"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]




zum Fußball 2020 (1)




Belgien ist ein wahres Paradies für LOST GROUNDS. Es gibt dort so viele, daß es mir unmöglich gelingen könnte, auch nur einen Bruchteil davon bei gewöhnlichen Wochenend-Touren (in Kombination mit Spielbesuch) abzugrasen.

Spontan aus der Not eine Tugend gemacht: Statt EURO 2020 in Schottland nun coronabedingt ein 6-Tage-Marathon durch das kleine sympathische Nachbarland. Mein Ziel:  Eine möglichst hohe Anzahl verlassener Fußballplätze zu spotten – und dabei auch die Perlen mitzunehmen. Tatsächlich gibt es auch bei LOST GROUNDS sowohl langweilige, stinknormale Plätze – als auch Grounds, die einem den Atem verschlagen und das melancholische Hopperherz höher schlagen lassen.

Als Basis wählte ich Antwerpen  - wahrscheinlich wegen dem genialen Bahnhof, an dessen Hinterausgang mein Hotel (Ibis budget Centraal Station, 5x Ü zu im Schnitt 49,91 EUR/ Nacht) lag. Vom Zimmer aufs Gleis in weniger als 8 Minuten war locker zu schaffen.



LOST GROUNDs und Stadien in der Reihenfolge der Besuche und die wichtigsten genutzten Zugstrecken: 1. Viséweg, Tongeren * 2. Sint-Maartensstraat, Riemst * 3. Roosburg, Zichen-Zussen-Bolder * 4. Kerkstraat, Rosmeer * 5. Complex Blookstraat, Mopertingen * 6. Sportcomplex Haenenbos, Eigenbilzen * 7. Gellikerheide, Gellik * 8. Stadion Waltwilder, Waltwilder * 9. Terrein Martenslinde, Bilzen * 10. Langeweg, Biesen * 11. Smisstraat, Hoeselt * 12. Veurnestraat, De Panne * 13. Robert Prootstadion, Middelkerke * 14. Kerremelkpit, De Haan * 15. Jules Soetestadion, Blankenberge * 16. Sportpleien R.O.G., Sint-Pietersveld * 17. Stade Adeps de Jambes, Jambes * 18. Avenue Doyen Roger Woine, Yvior * 19. Route de Boullion, Biévre * 20. Stade Jules Jacques, Graide * 21. Rue de la Scierie, Opont * 22. Rue du Moulin, Naomé * 23. Stade Communal, Beauraing * 24. Stade Tilleux - Joseph Lambert, Ciney * 25. Stade Michel-Soulier, Namur * 26. Veltwijckpark, Ekeren * 27. Puyenbeke Stadion, Sint-Niklaas * 28. Grote Heirenthoek, Landegem * 29. Voetbalvelden aan de Schiptrekkersbrug, Denderleuuw * 30. Thontlaan, Denderleeuw * 31. Ressegemstraat, Herzele * 32. De Tramzate, Herzele * 33. Houte, Balegem-Dorp * 34. Sint-Barbarastraat, Kumtich *  35. Oude Baan, Roosbeek * 36. Klein Heidestraat, Neervelp * 37. Boststraat, Boutersem * 38. Keienpoelweg, Hakendover * 39. Klein Broekstraat, Wommersom * 40. Luc De Rijk Stadion, Beerlar * 41. Imbeekstraat, Herne * 42. Eersbekeweg, Geraardsbergen * 43. Stade du Caillou Hubin, Lessines * 44. Stade Philippe Notté, Lessines * 45. Kortelakestraat, Geraardsbergen * 46. Victor de Spiegeleerstadion, Hillegem * 47. Stade Comunal Frank Vercauteren, Brüssel *


1. Tag

Bahn: Bergisch Gladbach – Köln – Liége Guillemins – Tongeren (218 km zu 23,75 EUR )

Fahrrad: Tongeren – Riemst – Zichen-Zussen-Bolder – Rosmeer – Mopertingen – Gellik – Waltwilder – Rijkhoven – Hoeselt – Tongeren (66,3 km zu 1,15 EUR)

Bahn: Tongeren - Liége Guillemins – Bruxelles Nord – Antwerpen Centraal (zu 13,10 EUR)

