"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]


zum Fußball 1988 - 1993


Hier ein paar Scans aus meinem Fanzine "kick and rush"  mit Berichten von Auslandsfahrten. Die Qualität ist zu entschuldigen, aber so war das eben damals bei den self-made-Heftchen: Keine Farbe, kein Hochglanzpapier, kein Textverarbeitungssystem, keine Formatierungen  - dafür wurde mit Bleistift, Lineal, Schere und Klebstoff gearbeitet und das alles zum Studenten-Copyshop geschleppt und für 5 Pfennig pro Kopie (einseitig) durchgejagt, um die Herstellkosten einigermaßen erschwinglich zu halten. Auflage war immer so um die 100 Stück, wobei ich die meisten Exemplare verschenkt habe (fand sich eh keiner, der dafür auch noch zahlen wollte, he he...).










Ein Bericht von „Vilbel“ aus Bad Vilbel, erschienen in der Niederrhein-News 3

 7.12.88   Inter Mailand – Bayern München    1:3

Trotz des 0:2 von München stand für mich fest, dass ich zum Rückspiel nach Mailand fahren werde. Am Freitag kamen dann die Karten aus München (Stehplätze zu 23 DM).

Alpenquerung

Am Dienstag gegen Mittag fahre ich in Bad Vilbel los, um 19:30 Uhr ist Treffpunkt am Münchner Hbf. Insgesamt sind wir 6 Leute (2 Autos): Heinz aus Altötting, Oliver und Thomas vom Fan-Club Kaiseradler, Thomas aus Vöhringen, Petra aus Olching und ich. Voll aufgeflaggt fahren wir nach Rosenheim. Dort besuchen wir Otti vom Fanclub Kaiseradler.

Um 22:30 Uhr geht es dann los, über Kufstein, Innsbruck zum Reschenpass, der zum Glück nur leicht verschneit ist. So komme ich also trotz einiger Rutschpartien mit meinen Sommerreifen bis zur Passhöhe, dem Übergang nach Südtirol, wo aber leider nun mal italienische Zöllner stehen. Von denen werden wir mit Hohn und Spott auf die Aussichtslosigkeit unseres Unternehmens hingewiesen. Wortfetzen wie „Bayern kaputt“ waren zu hören, nun ja kein Kommentar.

Von der Grenze fahren wir weiter (von nun an schneefrei) über Meran und Bozen. Richtig vorwärts kommen wir nicht, dauernd müssen wir anhalten für so wichtige Dinge wie Rauchen, Trinken, Pissen und sonstiges. Die Route, die zunächst klar erschien, haben wir irgendwie verfehlt. Jedenfalls suchen wir lange Verona und die dortige Abfahrt nach Mailand. Schließlich finden wir eine Autobahnauffahrt nach Mailand, wo wir natürlich gegen eine kleine Gebühr, zügig vorankommen. Gegen 7 Uhr erreichen wir Mailand, wo wir von zahllosen italienischen Autofahrern mit freundlichen Willkommensgrüßen in Form erhobener Mittelfinger der rechten Hand empfangen werden. Wir fahren Richtung San Siro und finden einen bewachten Parkplatz, ca, 2,5 km von Stadion entfernt, in unmittelbarer Nachbarschaft der U-Bahn-Station „Lampugnano“.

Nachdem wir einige Fotos gemacht haben und die Autos abgeflaggt sind, fahren wir mit der U-Bahn recht preiswert in die Stadt. Dort versuchen wir 2 Stunden irgendetwas zu Essen zu bekommen, erfolglos, alles geschlossen – Feiertag. Wir gehen also durch die Stadt und schauen uns den Dom an und besorgen Ansichtskarten. In einem Bahnhofscafe schreiben wir dann stapelweise Karten. Wir warten auf den Zug aus Dortmund, weil wir Michael aus Bergisch Gladbach [Anm. des Admin: das bin ich] (Fanclub Kaiseradler, früher die Elche) abholen wollen. Mit etwas Verspätung kommt er dann auch tatsächlich, außerdem noch einige Münchner.

Wir fahren zurück zum Auto, machen Fotos und gehen dann in Richtung Stadion. Auf dem Weg dorthin stehen schon zahllose Souvenirstände mit Schals usw., alles recht billig (Schal umgerechnet 7 DM). Wir decken uns ein, vor allem Petra sorgt dafür, dass die Händler Rekordumsatz machen. Das Stadion sieht von außen sehr imposant aus, eine riesige Betonschüssel, die zurzeit für die WM 90 noch ausgebaut wird.

Vom Stadion gehen wir zum Grand Hotel Brun, wo die Mannschaft des FC Bayern wohnt. In der Hotelhalle treffen wir Günter aus Neuperlach, der mit dem Bus gekommen ist, später auch Alex und Assi von Adler Bretten. Wir hocken ein paar Stunden im Hotel herum [ich begegne am Eingang Karl-Heinz Rummenigge samt Gattin, der Admin], ich wette noch mit Gerd Rubenbauer, dass Bayern 3:1 gewinnt, er sagt 1:1.

Als wir zum Stadion kommen, wimmelt es bereits von Inter-Fans, auch von einigen, die alles andere als einen friedlichen Eindruck machen. Unsere Bayern-Schals lassen wir jedenfalls verschwinden. Es ist fast egal, welchen Eingang man sich aussucht, überall Italiener. Die Eingänge werden nacheinander geöffnet und drinnen gelangt man durch einen Gang der bergauf ums Stadion führt nach oben zu den Stehplätzen. Vom Gang aus sieht man an noch ungeöffneten Eingängen tausende von Italienern. Einige Bayern-Fans können der Versuchung nicht widerstehen, diese durch das Herunterhalten von Fahnen zu ärgern. Auch einige Leuchtstifte werden in die Menge geschossen. In diesem Moment öffnet der Eingang und alles strömt hinein, ohne auf die Idee zu kommen, die Karten vorzuzeigen. Jedenfalls prügeln sie wenig später mit Gürteln auf einige Münchner ein. Oben angekommen wurde schnell klar, dass der Bayern-Block aus einem durch Polizisten gerahmten Teil der Stehplatzkurve bestand. Die Polizisten hatten alle Sturmgepäck und ein Gewehr mit Gummigeschossen dabei.

