"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]

zum Fußball 2006 - 2007


BayArena.


24.6.07 * Bayer Leverkusen – Bayern München  2:1 n.V. * 11 Uhr * Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren * BayArena, Leverkusen * 22 500 Zuschauer * Eintritt: kostenlos * Anreise: von LEV-Karsten im Auto mitgenommen worden * der Zuschauerandrang an diesem Sonntagvormittag war gewaltig: selbst kurz vor Ende der ersten Halbzeit drängten noch Menschen nach und schließlich war jeder Platz im Ground besetzt * gute Stimmung, auch von den mitgereisten Münchnern um RM-Andi * die Bayern, zu Beginn stark überlegen, führten die längste Zeit der Partie, um letztendlich in der Verlängerung doch noch den Kürzeren zu ziehen, Bayer 04 spielte wirklich stark und gewann verdient den Titel * in den Reihen der Bayern: der noch unbekannte Toni Kroos.

Geniales Kennzeichen.


Vilnius.


Traktor Stadion, Minsk


9.6.07 * Zvezda BGU Minsk – Granit Mikashevichy   1:2 * 14 Uhr * 2. Liga Weißrussland * Traktor-Stadion, Minsk * 40 Zuschauer im zweit-größten Stadion des Landes, Geisterkulisse * Eintritt: kostenlos * keine Eintrittskarte, keine Gastronomie * etwa vier Normalos jubelten für Granit * zum Ende der ersten Halbzeit hingen vier Jugendliche im Block der Heimmannschaft ihre drei „Zvezda“-Fahnen an den Zaun * bei großer Hitze war die Spielverfolgung eine echte Herausforderung *




Friedhof der Kräne, Minsk



Torpedo Stadion, Minsk

10.6.07 * FK Minsk – Shakter Soligorsk   0:0 * 18 Uhr * 1. Liga Weißrussland * Torpedo-Stadion, Minsk * 2 000 Zuschauer * Eintritt: kostenlos * Anreise Flug Düsseldorf -> Vilnius und retour für 97 EUR, Zugfahrt Vilnius -> Minsk und retour für ca. 14 EUR * keine Eintrittskarte, keine Gastronomie, große Polizeipräsenz * etwa 20 Fans aus Soligorsk und 40 Stimmungsmacher von FK Minsk, Erkennungsmerkmal: karierte Sherlock-Holmes-Mützen * zum Pinkeln wurden die Gruppen in der Pause von der Polizei eskortiert * kein hochkarätiges Spiel *





"Operation Aufstieg"

 

3.6.07 * SSG 09 Bergisch Gladbach – Rot-Weiß Oberhausen 3:1 * 15 Uhr * Oberliga Nordrhein * Belkaw-Arena, Bergisch Gladbach * 2 000 Zuschauer * Eintritt 6 EUR * Anfahrt mit dem Rad * letzter Spieltag der Saison *

sportlich unbedeutend, da SSG 09 als Nichtabsteiger und RWO als Aufsteiger feststehen * zweitbeste Saisonkulisse * SSG 09 überraschend stark, RWO dagegen wie valiumtherapiert * kann mich nicht erinnern, dass die SSG jeweils ein Spiel gegen einen Ex-Bundesligisten gewonnen hat, geil !!! * kurz vor Schluß fliegen aus dem RWO-Block Leuchtraketen auf Tartanbahn und Spielfeld * das match wird unterbrochen und schließlich nicht mehr angepfiffen * das Eingreifen der Polizisten genauso behäbig wie die Spielweise der Gäste * schließlich steigen noch RWO-Spieler auf die Tribüne, um die Fans zu beruhigen *




27.4.07 * Lichterfelder FC – Berlin Ankaraspor  1:3 * Oberliga Nordost Nord * Stadion Lichterfelde, Berlin-Lichterfelde * ca. (gezählt aber vergessen) Zuschauer * Eintritt 6 EUR, ermäßigt 3 EUR * Anfahrt gratis da Dienstreise * interessantes Stadion mit gemütlicher Tribüne * der LFC erschien mir stärker, aber die Tore schossen die Türken, zur Halbzeit stand es schon 0:2 *