7 Lost Grounds, 4 Stadien

Mein Marathon durch Belgien beginnt mit einem Marathon durch gut ein Dutzend limburgische Dörfer zwischen Tongeren und Maastricht. Dabei erweist sich das angemietete blue-bike als ein zuverlässiger, jedoch etwas schwerfälliger Partner. Pannenfrei werden wir die nächsten neun Stunden entlang von Landstraßen und auf Radwegen unterwegs sein. An die Regel, daß man (einige) Straßen mit dem Fietsen gar nicht erst befahren darf, muß ich mich noch gewöhnen. Und die Autofahrer an mich.

Wenn man so von LOST GROUND zu LOST GROUND radelt, weiß man vorher nie genau, was einen beim nächsten Etappenziel erwartet. Das vor allem macht die Sache spannend. Ist der Ground verlassen und so frei zugänglich? Oder ist er Privatbesitz und auf Grund von Zäunen, wilder Vegetation oder bissigen Hunden gar nicht zu erobern? Ist von dem Ground überhaupt noch was übrig oder entsteht dort gerade ein neuer Supermarkt? Oder fährt gerade ein Aufsitzmäher über den englischen Rasen und das LOST war eine Fehlinformation?

Tongeren Bahnhof

 

Genoelselderen


Zichen-Zussen-Bolder



In Zichen-Zussen-Bolder erwarte ich ein planiertes Gelände. Stattdessen wartet auf mich ein – zwar verwahrlostes – Clubheim, eine vergammelte Tribüne und sogar sehenswerte Überreste eines Nebenplatzes auf mich. Positive Überraschung! Wenige Schritte vom Ground entfernt gab es mal einen Stollen, in dem in ganz großem Stil Champignons gezüchtet wurden. In den 1950er Jahren ist das Ding eingestürzt und hat einige Menschen unter sich begraben. In Rosmeer ist der Ground dagegen in Topzustand. Es hat den Anschein, als hätte der Platzwart gerade Mittagspause. In fünf Minuten könnte Anstoß sein. Dabei ist hier seit über einem Jahr kein Spielbetrieb mehr.

In Eigenbilzen ein Zufallsfund: Der Ground der Jungle Boys ist intakt und was für Liebhaber. Die Straße ins Dorf verläuft zwischen schnuckeliger Tribüne und Spielfeld.

Kurze Mittagspause im Schatten eines denkmalgeschützten Ami-Panzers in Mopertingen. Bei dem Namen muß ich an Wolpertinger denken, aber solche Viecher sind hier nicht zu sehen.

Eigenbilzen


Ami-Panzer in Mopertingen


 

über den Albertkanal


Gellik


Dafür in Gellik wieder eine Überraschung: Das Gelände von Apollo ´74 dient inzwischen als Gehege für (vermutlich) Rehwild. Im Schatten des Vereinsheims dösen Ricken, an der Torauslinie stolziert ein Bock mit stolzem Geweih und auf dem Rasen grast eine Bande kleinerer Kitze. Einmalig!

Kasteel Alden Biesen


mit dem Blue-Bike am Langeweg in Biesen


Schön gammelig auch der LOST GROUND am Langeweg, wo einst der KMR Biesen kickte. Ich liebe diese handgemalte Werbung entlang eines Spielfeldes, die entweder von Wind und Wetter oder vom hohen Graswuchs fast unsichtbar wird. Der Nebenplatz hat auch einen kleinen Unterstand – nicht etwa für Kühe. Ein Schild gibt unzweifelhaft Auskunft darüber, daß hier einst der Stammplatz von Opa Raets war.

Sechs Wasserflaschen später bin ich abends zurück am Bahnhof von Tongeren. Fix und alle. Ich laufe wie ein 85jähriger und ich hab mir nen sauberen Sonnenbrand eingefangen.