Im Stadion von einem Ultra gekauftes Papierfoto.

15 Minuten nach Stadionöffnung war das Stadion schon gut gefüllt, alle Inter-Fahnen aufgehängt, unvorstellbar für deutsche Verhältnisse. Auch in unserer Kurve hing eine riesig lange Inter-Fahne, die muß wohl schon einer in der Nach vorher aufgehängt haben. Schließlich hängen wir unsere Fahnen (Neuperlach, Bretten, Vilbel, Kaiseradler usw.) einfach drüber. Dabei fängt das ganze Stadion zu pfeifen und zu schreien an, ein echt mulmiges Gefühl. Mittlerweile hat sich unsere Kurve auch so nach und nach gefüllt. Unter anderem sind da: Südkurve 73, 4 Bretter, 3 Kaiseradler, Neuperlach und natürlich unser aller FESTUS. Außerdem sind auch einige Münchner Hooligans erschienen. Einige Spezialisten haben sich tatsächlich in Kutte hergetraut, wozu dabei allerdings eher Dummheit als Mut gehört. Im Stadion ist ein beachtliches Gewaltpotential von Inter-Fans vorhanden, alles zusammen bestimmt 1 000 Mann, darunter ein paar 100 Skins. Mehrmals versuchen rund relativ kleine Gruppen unsere Kurve zu stürmen. Die Ränge sind, gemessen am deutschen Sicherheitsstandard, absolut der Wahnsinn: die Stufen sind einen halben Meter hoch und unten schützt nur ein halber Meter hoher Zaun (Geländer) vor einem Absturz runter zu den Sitzplätzen, das sind immerhin mindestens 10 Meter. Vom optischen ist das Stadion allerdings super und beim Einlaufen der Mannschaften herrscht eine Wahnsinnsstimmung. Es wimmelt von Leuchtraketen, Wunderkerzen, bengalischen Feuern und Unmengen von Klopapier. Tausende von Inter-Fans werfen gleichzeitig ihre Papierrollen nach unten, eine tolle Atmosphäre. Auch bei uns im Block haben einige Leuchtstifte und bengalische Feuer dabei. Wann hat man schon mal Gelegenheit, so was ungestraft loszulassen? Unmittelbar vor dem Anpfiff verbrennen auf der Tribüne Unmengen Papier etc, es gibt ein richtig großes Feuer. Leider verbrennt dabei keine Inter-Fahne. Trotzdem wird das Spiel angepfiffen, in Deutschland unvorstellbar.

Anfangs ist im Stadion die Hölle los, doch nach einer Schrecksekunde direkt am Anfang kontrolliert Bayern das Spiel. Nach einer halben Stunde fällt endlich das Führungstor für die Bayern und kurz darauf gar das 2:0. Damit ist das Hinspielergebnis ausgeglichen, bei uns in der Kurve flippen alle aus. Wahnsinn, als Jürgen Wegmann auch noch das 3:0 macht, so eine Freude habe ich noch nicht erlebt. Einige wälzen sich am Boden, andere heulen vor Freunde [Ich liege mir mit Assi von den Brettern in den Armen, der Admin.]. Die Italiener sind erst einmal geschockt und lassen minutenlang nichts von sich hören. Dafür marschieren vor unserem Block mit Schals vermummte Skins auf. Wären alle auf einmal zusammen in unsere Kurve gestürmt, hätte es schlecht  für uns ausgesehen. Kurz vor der Pause schafft Inter das 1:3, das Stadion wacht wieder auf.

Die zweite Halbzeit wird hochdramatisch, die Zeit geht einfach nicht um. Inter stürmt, hat Chancen, aber Aumann macht bisher sein wohl bestes Spiel bei den Bayern. Die größte Chance vergibt Lothar Matthäus, auch er scheitert an Aumann. Auf der anderen Seite hatte Bayern Riesenkonterchancen, alles in allem war es ein Superspiel. Auf den Rängen wird es noch mal kritisch, als aus unserem Block eine brennende Fackel nach unten geworfen wird, und einen Italiener voll am Rücken erwischt. Nach 50 Minuten ist die zweite Halbzeit endlich überstanden, Riesenjubel in der Bayern-Kurve. Wahnsinn! Wir stehen in der 4. Runde und können jetzt vielleicht nächstes Jahr nach Neapel, Turin oder Schottland fahren. Nach dem Spiel warten wir erst mal eine halbe Stunde und werden dann unter Polizeischutz aus dem Stadion geführt. Draußen angekommen, stehen wir aber dann plötzlich alleine dar. Nach einigen Irrwegen zu Fuß und per U-Bahn sind wir eine Stunde später unbeschadet am Auto, welches trotz vorheriger Bedenken noch an seinem Platz steht.

Nach zwei Stunden ungewollter Stadtrundfahrt finden wir die richtige Autobahnauffahrt. Wir müssen auf der Rückfahrt oft anhalten, Heinz und ich sind total übermüdet. Auf einer Raststätte erfahren wir vom Ausscheiden der Kölner, was uns riesig freut. Schließlich hatten die Kölner vor dem Spiel getönt, sie wünschten sich Inter als nächsten Gegner. Warum nicht, beide können ja am 1. März, wenn die 4. Runde läuft, ein Freundschaftsspiel austragen!

Gegen 10 Uhr erreichen wir München und ich beschließe zum Pokalspiel am Samstag gleich hier zu bleiben. Mailand war alles in allem eine Super-Tour, sicher bisher meine beste Auswärtsfahrt.

(„Vilbel“ aus Bad Vilbel)


5.4.89   SSC Neapel – Bayern München   2:0

Die Italiener waren bei der Auslosung sicher sportlich der schwerste Gegner, aber fanmäßig auch der attraktivste. Sonst hätte einem eine Auswärtsfahrt im Europapokal nach Stuttgart oder Dresden (!) gedroht.

Großraumwaggon Roma Termini -> Napoli

Ostermeier tanzt.

von/bis Basel Bad Bhf wg. Tramper-Monats-Ticket

Ein Superlativ gab es schon vorher: 120 DM waren für einen läppischen Stehplatz für das Stadio San Paolo im Vorverkauf zu berappen! Keine Ahnung, ob man dabei vom FC Bayern oder von den Mafiosis über den Tisch gezogen wurde.