29.4.07 * TuS Makkabi Berlin – FC Spandau 06   3:1 * 11.15 Uhr * Verbandsliga Berlin * Julius-Hirsch-Sportplatz , Berlin-Charlottenburg * ca. 50 Zuschauer * Eintritt 6 EUR, ermäßigt 4 EUR * Anfahrt gratis da Dienstreise (nach Lübz) * hatte im Internet gelesen, Makkabi würde auf dem mir völlig unbekannten Julius-Hirsch-Sportplatz antreten, der dazu noch in unmittelbarer Nachbarschaft von Elenas Wohnheim liegt * dort aufgetaucht, entpuppte sich der ground als identisch mit dem „Sportplatz Eichkamp“, den man natürlich längst gemacht hat * obwohl also kein neuer Ground trotzdem das Spiel geguckt * unter den Spielern von Makkabi und den Zuschauern einige jüdische Russen * am Platz wehte die Vereinsfahre, die verdächtig ähnlich der Flagge Israel ist * Makkabis Vereinsheim ist nun auch nebenan * keine Polizei in der Nähe * eine einsame „Eisenhüttenstadt“-Fahne hing am Zaun *


29.4.07 * Berliner SC – SC Charlottenburg   1:1 * 15 Uhr * Verbandsliga Berlin * Hubertus-Sportplatz, Berlin-Schmargendorf * ca. 50 Zuschauer * Eintritt: nix * Anfahrt gratis da Dienstreise * saßen anfangs noch am falschen Sportplatz nebenan, als Elena bemerkte, dass „dahinten“ gleich ein Spiel beginnen würde * als Tribüne dienten zwei Klappsitzenreihen längs des Spielfelds * andere Seite war merkwürdig offen, d.h. der Rasenplatz war dreimal größer als ein Fußballspielfeld und die Linien waren kaum zu erkennen * keine besonderen Vorkommnisse *

 




9.4.07 * TSV Rudow – Tasmania 73 Gropiusstadt   0:2 * Verbandsliga Berlin * Sportanlage Stubenrauchstraße, Berlin-Neukölln * ca. 250 Zuschauer * Eintritt 6 EUR * Flug Köln/Bonn -> Berlin-Tegel und zurück 70,02 EUR * dieses Nachholspiel war eines der ganz wenigen Begegnungen über Ostern in der Hauptstadt * ansehnliches Spiel auf Kunstrasen * gute Würstchen * ground Nr. 299 gemacht! *




18.3.07 * SSG 09 Bergisch Gladbach II – ASV St. Augustin   2:2 * Bezirksliga Mittelrhein Staffel 1 * An der Flora, Bergisch Gladbach * ca. 35 Zuschauer * kein Eintritt * besuche erstmals die Trainingsanlage und das Clubheim (echt gemütlich !) der heimischen SSG 09 * die Asche soll bald einem Kunstrasenplatz weichen, für den noch Sponsoren gesucht werden * nettes Spiel zweier engagierten Mannschaften *




25.2.07 * Türkischer FC Köln – SuS Niehl 12   2:1 * Kreisliga A, Kreis Köln *Bezirkssportanlage Bocklemünd, Köln * ca. 15 Zuschauer * kein Eintritt * Fahrt-kosten: 5,45 EUR Bus&Bahn * Rasenanlage gesperrt, daher Spiel auf Nebenplatz auf Asche * stürmischer Dauerregen und ziemlich kalt * Spieler gingen in der Pause nicht in Kabine, blieben am Platzrand im Regen stehen, harte Burschen! *




14.2.07 * Bayer 04 Leverkusen – Blackburn Rovers   3:2 * UEFA-Pokal, 1/16 Finale, Hinspiel * BayArena, Leverkusen * 22 500 Zuschauer * Eintritt 25 EUR * mit Arbeitskollegen dagewesen* mäßiges Spiel, durchschnittlicher Support *



Florenz

Pisa



11.2.07 * Pisa Calcio – US Massese   2:1 * Serie C, Girone A * Arena Garibaldi Stadio Romeo Anconetani, Pisa * 6 182 Zuschauer * Eintritt 20 EUR (Tribuna Inferiore) * Flug Köln/Bonn –> Pisa 19,99 EUR je Strecke mit TUIfly * eigentlich war das Spiel Florenz – Udinese in der Serie A geplant, doch wegen der Ausschreitungen in Catania am Wochenende zuvor (ein Polizist wurde getötet) wurde dieses ohne Zuschauer ausgetragen * als „Ersatz“ diente dieses Match * Ground liegt nur wenige Gehminuten vom Schiefen Turm entfernt * vor Beginn der Partie gab es eine Schweigeminute * gute Stimmung im Ground, die Gäste aus Massese wurden von etwa 30 Fans begleitet *





 


WM 2006 in Deutschland

 

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Beim letzten fußballerischen Großereignis in Deutschland, bei der EURO 88, war das mit den Eintrittskarten noch ziemlich einfach. Damals bin ich in ein Kölner Reisebüro gegangen und hab alle gewünschten Karten (3x Deutschlandspiele und Finale) bestellt... und bekommen. Das Ticket fürs Endspiel hab ich damals wg. Geldmangel und aus Desinteresse am Spieltag in München an einen Holländer verkauft, für 100 oder 150 DM...!

