern zu müssen. Den 22:52-Zug hab ich dann auch gekriegt…! Festus sei Dank!





8.1.2011 * AC Siena - UC AlbinoLeffe   2:1 * 15 Uhr * Serie B (2. Liga) * Stadio Artemio Franchi, Siena * Zuschauer: 6 804 * Eintritt: 20 EUR für Tribüne * Anreise: zum Flughafen DUS mit der Bahn 12,90 EUR, Flug mit easyJet nach Rom-Fiumincino 49,99 EUR * Zugfahrt Roma Termini -> Siena 27,90 EUR (alles Hin/Rück) und 2 Nächte im Hotel Baltic **, Rom für 99 EUR *

Ich erinnere mich an eine Hopping-Tour umso lieber zurück, wenn ich ein fesselndes Buch (oder meine fesselnde Frau) dabei hatte. Unvergessen „Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla“ von Hakan Nesser auf der Porto-Lissabon-Reise im Februar 2009. Diesmal hatte ich „72 Tage in der Hölle: Wie ich den Absturz in den Anden überlebte“ von Nando Parrado eingesteckt. „Nicht gerade die passende Lektüre während eines Fluges?!“ dachte sich wohl mein Unterbewusstsein und ließ mich das Buch im Flieger liegen lassen. So musste für die Zugfahrt von Rom nach Siena ein neues her. Der Shop im Bahnhof Termini hatte „The Great Railway Bazaar“ von Paul Theroux. Zwar auf Englisch, aber absolut genial und für mich als Interrailer nun ein Standardwerk!







Das Stadio Artemio Franchi ist etwas merkwürdig: Es liegt mitten im mittelalterlichen Siena, unweit des einmaligen Piazza del Campo und des Domes in einer Vertiefung und von Häusern oder einem nervigen Zaun umgeben. So ist der ground von außen nur wegen der Flutlichtmasten als solcher erkennbar. Tickets kann man nicht am Stadion erwerben, sondern nur an einem Schalter in einer Passage unter dem Busbahnhof, den ich erstmal suchen mußte. Beim Kauf ist der Perso zu präsentieren, der Name wandert auf das Ticket und beim Eingang ins Stadion ist beides Zwecks Abgleich wieder vorzulegen  - dagegen interessiert mein Rucksackinhalt niemanden. Die Sitzplätze befinden sich größtenteils auf den in Italien wohl unvermeidlichen, grausamen Stahlrohrtribünen. Die ganze Arena ziemlich wirkt unharmonisch. Blickfang ist eine große Tribüne, wo sich die einheimischen Fans einfinden und die die Aufschrift "ROBUR" trägt. Der Begriff war früher Teil des offiziellen Vereinsnamens und wird laut wikipedia von den Fans deswegen noch verwendet, um sich deutlich von den beiden örtlichen Basketball-Mannschaften abzuheben. Die Gäste kamen aus den Dörfern Albino und Leffe, Nähe Bergamo, hatten aber Null Fans mitgebracht. Vor Spielbeginn eine Schweigeminute, ich hab nur was von Afghanistan verstanden. Die Rollen vor der Begegnung  klar verteilt: Siena der haushohe Favorit und die Albinos die Underdogs - und so verlief das Spiel auch. Die Albinos waren 89 Minuten absolut chancenlos, markierten in der 90. Minute den Anschlußtreffer und hätten in den vier Nachspielminuten beinahe noch den Ausgleich gemacht. So aber siegte der AC Siena hochverdient und schob sich auf den 2. Platz der Serie B vor. Na ja... und die Stimmung während des Spiels war echt zum Einschlafen!



Am nächsten Tag in Rom schaute ich nach über 20 Jahren mal wieder bei den Stadien Flaminio (ein Stahlrohr-Alptraum) und Olimpico vorbei. Im letzteren stieg Stunden später die Begegnung Lazio - Lecce, ich mußte aber am Sonntagnachmittag meinen Flieger gen DUS nehmen. Fazit: Geruhsames Wochen- ende, in Siena ist nur die Stadt sehenswert, der Fußball weniger.