Die Zugfahrt nach Napoli Centrale schlug nochmals mit 230 Märkern (ab/bis Basel, Rest mit Tramper-Monatsticket) zu Buche. Ich machte mich schon Montag abends auf den Weg nach Rom, blieb dort einen Tag und traf mich am Mittwoch morgens am Bahnhof Termini mit den ebenfalls im Zug angereisten Münchnern (u.a. dabei Bischof, Otti, Fackler, Würstl, Ostermeier, Derrix, Gäubodener usw.).

Im Zug nach Neapel belegten wir mit etwa 15 Leuten ein Großraumabteil, Fahnen wurden aufgehängt und uferlos rumgeplärrt, so dass sich auf der restlichen Fahrt kein südlän-discher Mitreisender bei uns reinwagte. Die beiden Schaffner waren gut drauf und zogen sich ohne weiteres mit uns deutsche Biere rein. Unterwegs wurden Feld- und Bauarbeiter mit Leuchtraketen „begrüßt“ und selbst als im Tunnel ein Trupp mit diesen Geschossen ins Visier genommen wurde, fanden es die controllettis nur zum Ablachen!

Bei bestem Wetter errichten wir nach dreistündiger Fahrt die Hafenstadt am Vesuv. Napoli ist ein Zustand, der kaum zu beschreiben ist. Armut live, aber die Menschen freundlich wie sonst nirgends. Von allen Seiten wurden wir den ganzen Tag über wegen des Spiels angequatscht und nur mit Mühe konnte man den witz- igen Diskussionen entgehen. Wir enterten die nächstbeste Pizzeria und die anderen sorgten für Umsatz (ich selbst krieg so ein Teil nicht runter, bäh!). Später lief ich mit Otti allein durch die Stadt, in der alle PKW-Besitzer mit ihrem Autoradio unterm Arm herumlaufen.

Etwa zwei Stunden vor dem Spiel trafen wir uns zu siebt am Bahnhof wieder, um gemeinsam den Weg zum ground (der liegt am anderen Ende Neapels) zu bestreiten. Derrix handelte mit den Taxifahrern die Preise aus und es konnte losgehen. Nach ein paar Minuten war schon finito, denn wir standen total im Stau. Was sich auf den Straßen abspielte, ist kaum an mitteleuropäischen Verhältnissen zu messen, Wahnsinn!!! Kleine Blechschäden sind in Neapel belanglos. Die Taxifahrer waren völlig entnervt und gaben auf (und uns die Lire zurück!). Da ist man 24 h im Zug unterwegs und nun droht es einem, das match doch nicht zu sehen. Horror! Wir stiegen in eine Straba um, doch die kam auch nicht voran. Stop and go, aber mehr Stop als go. Ich hielt es nicht mehr aus und ging zu Fuß weiter. Unterwegs wollte mich ein wildfremder Tifosi auf seinem Motorroller mitnehmen, was man angesichts der hiesigen Verkehrsmoral mit Dank ablehnte. Irgendwie kam ich doch noch rechtzeitig zum Stadion, fragte mich mit „Bavaria Monaco, tribuna laterale“ durch und fand sogar den richtigen Block. Die anderen hatten es inzwischen auch mit der Straba geschafft.

Was folgte war ein Stadionerlebnis ersten Ranges. 85 000 ausgeflippte Italiener sorgten für eine undenkbar geile Stimmung. Das in Worten rüberzubringen, ist unmöglich. Beim Einlauf der beiden Mannschaften wurde ein Feuerwerk an bengalischen Fackeln usw. abgebrannt, dass sich das Stadio San Paolo in einen einzigen Dampfkessel verwandelte. Der Höllenlärm nahm während der ganzen Partie kein Ende, steigerte sich nach den Toren des SSC Neapel natürlich um ein vielfaches. Zum match selbst: Die Münchner hielten bis zum ersten Gegentor überraschend gut mit, konnten sogar das Geschehen auf dem Rasen kontrollieren. Selbst nach dem 0:2-Rückstand suche der FCB den Weg vor das gegnerische Gehäuse, aber ohne zählbaren Erfolg. Gerade weil die Italiener nicht wie erwartet stark aufspielten, war das scheinbar deutliche Resultat ärgerlich, da vermeidbar. Zur Statistik: Bayern spielte mit Aumann, Augenthaler, Johnsen, Reuter, Nachtweih, Thon, Flick, Dorfner, Kögl, Wohlfarth und Eckström. Die Tore schossen Careca (40.) und Carnevale (60.), Maradona war natürlich auch auf dem Feld. Die Stimmung unter den FCB-Fans war trotzdem nicht so schlecht, weil man sich nach dem Spielverlauf doch noch Chancen auf ein Weiterkommen im Rückspiel ausrechnen konnte.

Nach dem Spiel konnten wir in einem Bus, der einige Bonzen zu ihrem Hotel zurückbringen sollte, bis zum Bahnhof mitfahren. Wie der Fahrer dabei sich seinen Weg durch das erneut aufgekommene Verkehrschaos bahnte, war schon einmalig. Als wir dann gegen Mitternacht am Bahnhof herumhingen, waren wir alle ziemlich fertig. Zum Glück wurde schon Stunden vor der Abfahrt der Zug nach Roma-Termini bereitgestellt, so dass der gestürmt werden konnte.

Napoli Centrale -> Roma Termini.

K.O. in Rom.

Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr waren wir in Rom, ich verabschiedete mich von den Münchnern und setzte meine Heimfahrt alleine fort. Die Tante im Reisebüro hatte mir eine Top-Verbindung nach Köln herausgesucht. Nur kam mir der Anschlusszug in Rom etwas merkwürdig vor. Ganz in weiß, nur Yuppies stiegen ein, Frühstück und Zeitungen wurden gereicht. Hä? Der Schaffner später klärte auf: „first class only!“. Na Prost Mahlzeit.   Knapp 50 000 Lire (ca. 70 DM) zog einem der Typ für einen Zuschlag bis Florenz aus der Tasche. Bis Mailand wäre es doppelt so teuer geworden.   Dabei hielt der Super-Zug nicht mal im Hbf von Florenz, sondern in einer Art Messe-Bahnhof. Bis ich endlich nach Firenze Centrale fand, dauerte es endlos. Aber dafür hatte ich das Glück, ab Florenz und später in Milano, Chiasso, Basel und Mainz jeweils direkt Anschluß zu kriegen und es noch am gleichen Tag bis Bergisch Gladbach zu schaffen!