Diesmal ist es ja ungleich schwerer. Ein eisernes Prinzip hab ich trotz des unbedingten Willens, irgendwie dabei zu sein, eingehalten: Keine Schwarzmarktkarten, nur Normalpreis! Keinen Cent mehr! OK, ich geb zu, an einigen Preisausschreiben etc. teilgenommen zu haben, erfolglos. Bisher (11.6.06), aber vielleicht gewinn ich ja noch zwei VIP-Karten fürs Finale.

 

Verkaufsphase 1: Für sieben Spiele je zwei Tickets beantragt, keine Zuteilung!

Verkaufsphase 2: Extra einen halben Tag Urlaub genommen, um zu Hause in Ruhe bei den TST-Tickets zuzuschlagen. Hab mich voll auf Ukraine konzentriert. Die haben sich ja auch qualifiziert, aber nicht ich. Trotz 150 minütigem, intensivsten Durchklackerns des Bestellvorgangs nicht mal ne TST 3-Serie für Cap Verde.

Verkaufsphase 3: 17.2.06, sitze freitags nachmittags noch nach der Arbeit im Büro. Bis dahin schon hundertemale erfolglos im Warteraum verendet, lande ich einen Treffer: 2 x Kategorie 1, sichtbehindert für # 48 Ukraine . Tunesien in Berlin! Schnell bei der Freundin die Ausweisdaten abgefragt und bestellt. Yeah, wir sind dabei!!!

Verkaufsphase 4: Optionsticketprogramm, am 19.4. nach 21 Uhr kommt die Bomben-Nachricht von der FIFA: 2x Kategorie 1 für das Achtelfinale in Dortmund! Hey, da wird doch wohl BRASILIEN mit dabei sein!!! Geil!!!!

Verkaufsphase 5: Stunden, viele, viele lange Stunden verbringe seit dem 1. Mai ich zu den verschiedenen Tages- und Nachtzeiten am PC, im Ticket Shop der FIFA, um meinen Ticket-Bestand doch noch aufzubessern. Keine Chance. Mir wird von den roten, durchgestrichenen Ticket-Feldern ganz schwindelig. Ist doch mal Gelbalarm, schnellt mein Adrenalinspiegel sofort in die Höhen. Das Klackern des Bestellvorgangs wird bis zum gehtnichtmehr wiederholt: Ticket auswählen, Button „Bestellung fortsetzen“ drücken, die Anzahl der benötigten Karten auswählen, den Robot-Verhinderungs-Code eingeben und hoffen, dass was passiert... aber nichts. Nichts, nichts, nichts! Gelbe Ticketfelder gar fürs Eröffnungsspiel, Halbfinale, Viertelfinale, Deutschlandspiele usw. schalten wieder auf Rot, ohne das ich eines abbekomme. Wie oft wiederhole ich das? 2 000 mal? 3 000 mal? Keine Ahnung. Es ist schon wie ein Zwang, wie eine Sucht. Versuche das Ormus-Progrämmchen (das einem ein akustisches Signal gibt, wenn Resale-Tickets da sind und das automatisch das Code-Eingeben übernimmt) downzuloaden und zu nutzen. Bin ich aber zu blöd für! Es kommt die Nacht zu Pfingstmontag. Fast wie mechanisch gesteuert, geh ich vor dem Zu-Bett-Gehen noch mal in den FIFA-Ticket-Shop, plötzlich gibt es Gelbalarm! Also klacker ich wie üblich rum! Um 0:46 Uhr das „Wunder von Pfingsten“: Statt des Warteraums werde ich gebeten, mich einzuloggen, d.h. ich bin DRIN !