Biesen


Alt Hoselt


2. Tag

Bahn: Antwerpen Centraal – De Panne (150 km zu 8,30 EUR)

Kusttram: De Panne – Middelkerke – Wenduine – Blankenberge (64 km zu 7,50 EUR)

Bahn: Blankenberge – Aalter – Gent St. Pieters – Antwerpen Centraal (120 km zu 8,30 EUR)

Fahrrad: Aalter – Maria-Aalter – St. Pietersveld und zurück (20 km zu 1,15 EUR)

4 Lost Grounds, 1 Stadion

Tag 2. Mit dem Standard-Multi Rail Pass von der Belgischen Bahn (10 Fahrten für nur 83 EUR) an die Küste. Sonne, Strand und mehr LOST GROUNDS. Ich beginne in De Panne. Nomen est Omen. Der ehemalige Ground des KRC De Panne ist erst nach einer langen Wanderung entlang der Oosthoekdünen erreicht und von Wohnhäusern und einem Gehege für Schafe und Esel umgeben. Außer den Flutlichtmasten und dem verschlossenen Eingangsbereich bekomme ich nix zu sehen. Dabei ist der Platz nicht mal richtig LOST. In Middelkerke wird es auch nicht besser: Statt auf den Ground blicke ich hier in ein tiefes Loch. An einer Reihe von Bäumen ist immerhin noch die alte Anzeigetafel erhalten geblieben.

Antwerpen Centraal

 

Rückfront Antwerpener Zoo


Oosthoekduinen, De Panne


Wenduine


Besserung erst in Wenduine. Der Ground hat zwar Spielbetrieb, liegt aber so einmalig idyllisch zwischen den De Haaner Dünen, daß ich ihn auf meine to spot-Liste gesetzt hatte. Zu Recht, eine Perle in der Natur! Auf einen verrammelten Ground stoße ich auch in Blankenberge. Hatte gehofft, der als Parkplatz genutzte Innenraum wäre begehbar gewesen. So muß ich mich ein wenig sportlich betätigen, um einen (legalen !) Blick auf die Tribüne werfen zu können. .

Blankenberge


Lost Tennisplatz


Für den Höhepunkt des Tages ist am Abend eine 20 km-Radtour erforderlich: Ab Aalter geht es über Maria-Aalter nach Wingene. Hier steht ein echter Hingucker an Tribüne: Alt, stilvoll und noch nicht allzu sehr durch Vandalismus zerstört. Auf dem Rückweg wird ein verlassener, in einem Waldstück gelegener alter Friedhof inspiziert. Hätte das Zeug für eine Filmkulisse.

Sint Pietersveld (Wingene)


Lost Friedhof


3. Tag

Bahn: Antwerpen Centraal – Bruxelles Noord – Namur – Graide (180 km zu 8,30 EUR und 8 EUR für Fahrradtransport im Zug)

Fahrrad: Graide Station – Bièvre – Graide Station – Graide – Naomé – Opont – Naomé – Carlsbourg (19 km zu 1,15 EUR)

Bahn: Carlsbourg – Namur – Ciney (60 km zu 8,30 EUR) und Ciney – Namur – Bruxelles Noord – Antwerpen Centraal ( 130 km zu 8,30 EUR)

Fahrrad: innerhalb Namur (4 km zu 1,15 EUR)

7 Lost Grounds, 1 Stadion

In den Süden. Beim Zwischenstop in Namur nehme ich mir ein blue-bike mit in den Zug. Ab Graide-Station muß ich kräftig in die Pedale treten. Zuerst nach Biévre. Kinderspiel. Dann nach Opont. Google Map und eine Tafel mit Wanderkarte vor Ort empfehlen die Route A2 oder so ähnlich. Bald stehe ich orientierungslos mitten im Wald auf felsig-steinigem Untergrund und ohne Handyempfang. Jeder Meter hier ist so anstrengend wie 20 m auf dem Asphalt. Meine Beine haben sich von der Mördertour vor zwei Tagen noch nicht richtig erholt. Irgendwann stoße ich wieder auf eine befestigte Straße und schwöre, nie mehr in einen Waldweg abzubiegen. Die Straße heißt Rue de Progrés. Von wegen Fortschritt, ich bin jetzt weiter vom Ziel entfernt als zu Beginn der Etappe.  Den Berg hoch bis Graide, dann weiter Richtung Naomé. Die Steigungen hier nehmen einfach kein Ende. Kurze Pause an einem Fußballplatz, wo einst der SC Graide kickte. Ich hab kein Trinkwasser mehr und im nächsten Ort Naomé sehe ich keine Geschäfte. Bis Opont ist es nicht mehr weit. Aber ich kenne den Berg dazwischen noch nicht… Ich komme mir vor wie bei einem Radrennen in den Ardennen. Dabei bin ich längst in den Ardennen, weiß es nur nicht. Mein persönliches Highlight der Tage in Belgien kommt, als ich – inzwischen fast völlig entkräftet – ein Schild mit der Aufschrift „Col de BAUCES - 397 m“ passiere. Ich bin nicht am Col de Madeleine auf 2000 m, aber ich fühle mich genauso. Sooo geil!. Unbezahlbar!