28.2.90   Frankreich - Deutschland   2:1   (in Montpellier)

Dienstag abends ging es gegen 18 Uhr mit dem Zug los in Richtung Südfrankreich. In Mannheim begegnete ich mit den Crazy Boys aus Essen und der Dortmunder Borussenfront den ersten Deutschen, die auch zum Spiel unterwegs waren. Ab Straßburg hatte ich einen reservierten Liegewagen und so kam man einigermaßen fit am frühen Morgen in Montpellier an.

Im Laufe des ganzen Tages wurde der Place de la Comedie im Zentrum der Sammelpunkt aller Deutschen. Fan- und hoolmäßig dürfte der Norden besser vertreten gewesen sein als der Süden.

Drei Stunden vor dem Anstoß fuhr ich mit dem Taxi zum außerhalb gelegenen Stade de la Mosson. Dort war absolut nichts los. Außer massenhaft Fressbuden war von Souvenirhändlern oder Programmverkäufern nichts zu sehen. Das Stadion ist noch im Umbau gewesen, aber sonst nicht der Rede wert.

So etwa eine Stunde vor Spielbeginn kam der deutsche Mob ins Stadion und man sammelte sich am rechten Blockrand. Die Fahnen wurden aufgehängt, was ein paar Franzosen aufregte und einige Deutsche nahmen das zum Anlaß gleich Randale zu machen. Dann erst marschierte die Polizei auf und sorgte schnell für Ruhe. Inzwischen mußten auch alle Fahnen wieder abgehängt werden. Während der ersten Halbzeit blieb es ruhig und nur der zugegebenermaßen unverdiente Führungstreffer der DFB-Elf ließ etwas wie Stimmung aufkommen. Kaum war abgepfiffen kam es wieder zu Ausschreitungen. Zahlreiche Leuchtraketen wurden auf die Franzosen abgefeuert und die, mittlerweile mit Stücken bewaffnet, revanchierten sich mit Bierdosen und Glasflaschen. Die kurze "Feindberührung" wurde schnell von den Nationalgardisten unterbunden. Da ziemlicher Aufruhr herrschte, verloren die Cops die Übersicht und knüppelten auf alles ein, was auf unserer Seite stand. Einige Hools wurden gezielt herausgegriffen, mit Schlagstöcken behandelt und abgeführt. Im Block kam es nicht zur Ruhe und so kamen die Polizisten auf die Idee, uns aus dem Stadion zu verbannen. Im allgemeinen Gedränge wurde noch ein Deutscher überrannt, der rausgetragen werden mußte. Überhaupt hat es einige Verletzte bei diesen Aktionen gegeben. Draußen sammelte sich ein Mob von ca. 70 Leuten, aber man war sich nicht einig, was nun Sache war. Ein Großteil setzte sich später ab, um angeblich andere zu holen, was den Cops gar nicht gefiel. Auf dem Parkplatz flogen wieder Leuchtraketen auf die Cops und diese setzten Tränengas ein. Obwohl ich ca. 300 m entfernt stand, hab ich noch einiges davon abbekommen. Ich schloß mich einer Gruppe an, die zum Bahnhof zurückgehen wollte. In einer Kneipe machten wir kurz Pause und erfuhren bei einem Glas Bier, daß das match noch 1:2 verloren ging, was aber eh keinen mehr interessierte. Inzwischen hatte man sich wieder gesammelt und man marschierte geschlossen Richtung Stadtzentrum, stets von einem großen Polizeiaufgebot gefolgt. Am Bahnhof angekommen verteilte sich der Mob. Vor einem Bistro wartete eine Personengruppe, die nicht zu uns gehörte und einer von denen (ein Deutscher) begann mit Provokationen. Schnell kam es zu einer Schlägerei, Raketen wurden eingesetzt und Stühle flogen durch die Nacht. Wieder bekamen die Cops Arbeit. Später machte das Gerücht die Runde, daß es sich bei den Typen um Kölner gehandelt haben soll, die schon am Nachmittag für Unruhe gesorgt hatten. Wer angenommen hatte, daß jetzt Ruhe war, der sah sich getäuscht. Die Langeweile trieb einige auf Franzosenjagd und abermals mußten die Polizisten eingreifen. Dabei wurde ein Hamburger mit schrotähnlichen Geschossen fies im Gesicht verletzt. Nach 17 Stunden Zugfahrt kam man donnerstags Abend daheim im Rheinland an.




F U S S B A L L -

W E L T M E I S T E R S C H A F T   1 9 9 0     I N    I T A L I E N

mein Inter-Rail-Ticket während der WM (nur als Kopie, da man bei Rückgabe

des Originals Geld erstattet bekam)

10.6.90  BR Deutschland - Jugoslawien   4:1

                (in Mailand)















17.6.90   Irland - Ägypten   0:0    (in Palermo)

jugendlicher Groundhopper

Nach dem Emiratespiel machte ich mich tropfnass auf den Weg zum Mailänder Bahnhof Garibaldi. Am Nachmittag hatte Vlibel verlauten lassen, daß er mit nach Sizilien railen würde und kurz vor der Zugabfahrt nach Rom kam er dann auch. Mit Mühe fanden wir zwei freie Sitzplätze, ab Bologna standen die Leute in den Gängen.

Morgens kamen wir in Roma Termini an und befriedigten mit einer Sightseeing-Tour unser Kulturbedürfnis. Vlibel sollte für mdx eine Karte ITA-CSR verkaufen und weil ihm das wegen seines Nicht-Handeln-Könnens nicht gelang und ich ihm eine Blamage ersparen wollte, tauschte ich mit ihm. Ich hab ihm mein Ticket GER-COL für ITA-CSR. Bei GER-COL vermutete ich ein Scheißspiel und deshalb entschied ich mich spontan für das zeitgleich stattfindene Spiel in Rom.

Im Laufe des Tages wurde von Vlibel fast ausschließlich das Wort "ground" benutzt. Ich verhängte ein "ground"-Redeverbot, was mir nach 59 min ein Bier einbrachte, da Vlibel es länger ohne "ground" nicht aushielt.