DRIN ! DRIN! Jetzt nur die Ruhe bewahren! Bloß keinen Fehler bei der Eingabe von Kreditkartennummer machen! Und Schwupp: Ich hab 1x Kategorie 1 für Polen – Ecuador! Wie im Rausch versuche ich es weiter: Nur 6 min später gelingt mir der nächste Sprung ins Customer Self Service Center: 1x Kategorie 1 sichtbehindert für Saudi-Arabien – Ukraine in Hamburg. Nochmal knapp 30 min später krieg ich den Zuschlag für 1x Kategorie 1 für Angola – Portugal in Köln! Perfekt! Innerhalb einer Stunde drei Tickets! Jepp!!! Ich könnt die zwei argentinischen Schlümpfe, die mich seit Wochen im FIFA-Ticket-Shop „begrüßen“ knutschen J! Später geb ich das Hamburg-Ticket zum Resale, weil der Termin doch zu ungünstig ist und mir das Heimspiel in Kölle günstiger kommt. Jetzt muß ich mir auch nicht mehr JEDEN kick antun, sondern kann mir den Luxus gönnen, auszuwählen. Ebenso gebe ich später ein am 9.6. erworbenes Ticket für Togo – Südkorea in Frankfurt zurück. Die Zeit zwischen Spielende und Rückfahrt ist mir zu knapp, außerdem hab ich den Termin für den ersten Elternabend in der Schule vom Sohnemann übersehen.



 9.6.06   Polen – Ecuador   0:2   (in Gelsenkirchen)

Weltmeisterschaften im Fußball werfen ihre Schatten weit voraus, u.a. weil es gilt, für die Besucher die Anfahrt zu den Stadien so angenehm wie möglich zu machen und entsprechend aufwändig die Infrastruktur auszubauen. Was aber nicht bedeutet, dass das Ganze dann, wenn die Welt zu Gast bei Freunden ist, nicht doch im Desaster endet...

Die von mir eingeplante S-Bahn ab Bergisch Gladbach um 15.13 Uhr nach Köln verspätet sich und fällt dann ganz aus. Ade Sonderzug! Der RegionalExpress ab K-Mülheim nach Duisburg hat 30 min Verspätung. In Langenfeld gibt’s Weichenstörung, der Zug rollt nur im Schritt-Tempo oder bleibt ganz stehen. In Duisburg erwische ich gerade noch den Sonderzug nach Gelsenkirchen, der hatte nämlich auch Verspätung...



In der Fußgängerzone von GE ist unerwartet wenig los: Ein paar versprengte Fans aus Polen und Ekuador, deren Minen man entnehmen kann, dass sie wohl ohne Karten sind, laufen umher. Bei McDonalds muß ich nicht einmal Schlange stehen. Gegen 18 Uhr, in München wird gerade das Eröffnungsspiel angepfiffen, mache ich mich auf den Weg zum FIFA WM Stadion Gelsenkirchen. Die Straßenbahnfahrt verbringe ich dichtgedrängt unter euphorisierten Polen, die die ganze Zeit so was die „Polska, Bialy Czernowie“ schreien. Komische Szenerie: Die Straßen in GE-City sind menschenleer, nur die Straßenbahn ist proppevoll. Ganz Deutschland sitzt vor dem Fernseher. Oder hat sich in der Glückauf-Kampfbahn vor der Großleinwand versammelt: Am Ernst-Kuzzora-Platz ein unüberschaubares Menschengewimmel! Die StraBa macht Probleme: Eine Türe lässt sich nicht öffnen, mehrfach wird der Notöffnungsgriff gezogen, damit ein paar Tanten, die nicht zum Fußball wollen, zwischendurch aussteigen können. Und jedes Mal muß sich die StraBa-Fahrerin durch den Waggon drängeln, um mit einem Vierkant die Notöffnung zu quittieren. Das dauert... und nervt!



Am Stadion dann Szenen, die eine WM eben auszeichnen und so einmalig machen: Fröhliches, ausgelassenes, buntes,Treiben! Die rot-weißen Polen sind eindeutig in der Überzahl, doch mit so vielen Fans aus Ekuador hätte ich niemals gerechnet. Aus Südamerika scheinen ganze Großfamilien angereist zu sein. Deren Fans bekommen weiße Strohhüte mit schwarzen Bändern ausgeteilt, so dass sie in meinen Augen wie Mafiosis aussehen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es offiziell keine Eintrittskarten mehr, einen Schwarzmarkt kann ich auch nicht feststellen. Das war ja auch zu erwarten gewesen. Aber es lümmeln sich massig Leute ohne Tickets vor dem ground herum.