Bièvre

 

Offensiv durch die Ardennen...


Opont



Der LOST GROUND des RAC Opont ist die Strapazen wert gewesen, allein schon wegen seiner spektakulären Tribüne. Auch in Opont gibt es für mich kein Wasser, und so quäle ich mich gemächlich ein weiteres Male über den Col de Bauces zurück nach Naomé. Hier entdecke ich einen mir noch unbekannten LOST GROUND (yeah !) und strampele weiter nach Carlsbourg, wo es mitten in der ardennischen Pampa einen Bahnhof gibt. Natürlich verpasse ich den stündlichen Zug nur um eine Minute. So hab ich 59 Minuten Zeit, in Carlsbourg das dringend benötigte Wasser aufzutun. Schließlich erbettele ich mir 1,5 l aus der Leitung in einem Großhandel für Landwirtschaftsgedöns.

Naomé



Beauraing



Ciney



Mit der Bahn via Namur weiter nach Ciney, wo in Bahnhofsnähe, aber dennoch versteckt, das Stadion der Football Union Wallonne Ciney steht. Aber wohl nicht mehr lange. Schade um dieses Old School-Prunkstück. Wieder in Namur, noch mal aufs Fahrrad: Vom Stade Michel-Soulier gibt es noch zwischen Parkhaus und Bahnlinie Überreste der Stehränge. Muss ich sehen. Sehe ich! Klasse!

Namur



4. Tag

Bahn: Antwerpen Centraal – Ekeren – St. Niklaas – Landegem (97 km zu 8,30 EUR)

Fahrrad: innerhalb St. Niklaas (4 km zu 1,15 EUR)

Bahn: Landegem – Denderleeuw – Balegem-Dorp (73 km zu 12,50 EUR) und Balegem-Dorp – Gent St. Pieters – Antwerpen Centraal (72 km zu 8,30 EUR)

5 Lost Grounds, 3 Stadien

Nach Ekeren habe ich heute das Puyenbekestadion in Sint-Niklaas auf dem Zettel. Ist das nun LOST oder nicht? Gerade dient er einigen Kindern zu Trainingsspielchen, während die Erwachsenen auf dem Parkplatz stehend durch die alten Werbetafeln hindurch linsen müssen, um den Nachwuchs beobachten zu können. Einigen you-tube-Videos nach zu urteilen, nutzt der FC Sint-Niklaas weiterhin den Hauptplatz und nicht einen der umliegenden 08/15-Plätze.

Ekeren

 

Sint Niklaas


Denderleeuw



Weiter nach Landegem. Hier steht ein well maintained LOST GROUND. Meine melancholische Seele lechzt aber nach rostigen Torpfosten, einstürzenden Clubheimen, windschiefen Tribünen und hüfthohem Gras. Treibe mich noch in Denderleeuw, Herzele und Balegem-Dorp herum, aber so richtig fündig werde ich nicht. Traumhafte LOST GROUNDs gibts auch nicht um jede Ecke.