Nach 12stündiger Fahrt im Liegewagen erreichte man Palermo auf Sizilien. Dabei zeigte sich, daß alle Sizilianer spinnen. Außerdem war der Zug ab Neapel zu 140% ausgelastet, so daß an Schlafen kaum zu denken gewesen war.

In Palermo herrschte eine kaum auszuhaltende Hitze, die man nur im Schatten liegend ertragen konnte. Da wir keine Tickets hatten, wurde Vlibel von Minute zu Minute hektischer. So waren wir 5 Stunden vor Beginn am Stadion. Für 40 000 Lire bekamen wir problemlos Kat. 3 Für die vielen Iren gab es gegen Ausweis sogar noch offizielle Tickets. Weil Vlibel nach eigener Aussage bis zu 200 000 Lire gezahlt hätte, dachte ich, nun ist er beruhigt. Pustekuchen! Die Plazierung seines Fähnleins warf neue, mir unverständliche Probleme auf. Irgendwie hat er es doch auf die Reihe gekriegt, war aber mit dem fernsehungünstigen Platz überhaupt nicht zufrieden. Erstaunliche 15 000 Iren waren da, ausnahmslos mit roten Haaren, Sommersprossen und Sonnenbrand. Man erfuhr, daß der Großteil nur für das eine Spiel angereist war, und das noch per Zug. Irland -> Palermo mit dem Zug, wie weit ist das ??? Egal, sie waren alle freundlich und feuerten ihr Team an. Für die Ägypter sorgten einige Aida-Matrosen für Stimmung.

Das Spiel war nicht berauschend, daß 0,81 prozentige Bier war es allerdings noch weniger. Den Iren merkte man wenigstens an, daß sie gewinnen wollten. Die Afrikaner gaben sich mit einem Punkt zufrieden. Nach einem kurzen Imbiss belagerten wir mit den Iren den letzten Zug zum Festland. Wir hatten zwar das Glück, noch Sitzplätze ergattert zu haben, aber dennoch  wurde das ganze durch die unerträgliche Hitze zu einem Härtetest. In Messina wurde der Zug auf eine Fähre verschifft und einige Ägypter sagten mir, daß es an Bord eine Bar geben würde. Nichts wie hin. An Bord sah es aus wie auf britischen Kanalfähren und es gab kaltes (!) deutsches (!) Bier. Na dann Prost. Das mit dem Alkoholverbot an Spieltagen ist ja auch zu blöd. Gegen 8 Uhr am nächsten Morgen erreichten wir Neapel.



 18.6.90   Kamerun - UdSSR  0:4    (in Bari)

Schwabe, Braunschweiger, ich, FCKler und zwei Schweizer


Letztes Jahr hatte Vlibel das Bayernspiel in Neapel verpaßt und deshalb kannte der den San Paolo-ground nicht. Eine Schande, wie er meinte. Vlibel blieb also in Neapel bei ARG-ROM, während ich weiter nach Bari fuhr. In Caserta durfte ich zwei Stunden auf einen Anschlußzug warten und war nachmittags in Bari.

Mit Null Plan bin ich erstmal durch das Fischerdorf gewandert, auf der Suche nach einer Vorverkaufsstelle - Fehlanzeige. An der Bushaltestelle Richtung Stadion warteten zwei Augsburger, später kamen zwei Schweizer und ein Braunschweiger dazu. Da alle gut drauf waren, fuhren wir gemeinsam mit dem Bus ins außerhalb gelegene Stadion. Das sieht aus wie ein in der Wüste gelandetes Ufo. Im Inneren (Karten gab es offiziell genug) dieses futuristischen Teils wurden einige Italiener auf uns aufmerksam. Für Kameruner waren wir etwas blass, Russen konnten wir nicht sein und als ein Lauterer seinen Union Jack aufhing war die Verwirrung perfekt. Da ein Augsburger italienisch konnte, wurde er aufs Übelste angequatscht, was aber ganz lustig war. Das bedeutungslose Spiel war auch ganz gut, schade nur, daß die Russen nach dieser Leistung ausscheiden mußten.Gegen Abend verließ ich Bari und fuhr nach Bologna, wo ich am nächsten Morgen ankam. Vlibel hatte mir verzapft, daß man dort am Bahnhof duschen könnte. Glatte Fehlinformation, die Duschen waren alle außer Betrieb, also zurück nach Roma.

19.6.90   Italien - CSFR   2:0   (in Rom)

In Rom angekommen, stellte ich fest, daß die Zugverbindungen zurücl nicht optimal sind und so gönnte ich mir den Luxus einer Hotelübernachtung. Nach fünf Nächten im Zug vielleicht auch nicht so schlecht. Auf dem Zimmer verfolgte ich das Trauerspiel BRD - Kolumbien im Fernseher, dann fuhr ich raus zum Olympiastadion.

Unter die 200 Tschechen mischten sich 73 000 Italiener und die machten eine Stimmung, die alles von mir für möglich gehaltene in den Schatten stellte. Dagegen sind Spiele im Westfalenstadion Gottesdienste. Beim Anpfiff tauchten die Ränge in ein Fahnenmeer und die "Italia"-Rufe erreichten die Schmerzgrenze. Zwei nicht gegebene Elfmeter heizten die Stimmung weiter an. Die Tore von Toto Schillaci und Baggio ließen die Tifosi restlos ausflippen. Es war wahrscheinlich das beste Spiel der Italiener während dieser WM.

In der Innenstadt setzten sich die Siegesfeiern ohne Ende fort. Endlose Autokarawanen blockierten die Straßen und auch die Hupkonzerte nahmen auch lange nach Mitternacht kein Ende. Insgesamt hat es sich doch gelohnt, auf das Deutschland-Spiel zu verzichten.

Den nächsten Tag verbrachte ich in Bologna, abends fuhr ich über Luxemburg und Lüttich wieder in die Heimat.

Liegeplatzkarte Milano -> Luxemburg

Liegeplatzkarte Nizza -> Straßburg

Nachlöseticket Basel -> nach Hause

Reliquie: Meine Sportschuhe, getragen in Rom während

Deutschland 1990 zum dritten Mal Weltmeister wurde!