Schon zweieinhalb Stunden vor Anpfiff entere ich das Stadion. Bin gespannt auf die Einlasskontrollen. Auch hier werden meine Erwartungen bestätigt: Dem ganzen Rummel wegen dem personalisierten Ticketsystem zum Trotz werden an den Eingängen, so wie ich das beurteilen kann, keine Ausweise verlangt. Im Detail läuft das so ab: Der erste Ordner guckt auf das Ticket, der zweite kontrolliert den Tascheninhalt und tastet kurz sehr unprofessionell den Körper ab, beim dritten schiebt man das Ticket in den Scanner und das Drehkreuz lässt sich bewegen. Drinnen!

Auf dem Videowürfel wird das Eröffnungsspiel gezeigt. Als Klose das 3:1 macht, jubelt der polnische Anhang. Ich sitze in Kategorie 1, in Höhe der Torauslinie direkt neben der Eckfahne. Das Stadion füllt sich bis auf den letzten Platz. Später vermeldet der Sprecher: „Sold out“, ohne zu erwähnen, dass somit 52 000 Leute drin sind. In der Zeitung lese ich am nächsten Tag was von 20 000 Polen und 4 000 Ekuadorianern. Nach meiner Schätzung sind aber 30 000 Fans aus unserem östlichen Nachbarland da, mindestens!

Die anfängliche Euphorie der Polen zu Beginn dämpft sich im Verlauf des Spiels deutlich. Nach dem 0:1 ist es relativ ruhig, unterstützenden Support gibt es nur spärlich. „Kurva, kurva!“ist das dominierende Vokabular, he he! Nach dem 0:2 wird die Stimmung unter den Polen zwiespältig: Die einen geraten in Zorn, besonders auf den Trainer – die anderen akzeptieren das Resultat und beklatschen ihr Team. Im zweiten Spiel der WM gibt es also schon ein Überraschungsergebnis. Und kein 0:0 für mich!

Bleibe noch nach Abpfiff länger im Stadion. Dann werde ich plötzlich zum Assi, sammle leere Pfandbecher auf, die die frustrierten Polen in Massen haben liegen lassen. In wenigen Augenblicken hab ich 28 zusammen, bei der zweiten Tour werden es 10, dann noch mal 12. Macht summa summarum exakt 50 EUR cash auf die Kralle. Jetzt leiste ich mir auch für n Zehner das offizielle Turnier-Programm (obwohl es das Geld nicht wert ist...).


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Die Rückfahrt vom Stadion in die Stadt wird noch chaotischer als am Nachmittag. An der Haltestelle stehen noch große Menschenmassen. Komme mir ganz schlau vor, als ich eine Station in die Gegenrichtung fahre, dort umsteige und dann wieder zurückfahre. Die Bahnen sind noch immer brechend voll, obwohl das Spiel schon seit einer Stunde zu Ende ist. Die Fahrt geht nur stockend voran, immer wieder bleibt die StraBa stehen. Die Luft in den Wagen ist trotz der späten Stunde erdrückend stickig und langsam werden die Leute unruhig, trommeln gegen die Scheiben und Decken. Vor der Station Grillostraße kommt die StaBa ganz zum Stehen. Über Lautsprecher kommt die Info, dass vor uns eine Bahn defekt ist. Was das nun für die Fahrgäste heißt, lässt der Fahrer offen. Ein Pole zieht den Notöffnungshebel. Glaubt der Trottel, dann würde die Bahn eher wieder losfahren? Nach bestimmt 20 min öffnet der StaBa-Fahrer die Türen, alles strömt über durch den fließenden Straßenverkehr ins Freie. Weil nicht abzuschätzen ist, ob und wann der Verkehr wieder fließen würde, schließe ich mich dem langen Menschenstrom in Richtung Gelsenkirchen Hbf an. Nach gut 20 min bin auch da und erwische im letzen Augenblick noch den WM-Sonderzug nach Köln. Unterwegs spielt bei einem Batterienwechsel die Speicherkarte meiner Digikamera verrückt und ich verliere ca. ein Drittel aller Fotos. KURVA !!! KURVA!!!So gegen 3.30 Uhr bin ich dann zu Hause.

Fazit: Supergeiles WM-Erlebnis, dass auch von dem StraBa-Frust nicht geschmälert wird!


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11.6.06   Angola – Portugal   0:1   (in Köln)

Heute ist für Köln ein großer Tag! Ein highlight in der Sportgeschicht der Stadt geht heute über die Bühne. Erstmals ist man Gastgeber für ein Spiel eines WM-Turniers!