Herzele


Balegem-Dorp



5. Tag

Bahn: Antwerpen Centraal – Leuven – Tienen und zurück via Berlaar (90 km zu 11,40 EUR)

Fahrrad: Tienen – Kumtich – Roosbeek – Neervelp – Boutersem – Hakendover – Wommersom – Tienen (44 km zu 1,15 EUR)

5 Lost Grounds, 2 Stadien

Das Umland von Tienen scheint ein schlechtes Pflaster für kleine Fußballvereine zu sein – und ist daher ein El Dorado für verlassene Fußballplätze. Letztes Jahr war man schon per blue-bike im Süden von Tienen unterwegs, jetzt werden die anderen drei Himmelsrichtungen angepeilt. Im Westen geht´s die N3 entlang bis Kumtich. Hier in der Sint-Barbarastraat steht ein absolutes Klasseteil. Ab 1938 spielte hier K Union Sint-Gillis Kumtich. 80 Jahre später waren die Damen des DVC Eva’s Tienen die letzten Nutzer des Grounds. Darauf deutet auch die mit Glühbirnen ausgestattete coole Anzeigetafel hin. In einer der Umkleiden steht noch eine Massagebank. Von wem sich die Eva´s hier haben durchkneten lassen? Hier ist so ein Platz, da könnte ich stundenlang bleiben und stöbern oder nur herumsitzen und genießen. Aber ich „muß“ weiter, neue Entdeckungen warten. Am Ground von Roosbeek klatsche ich beinahe mit voller Wucht auf den Asphalt – mein blue-bike will nicht durch den tiefen Schotter und bockt.

Kumtich

 


 

Neervelp



Später erwischt es mich auf andere Weise… man findet sich in Brennessel liegend in einem Feld wieder. Ich glaube, ich werde langsam tattrig. Auch die LOST GROUNDS von Boutersem und Neervelp sind klasse und so radele ich mit leichten Blessuren und guter Laune zurück nach Tienen und weiter östlich nach Hakendover.



Die Uhr ist verschwunden, ...


... der Ground am Keienpoelweg ist verlassen.


Hier am Keienpoelweg gibt es einen Ground mit einer megageilen Stadionuhr… dachte ich. Statt der intakten Spielstätte von Vorwaarts Hakendover erwartet mich eine brachliegende Fläche und ein im Wind mächtig klappernder Unterstand mit Blechverkleidung. Der Platz ist weg… ich werd nicht mehr.  So sehr ich LOST GROUNDS mag, hier wäre mir die Stadionuhr lieber gewesen. Weiter nach Wommersom, deren verlassene Anlage von Vandalen heimgesucht wurde. Zurück in Tienen steht eigentlich noch ein Ausflug in nördliche Himmelsrichtung an. Aber zusätzliche 25 km sind meinen von blue-bike-gequälten Beinen zu viel.



6. Tag

Bahn: Antwerpen Centraal – Bruxelles Midi – Herne – Lessines (120 km zu 8,30 EUR)

Fahrrad: 2x innerhalb von Geraardsbergen (6 km zu 2,30 EUR)

Bahn: Lessines – Hillegem – Bruxelles Midi – Bergisch Gladbach (298 km zu 54,85 EUR)

7 Lost Grounds

„Sonne, Mond und Sterne…“ beginnt einer meiner Lieblings-Kurvengesänge. In Herne, Belgien, gibt es Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere reichlich. Was aber nicht an Wanne-Eickler Verwünschungen liegt. Herne, Belgien, ist halt ein Bauerndorf. So wurden an der Imbeekstraat , wo einst der VC Herne kickte, Schafe einquartiert. Die Beschilderungen an den Türen des Schafsstalls sind als Relikte der Fußballvergangenheit erhalten geblieben.

Antwerpen Centraal

 

Herne


Wozu LOST GROUNDS so alles genutzt werden: Hundeschulen, Pferdewiesen, Schafsställe, Wildtiergehege… Vereinsheim für ne Outlaw Motorcycle Gang hatte ich noch nicht. In Geraardsbergen haben sich die Blue Angels am Eersbekeweg einquartiert. Weswegen ich heute von einer nähergehenden Inspektion des Geländes absehe. Weiß nicht, ob die Rocker neugierige Groundhopper auf ihrem Gelände akzeptieren würden.

Geraardsbergen


Lessines


In Lessines steht u.a. das Stade Philippe Notté, der vielleicht herausragende LOST GROUND der letzten Tage. Unbedingt ein Besuch wert! Vom Zug aus erkenne ich auf dem Rückweg nach Geraardsbergen einen weiteren, mir noch unbekannten LOST GROUND. Nochmals ein blue-bike geschnappt und hingeradelt. Hier spielte einst der KVR Overboelare. Ein abgestecktes Gelände und erste Fundamente zeigen deutlich, daß der Ground bald gänzlich von der Bildfläche verschwinden wird.