Zugreservierung London -> Dundee


Das MoMA war leider zu!


Fährticket Wales -> Irland


18.9.91   Cork City – Bayern München   1:1

Seit dem Deutschlandspiel in Wembley eine Woche zuvor war ich schon in England. Von Manchester aus machte ich mich über Dublin auf den Weg nach Cork, der zweitgrößten Stadt Irlands, wo ich am Dienstag gegen Mittag eintraf. Den ganzen Tag fahndete man nach Udo, Festus und Bastian, die im Bus von London (geheimer Spartip vom Festus) anreisen wollten, traf die drei aber erst am Abend.

Bayernfans in Irland... und Festus!

Hotelzimmer in Cork: lecker Hannen Alt!

Zusammen mit den Pforzheimern Dean, Markus und dem Lindner ging es auf eine der genialsten Kneipen-touren, die man je mitgemacht hat. Das gibt´s nur bei Auswärtsfahrten im Europacup!!! Es wurde geballert ohne Ende. Zwischendurch ging ich mit Festus zurück zum Bahnhof, um meine Tasche zu holen und dort öffneten wir im Suff ein falsches Schließfach, dessen Inhalt man plünderte. Gab aber nicht viel her – die einzigste brauchbaren Sachen (Regenschirm, Deo) überließ ich dem Festus (das Deo benutzt er heute noch). Danach wurde wieder ein pint Carling nach dem anderen bestellt. Alle anderen waren schon weg, als man mit der Hessenfront immer noch am Tresen stand.


Mit Festus hatte Udo ein Zimmer für mich mitbesorgt und diese Absteige galt es nun zu finden. Udo war so voll, dass er gar nicht mehr wusste, wo das Gästehaus zu suchen war. Bei strömendem Regen begann unsere mehrstündige (?) Nachtwanderung durch Cork. Udo lallte nur was von Tankstelle am Fluß…, aber wo war die? Wir waren den ganzen Fluß schon abgelaufen – nichts. Ich sah mich schon auf einer Parkbank übernachten. Nass bis auf die Knochen, fragten wir ein paar Iren und die machten uns darauf aufmerksam, dass es in Cork zwei Flüsse gibt – wir hatten immer am falschen gesucht. Irgendwann fanden wir die Hütte, mit Steinewerfen wurde Festus geweckt (der stand erstmal sekundenlang am Fenster und raffte gar nichts) und auf dem Zimmer vernichteten wir noch einige Hannen-Alt-Dosen (hatte Festus für mich aus Deutschland mitgebracht !!!).



Am nächsten Morgen nach dem Frühstück führte der Weg von Udo, Festus, Bastian, den Pforzheimern und mir sofort wieder in den nächstbesten pub und wir machten dort weiter, wo wir abends zuvor aufgehört hatten. Fast nüchtern Bier abzupumpen zieht total gut rein und so war man schnell wieder stief. Am Mittag fuhren wir im Taxi zum Musgrave Park und nach einem Zwischenstop im pub enterten wir den ground. Der bestand aus einer kleinen Tribüne, Erdhügeln und einem Bauzaun – Europacup-Flair auf irisch! Die Sicht war total mies und so zog man mit Udo und den Pforzheimern in die Vereinskneipe, durch dessen Fenster man ab und zu einen Blick auf´s Spielgeschehen (übel, übel !) warf. Hauptsache das Bier konnte fließen und man konnte sogar mit Augenthaler und McInally anstoßen! Nach dem kick, als der Udo wegen seinem Bus schon abziehen mußte, soff ich mit den Pforzheimern bestens weiter. Ein Ire lud uns in seinen Stammpub in der Innenstadt ein, er spendierte die Taxifahrt – und dort musste ich mal auf´s Klo… Abgestürzt und Sendeschluß! Nix mehr gepeilt was noch passierte. Stunden später fand man sich im Gästehaus im Bett wieder.

Fazit: Die bisher absolut geilste Auswärtsfahrt, die man mit dem FCB erlebte!!!

22.10.91   B 1903 Kopenhagen - Bayern München   6:2

Zugreise Köln -> Kopenhagen mit Micky und René


22.8.92   Tottenham Hotspurs - Crystal Palace   2:2  

Drei Tage vor diesem match traf ich Norbert in der Gladbacher City und mit dem Satz "Wie stehts, fahren wir am Wochenende nach England?" rief er mir eine in der Kneipe im Suff getätigte Abmachung in Erinnerung zurück. Nach dem ersten Schock wurden die Pläne konkret und am nächsten Tag die Details geklärt - Auf nach England!

Die Tour startete am Freitagabend in der "Hexe Köbes" und über Köln, Ostende, Dover erreichten wir Samstag morgens London-Victoria. Ein Hotel klargemacht, zog es uns in den Norden Londons zur White Hart Lane, wo von fünf Bewohnern mindestens vier Schwarze sind. Am ground stellten wir uns direkt an die nächste Schlange an und bekamen später mit, daß hier nur tickets für die away-matchs in Leeds und Ipswich verkauft wurden. Am richtigen ticket office ging es zügig voran und für umgerechnet 42 DM bekamen wir den billigsten seat. Stehplätze wurden am Spieltag gar nicht erst verkauft. Mit Schals im Souvenir-Shop der Spurs gut eingedeckt, zeigte ich Norbert das nahegelegene Stadion des FC Arsenal.

Zurück an der White Hart Lane, drückten wir uns 30 min vor Anpfiff durch die Drehtüren und nahmen in der "non-smoking-area" (Horror !) der home-supporters Platz. Die 25 237 Zuschauer verbreiteten gute Derby-Stimmung und die Akteure auf dem Platz dankten es, indem kein cm des Rasens freiwillig preisgegeben wurde. In der Bundesliga hätte diese Partie sechs rote Karten verdient gehabt, doch hier wurden nach einer handfesten Schlägerei nur zwei Spieler frühzeitig zum Duschen geschickt. Der Ex-Gladbacher Thorstvedt parierte sogar für die Spurs einen Elfer, doch Palace ging trotzdem nach 85 min in Führung. Die Arena war längst zur "Fight Hart Lane" geworden und mit dem Ausgleich in der Schlussminute hatten die Tottenhamer auf den Rängen Grund um tierisch abzufeiern.