Um den Zum-Stadion-Fahren-Vergleich mit Gelsenkirchen gleich vorweg zu nehmen: Mit der neuen S-Bahn-Station Weiden-West ist alles super! Keine überfüllten, stockenden Bahnen, alles läuft fließend und störungsfrei. Prädikat: Voll WM-tauglich!



Schon dreieinhalb Stunden treffe ich am Rheinenergie-Stadion ein. Diesmal gibt es einen Schwarzmarkt, mir wird für 150 EUR ein ticket angeboten. Und es gibt viele Suchende, die mit Papptäfelchen umherlaufen. Gefragt sind nicht nur Eintrittskarten für die heutige Partie, sondern natürlich besonders für England – Schweden. Ein Kollege von mir soll für zwei Karten satte 2 600 EUR bekommen haben, von einem Engländer.

Bin am „Alten Militärring“ mit LEV-Karsten verabredet, seit knapp drei Jahren hat man sich nicht mehr gesehen. Der Hopper ist mit m Roller hier, hat im Leben noch kein Spiel bei einer WM gesehen und ist auch heute nicht bereit, mehr als 35 EUR springen zu lassen. Ich vermute mal, er hat sich letzten Endes den kick daheim vorm TV mit Fläsch Bier angeschaut.



Auf den Jahnwiesen, schon hinter den ersten ticket-Kontrollen, stehen reichlich Zelte und Aufbauten von Sponsoren, die die Volksbelustigung übernehmen. Wie schon am Tag zuvor auch hier reges, buntes Treiben – aber alles etwas ruhiger...

Sitze für 100 EUR in Kategorie 1, Ostkurve, in Reihe 18 direkt auf Höhe der Mittellinie.Geil! Ich kann direkt in den Spielertunnel gucken. Um mich herum langweilige, alte Männer mit bunten Armbändern. Etwa keine Flüchtlinge aus einer All-Inklusive-Hotelanlage, sondern Inhaber von Premium Sponsoren Packages. Stimmung und Wetter bestens!




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Die Fans aus Angola nehmen etwa ein Drittel der Südkurve ein, der restliche ground wird von den Portugiesen dominiert. Diesmal sind aber wesentlich mehr neutrale Zuschauer da als tags zur auf Schalke. Das sollte man später noch deutlich zu hören bekommen. „Gänsehautstimmung“als die portugisische Nationalhymne erklingt und aus tausenden Kehlen mitgesungen wird. Aber das ist schon der Höhepunkt, bevor der Ball überhaupt ins Spiel kommt. Im Anschluß entwickelt sich auf dem Rasen ein wirklich schlechter kick, den der Favorit dank dem alten Wolf Luis Figo für sich entscheidet. Kaum WM-würdige Stimmung, man ist enttäuscht. Die neutralen Zuschauer halten natürlich für Angola, doch als es nicht mehr zu ertragen ist, wird einfach „Viva Colonia“ angestimmt.

Ermuntert durch die 50 EUR-Ausbeute vom Bechersammeln am Vorabend hab ich mir mal ne Plastiktüte eingesteckt. Nach Abpfiff laufe ich etwas zwischen den leeren Reihen durch und werfe alle Trinkgefäße in die Tüte. Der Mann am Kiosk staunt später nicht schlecht über insgesamt 53 Becher, die ich vor ihm aufstaple. Zur Belohnung gönne ich mir doch ein Souvenir, ein Angola-T-Shirt für 15 EUR.


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Fazit: Angenehmer, geruhsamer Abend in Köln! Aber das Spiel hätte besser sein müssen!



17.6.06   Ghana - Tschechien   (in Köln)


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19.6.06   Togo – Schweiz   0:2   (in Dortmund)

Zu Beginn der 80er trällerte die NDW-Band United Balls den Song „Pogo in Togo – Coca Cola in Angola“. Aber irgendwie schaff ich es nicht, daraus eine sinnreiche Überleitung vom letzten Spiel zu dem heutigen zu schaffen.

Egal…  und eigentlich gab es von Togo auch keinen Pogo - weder auf dem Platz, noch auf den Rängen. Denn so wenig Fans aus einem Land hatte ich bei dieser WM bisher noch nicht erlebt. Würde sage, mehr als 500 – 1 000 Afrikaner waren nicht nach Dortmund gekommen. Den Rest der Supporter stellten togosympathisierende Deutsche, zum Teil peinlich maskiert.