Lessines


Lessines


Geraardsbergen


Hillegem


Noch ein Stopp in Hillegem, dann bin ich in Bruxelles Midi. Bis mein ICE nach Kölle fährt, hab ich noch Zeit, zum Frank Vercauteren Stadion zu pilgern. Die Gegend scheint zu denen zu gehören, in denen überwiegend sozial benachteiligte Menschen leben. Auf dem Sportplatz ist zwar mächtig was los, aber alles ist so schrecklich verwahrlost und verschandelt, daß ich dem Ground das Attribut LOST verpassen muss.

Brüssel


Lost Kirche





Rundreise mit der Bahn (Bergisch Gladbach -> Berlin -> Erfurt -> Bergisch Gladbach) zu 155,85 EUR * 2x Ü im Hotel Ambert zu je 27 EUR * Foto-Tour im Lungensanatorium Grabowsee zu 89 EUR

Die erste Chance nach dem Corona-Lockdown, wieder innerhalb von Deutschland eine touristische Reise zu unternehmen, nutzte ich zu Pfingsten und railte in die Hauptstadt. Zwar gab es hier noch keine rollenden Bälle, aber eine ganze Liste besuchenswerte LOST GROUNDS und andere Stadien. Dazu ergab sich zufällig die Möglichkeit, mit der Lungenheilanstalt Grabowsee einen interessanten LOST PLACE zu besuchen. Als Höhepunkt diente zum Abschluß der Tour das Spotten der brachliegenden Manfred-von Brauchitsch-Kampfbahn in Rudisleben (bei Erfurt) [Ergänzung: Nur ein paar Tage später bricht auf der netten Tribüne ein Feuer aus..].

Unterwegs hatte ich die Ehre, die Hopperkollegen Johannes Brattke und Michael Stoffl (in Berlin) persönlich kennenzulernen und ein Wiedersehen mit Efu-Uwe (in Erfurt) zu feiern, der mich dankenswerterweise nach Rudisleben und zurück chauffierte. Nun ein paar Bilder der Tour - vollständig alle Fotos finden sich in den Rubriken Stadionfotos und Lost Grounds.

Besuchte Locations in Berlin und im Umland. Rudisleben fällt aus dem Rahmen.




Plumpe


Kokswiese


Lichtenberger Stadion


am Sportforum Hohenschönhausen





Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark



coronabedingte Leere in der Außengastronomie


Wasserturm am Ostkreuz


Flughafen Tempelhof


American Eagle


tagsüber menschenleere U-Bahn-Station


Vereinsheim am Sportplatz Schmachtenhagen


Alte Försterei


KWO-Sportanlage


Ernst-Grube-Stadion


Stadion in der Wuhlheide


Stadion Wilmersdorf


Looping von Ursula Sax, 1992


an der AVUS-Nordschleife


Treppenaufgang S-Bahn Olympiastadion


Lungenheilanstalt Grabowsee















Manfred-von-Brauchitsch-Kampfbahn, Rudisleben









Spielbesuchverluste wegen Corona im März 2020










08.02.20 * Viktoria Köln - Bayern München II   2:4 * 14:00 Uhr * 3. Liga * Sportpark Höhenberg, Köln * Zuschauer: 3 669 * Eintritt: 15 + 5 EUR im Familienblock * An- und Abreise mit der VRS zu 12 EUR

Start ins neue Fußballjahr mit Martin (8). Hätte mit etwas mehr Zuschauern, vor allem im Bayern-Block, gerechnet. Nun ja, die Stimmung seitens der Gäste war OK und das Spiel wurde, je mehr Zeit verging, umso besser. Zwei Tore von Sarpreet Singh stimmten mich schon etwas auf die bevorstehende Reise nach Indien ein. Martin ging nach 80 Minuten, um auf dem Kunstrasenplatz hinter der Haupttribüne mit anderen kiddies zu kicken. Nachher mußte ich ihm in allen Einzelheiten erzählen, wie der letzte Treffer gefallen war, ob die Kölner traurig vom Platz schlichen und wie die Bayern ihren Sieg gefeiert haben :-).