Mit Norbert vernichtete ich in einem pub einige pints und wegen der stressigen Anreise verpißten wir uns schon gegen 22 Uhr auf unser Hotelzimmer.

 

 

23.8.92   FC Liverpool  - FC Arsenal    0:2

Früh am Morgen setzten wir uns ab Euston in einen "dry train" (Alkohol verboten !) und je näher wir dem Mersey kamen, umso nervöser wurde ich. Würden wir noch tickets kriegen?

Liverpool erreicht, brachte uns ein Taxi zum bereits vielumlagerten ground. Alle Sorgen waren vergessen (und ich einige Erfahrungen um die Kartenproblematik bei Spitzenspielen in England reicher), als wir unsere tickets schnell bekamen. Es blieb uns noch Zeit zu einem Rundgang um Evertons Goodison Park und von Hunger geplagt suchten wir später eine Hamburger Bude auf, wo es u.a. so was wie Fritten mit Apfelmus gab. 

Mit reichlich Fett und wenig Nährstoffen im Magen enterten wir die Anfield Road, das Mekka eines jeden Fussball-Fans. Der ground wurde gründlich inspiziert und als genial befunden. Norbert verpaßte am Bierstand das LFC-Vereinslied "You'll never walk alone", wo jeder der Reds ehrfürchtig mitsang. Liverpools Manager Souness schickte Stars wie Mölby, Whelan, Wright und Saunders aufs Feld, während Publikumslieblinge wie Rush und Barnes verletzungsbedingt fehlten. Der Meisterschaftsfavorit Arsenal hatte mit Jensen und Limpar nach mäßigem Beginn mehr vom Spiel und letztendlich wurden die Merseysider, sehr zur Freude der ca. 900 Londoner, förmlich überrannt. Die Stimmung war eigentlich nicht so überragend wie erhofft, doch in wenigen Momenten brach der befürchtete Anfield-Roar los, wo jedem Gegner einfach das Herz in die Hose rutschen muß! Hochzufrieden verließen wir die Arena in Richtung Bahnhof, doch als es stark zu Regnen begann, suchten wir Unterschlupf im nächsten pub. Mit den Einheimischen dort kamen wir schnell ins Gespräch und verbrachten mit denen eine Super-Zeit. Schließlich besorgten die uns ein Taxi und fragten, wann wir wieder zur Anfield Road kommen würden.

Nach dreistündiger Fahrt nach London hatten wir Glück, die letzte U-Bahn zur Victoria Station zu kriegen. Der Norbert hatte keine Kohle mehr für ein Hotel und so mußten wir die Nacht durchmachen. Wir latschten durchfroren zum Buckingham Palace, wo die Queen wohl ihren Hintern im Bett wälzte und legten uns nachher an der Victoria Station auf eiskaltem Steinboden zum Übernachten. Der asozialste Moment in meinem Leben als Fan!!! Vorher mußte ich sämtlichen Pennern eine Kippe abdrücken, um endlich Ruhe zu finden. Gegen 7.45 Uhr am nächsten Morgen starteten wir (ich mit einer gigantischen Erkältung) zur Heimreise nach Great Old Germany, wo die Tour in der "Hexe Köbes" ihren würdigen Abschluß fand. Pech nur, daß kurz später die Nachtschicht auf mich wartete...

 

27.9.92   Sheffield Wednesday – Tottenham Hotspurs   2:0

Endlich Urlaub und ich war reif für die Insel. Den trip startete ich samstags Abend und gelangte über die übliche Route (Köln – Ostende – Dover) nach London. Fast drei Stunden saß ich noch im Zug bis Sheffield, wo man zuerst gut frühstückte und sich dann im Taxi zum außerhalb gelegenen Stadion Hillsborough fahren ließ. 

Meine Karte hatte ich vorher bestellt und konnte nun am Schalter „tickets for collection“ den Differenzbetrag zum eingeschickten Scheck abholen. Mit LEV-Karsten war gegen 14 Uhr ein Treffpunkt am Fan-Shop vereinbart worden, doch der Kamikazefahrer erschien mit dem Bear und Derrix im Gefolge erst über ne Stunde später. Die Jungs holten sich ihre Tickets am ground, so dass man während des Spiels nicht zusammen saß. Hillsborough ist ein geiles Stadion, doch obwohl die Wednesday-supporters zahlreich erschienen und sich im „Todesblock“ ca. 500 Londoner versammelten, war die Stimmung nur Mittelmaß. Das Spiel konnte einen auch nicht besonders vom Sitz reißen, mit Hilfe eines überragenden Chris Waddle verbuchte Sheffield glanzlos drei Punkte für sich. Nach dem kick trafen wir uns wieder und warteten in LEV-Karstens Mazda auf eine Chance, den ungünstigsten von allen Parkplätzen in Richtung Innenstadt zu verlassen.

Meine Sachen aus dem Bahnhofsschließfach im Wagen verstaut, meisterte LEV-Karsten zahlreiche roundabounds und Einbahnstraßen in der falschen Richtung, ehe wir nach zahlreichen Kehrtwendungen („Hier sind wir falsch!“) und dem hinter uns gelassenen Sheffield-Stau doch noch den motorway nach London befahren konnten. 2 ½ Stunden später versuchte Derrix sich mit mäßigem Erfolg als Scout in der britischen Hauptstadt, aber das Hotel fanden wir dann trotzdem irgendwann. Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln war nicht zu verhindern, doch so fand LEV-Karsten Gelegenheit zum small talk mit der Londoner Polizei. Im Zimmer der Niederrheiner am Earls Court fand ich mein Quartier, wo ich mir mit LEV-Karsten vorrätiges Dosenbier reinzog.

 

 

28.9.92   FC Arsenal – Manchester City   1:0

Am Vormittag tigerte ich durch den Buchladen-Dschungel an der Oxford Road, um nach Instruktionen des dicken Hammers den shop „sport pages“ zu finden – vergeblich. In Irland sollten am nächsten Tag schon zwei EC-Spiele steigen und nachdem die Sperrung des Bahnhofs Kings Cross wegen Bombenalarm beendet war, bekam ich dort raus, dass ich mir die wegen der schlechten Zugverbindung abschreiben konnte.