Mit leichter Verspätung treffe ich 90 min vor Anpfiff in Dortmund Hbf ein. Offensichtlich reisen die meisten Zuschauer erst auf den letzten Drücker zu dem 15 Uhr-match an, denn  der Bahnhof, die U-Bahnen und die Züge gen Westfalenstadion sind proppe voll. Vor dem ground alles in Rot mit weißen Kreuzen, einige Eidgenossen mit Kuhglocken um den Hals oder Käse auf dem Kopf. Habe diesmal ein Ticket der Kategorie 3 zu 45 EUR und sitze auf der Südtribüne, dem Schweizer Fan-Block sozusagen,  ziemlich unterm Dach. Hinter mir gibt es eine Reporter-Loge oder ähnliches. Jedenfalls bin ich mir zu 99% sicher, daß der Ex-Bayern-Spieler Alain Sutter an mir vorbeistiefelt und dort verschwindet.



Das Temperament der Schweizer ist nicht gerade südländisch. Deren Unterstützung ist daher zwar aufgrund der großen Anhängerschar in der Stimmungsarena des BVB lautstark, aber nach meinem Geschmack fehlt mir so ein bisschen die letzte Leidenschaft beim Support. Die meisten Sprechgesänge versteh ich nicht. Das „Hopp Schwiiz“ kann ich noch erkennen, aber dann dieses „Schwiezerazzi“…? Glaube, es heißt eher „Schwiizer Nazi“ im Sinne von Schweizer Nationalmannschaft…  Das Team aus Togo ist eigentlich chancenlos, aber die Alpenländler tun sich schwer. Der Favorit gewinnt 2:0, berauschend ist deren  Leistung  nicht. Glaube, aus dieser Gruppe (mit Frankreich) wird kein Team das Achtelfinale überstehen. Nach dem Abpfiff feiert das Publikum seine Elf frenetisch, die Spieler verbeugen sich vor den Fans und die danken es mit großem Applaus. Die Eidgenossen sind irgendwie deutlich anders drauf als die Polen. Die kleben richtig an ihren Pfandbechern. Hatte ich gehofft, wieder ein paar Becher einsammeln zu können um mir so in Souvenir zu finanzieren. Aber ich stelle enttäuscht fest, daß die Schweizer diese alle entweder einstecken (um sie mit nach Hause zu nehmen) oder an die Verkaufsstände zurückbringen. So kann ich an diesem Nachmittag nur schlappe 8 Becher = 8 EUR verdienen. Buh…!


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Vor dem Stadion treffe ich einen alten Bekannten, der auch einer Sammlerleidenschaft fröhnt: Festus! Der steht mit einem zweisprachigen Schild in der Hand, das die Welt wissen lässt, das er gebrauchte Eintrittskarten aller Spiele sucht. Stolz zeigt er mir ungefragt seine bisherige Ausbeute: 13 Stück! Nicht schlecht. Dann quasselt er mir ins Ohr, er fahre jetzt anschließend mit WM-Bahnticket nach Stuttgart zu Spanien – Tunesien und das er das locker schaffe. Kapiere ich nicht, denn es ist 18 Uhr, ANSTOSS im Schwabenländle ist um 21 Uhr und in 3 h von DO nach S dürfte unmöglich zu schaffen sein. Erst am nächsten Tag, als ich mit Wolfgang drüber rede, raffe ich das Ganze: Festus ist natürlich nicht BEIM Spiel IM Stadion, sondern nur jeweils VOR dem Stadion, um gebrauchte tickets zu erbetteln. Klar, daher konnte er auch rechtzeitig in Stuttgart sein, nämlich rechtzeitig zum ABPFIFF…

Fazit: Netter Nachmittag im schwülen Dortmund, aber nach dem dritten Spiel stellt sich schon sowas wie "WM-Alltag" ein.


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20.6.06   Engländer gucken!  (Schweden - England   2:2 in Köln)

Den Titel "Fan-Höhepunkt der gesamten WM-Vorrunde" dürfte, wenn es ihn denn gäbe, sicherlich der 20. Juni 2006 erhalten. Was schlicht Spiel Schweden - England hieß, bedeutete nicht nur das Aufeinandertreffen der Favoriten der Gruppe B , sondern auch Wahnsinns-Schwarzmarkt, Polizeieinsatz, Engländer, Schweiß und Bier, Engländer, St. Georgs-Fahnen, Bierdosen und -flaschen, Engländer, Public Viewing, ein paar Schweden, Engländer, viele Engländer, volle Kneipen und Engländer, Fußballparty at it best!

 

Die Kölner Altstadt war fest in englischer Hand und obwohl auch das deutsche Fanaufkommen wegen der Übertragungen von Deutschland - Ecuador auf den Fan-Festen am Roncalliplatz (Nähe Dom) und Heumarkt sehr hoch war, gab es keine Zwischenfälle. Auch ein paar gelb-blaue Schweden störten nicht. Traf mich am frühen Abend mit Wolfgang und Alex (der Heuchler) und man lief gemeinsam durch die Straßen der Altstadt. Als Wolfgang gerade mit ein paar Hohls quatschte, wurde man schnell von ein paar schwer verpackten Polizisten und -innen umringt. Ausweiskontrolle der üblichen Verdächtigen! Die wurde dann aber plötzlich unterbrochen, ein anderer Einsatz war wichtiger...






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Als die anderen beiden müde wurden ("Ich hab heute keinen Wandertag"), lief ich noch rüber über die Severinsbrücke zum zusätzlich für die Engländer eröffneten public viewing point an der "Deutzer Werft", wo sonst die Deutzer Kirmes stattfindet. Das war einfach gigantisch! Egal, ob sich da nun 25 000, 35 000 oder noch mehr Leute versammelten, es wurde ein unvergessliches event! Nicht zuletzt deswegen, weil alles perfekt organisiert war. Sogar auf der Süd- brücke sammelten sie die Fans in Massen, wurden Fahnen aufgehängt. Als die englische Nationalhymne gespielt wurde, war aber ein richtig stimm-gewaltiger Chor nicht zu hören. Das match Schweden - England wurde dann auf zwei Leinwänden, vor imposanter Kulisse des Kölner Doms in der Dämmerung, mit englischem Kommentar übertragen. Fazit: Hab zum erstenmal richtig erlebt, dass Fußball auch ohne tickets absolut geil sein kann!


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23.6.06   Ukraine - Tunesien   1:0   (in Berlin)

Heißer Tag in Berlin. Treffe mich mit Freundin Elena 1 1/2 Stunden vor dem Stadion, gucken und fotografieren die lustigsten Fans aus beiden Lagern. Wolfgang ist per Handy nicht zu erreichen, ist er vielleicht gar nicht erst angereist? Es gibt einen kleinen Schwarzmarkt und auch ein paar Leutchen, die noch Karten suchen. Dabei war übers Internet neben Angola - Iran in Leipzig gerade für diese Partie noch am häufigsten Karten im Angebot gewesen.


Die Ukrainer sind fanmäßig deutlich in der Überzahl (schätze so 25 000), dann vielleicht 8 000 Tunesier, der Rest Deutsche und internationales WM-Publikum. Später wird vermeldet, dass das Spiel mit 72 000 Besuchern tatsächlich ausverkauft ist. Prima Rahmen für ein match, in dem sportlich gesehen auch noch Spannung drin ist - denn theoretisch haben beide Teams noch die Chance, den Sprung ins Achtelfinale zu schaffen. Aber was dann auf dem Rasen abläuft, ist kaum zum Aushalten. Kurz resümiert: Das schlechteste Spiel, an das ich mich erinnern kann jemals in einem Stadion live gesehen zu haben. Schlimmer geht’s nimmer, bah! Meine Freude wird dann auch zusätzlich noch getrübt, als ich nach dem Spiel nicht einen einzigen Pfandbecher aufsammeln kann, stattdessen nur zwei gebrauchte Eintrittskarten. Elena findet immerhin drei Becher... Dennoch Negativrekord in allen drei Disziplinen: Spiel, Stimmung und Becher. Und das alles an nur einem Nachmittag.




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Später besuchen Elena und ich die Fanmeile in Berlin. Während zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor Frankreich - Togo übertragen wird, ist es dort angenehm kühl und ruhig. Wirklich nett!


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24.6.06   Siegesfeiern auf dem Berliner Kudamm nach dem Achtelfinalspiel   Deutschland - Schweden   2:0






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26.6.06    Schweiz - Ukraine   0:3 n.E.  (in Köln)

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27.6.06   Festival brasileiro! (vor und nach dem Achtelfinale

          Brasilien - Ghana  3:0 in Dortmund)

                                                                                                                                      


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9.7.06   Nationalmannschaft am Brandenburger Tor




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9.7.06   Finale in Berlin


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