Kurz noch mit LEV-Karsten gequatscht, verfolgte ich das Spiel am Abend at Highbury inmitten von Vorstadt-Yuppies. Die Stehtribüne der Arsenal-Fans wurde derzeit umgebaut und war durch eine originell bemalte Bretterwand verdeckt. Partie und Unterstützung waren okay und der Sieg der Gunners ging in Ordnung. Aus welchem Grund auch immer gab´s nach Abpfiff ein geniales Feuerwerk, was man beim Fußball auch nicht alle Tage sieht.

 

 

29.9.92   Tranmere Rovers – Notts County   3:1

Wußte ich 24 Stunden vorher nicht, ob man aus Tranmere Lebertran macht oder ob das doch ein Fußballclub ist, war ich nun schon auf dem Weg dort hin. In Liverpool ein Zimmer klargemacht, railte ich über den Mersey nach Birkenhead und weiter in den Stadtteil Tranmere.

Ahnungslos wie ich war, vermutete ich dort den ground der Rovers, lag aber ziemlich falsch. In diesem Slum ein Taxi zu entern war nicht leicht, ich landete aber doch noch am Prenton Park. Dichte Nebelschwaden zogen zunächst an den Augen der 5 500 Besucher vorbei, ehe es kräftig zu regnen begann. Die Akteure kümmerten sich nicht darum und boten ein kurzweiliges Spiel. Altstar Aldridge brachte die Partie für Tranmere sicher unter Dach und Fach, die 100 Jungs aus Nottingham hatten nur zwischendurch beim 1:2-Anschlußtreffer Grund zur Ekstase.

Während der Nacht im Hotel war ich mit dem Trocken sämtlich durchnässter Klamotten gut beschäftigt.

 

 

30.9.92   Celtic Glasgow - 1. FC Köln   3:0

Von Liverpool aus über Wigan N.W. gelangte ich nach Glasgow. Ein Quartier für die Nacht organisiert, fuhr ich im Bus zum Celtic Park. Der war von Kölner Bonzen und ähnlichem Gesocks umlagert und so verdrückte ich mich schnell auf meinen Sitzplatz, wo Kutten, Proleten, Hools und Türken aus der Domstadt rumhingen. Kurz vor Anpfiff torkelte FC-Ralph aus GL in den ground, mit dem ich mir Tage zuvor im Kaufhof die tickets für dieses match besorgt hatte.

THE RALPH-WAGNER-STORY: Dienstagmittags im Reisebüro Sonnenschein: Ralph bucht seinen ersten Flug überhaupt, destination Glasgow. Schon vier Stunden später hebt der Flieger mit ihm in Düsseldorf ab. Vollprall sitzt Ralph mit den FC-Spielern und Betreuern im Flugzeug und kurz vor der Landung in Schottland randaliert er im Klo, weil er mangels Englischkenntnissen die Türe nicht entriegeln kann. In Glasgow gegen 22 Uhr angekommen, plagt ihn Hunger ohne Ende und wegen verpaßtem Geldtausch in Germany muß er bis in die Morgenstunden schmachten. Die Nacht am Flughafen überstanden, gelingt es ihm Kippen und Pizza zu ordern und sich im Taxi in die Stadt bringen zu lassen. Da irrt er stundenlang planlos herum ("Hätte ich in der Englisch-Stunde nur besser aufgepaßt!"), ehe er zwei deutsche Studenten auf hopping-tour begegnet und sich mit denen in den Kneipen volllaufen läßt. ENDE 

Das Spiel begann und der Celtic Park glich einem Hexenkessel. An Lautstärke der Anfeuerungen und Fanatismus der Supporters war das kaum zu überbieten: Der FC präsentierte sich wie in der BL auf tiefstem Niveau und kassierte korrekterweise drei Tore. Dem Häufchen Kölner Fans trieb das Tränen in die Äuglein. Taschentücher zum Trösten verteilte man reichlich an diesem Abend. Come on you Celts!

Den ground verlassen, hielt ich mit Ralph noch Ausschau nach Wolfgang und dem Krefelder. Doch die beiden Trottels warteten mitternachts zuvor vergeblich am Kölner Hbf auf ihren Fanbus, wie man später erfuhr. Einer der Colognes hatte sie sauber verarscht und abgezogen, so daß die Jungs die Partie in der Heimat an der Glotze anschauen durften! Ha ha ha!!!

Mit Ralph hingegen soff ich in einem pub gut ab, latschte mit ihm 90 min quer durch Glasgow (kein Taxi) und schleuste ihn ungesehen auf mein Hotzelzimmer, wo man noch Dosenbiere verdrückte. Am nächsten Tag flog Ralph zurück und ich railte zum Ausschlafen nach London.

 

 

3.10.92   Manchester City – Nottingham Forest   2:2

Für die restlichen Tage auf der Insel bezog ich ein Zimmer in einem pub in Manchester, um in der dortigen Region drei Spiele zu sehen.

Samstags ließ ich mich mit dem Taxi zur Maine Road fahren, nachdem ich am Tag zuvor beim Versuch schon eine Karte zu holen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Fiasko erlebte. Für zehn Pfund war ich dabei. Das Stadion ist nichts besonderes und wenn der im Umbau befindliche Platt Lane Stand mal fertig ist, wird der ground von mir sicher auch keine besseren Noten bekommen.

22 571 Besucher wollten den Tabellenletzten aus Nottingham sehen. Der Block der City-Supporter war randvoll, doch kam niemals gute Stimmung rüber. Auf dem Feld quälten sich die 22 Spieler durch Regen und Kälte und was die boten, war erbarmungslos. Manchester war optisch überlegen und ging zweimal in Führung, doch die Forester schafften mit einer Chancenauswertung von 100% jeweils prompt den Ausgleich. Trotz der vier Tore war ich froh, als alles zu Ende war und ich mich im nächsten pub aufwärmen konnte.

 

 

4.10.92  Oldham Athletic – FC Everton   1:0

Von Manchester Piccadilly fährt man nach Oldham, ein ödes Kaff wie viele in England, im Bus nur 25 min. Viel zu früh kam ich am Boundary Park an. Auf der Geschäftsstelle fragte ich nach Karten und bekam zu hören, dass es diese erst eine Stunde vor Spielbeginn an der Kasse eines bestimmten Blocks gäbe. Die zwei Stunden bis dahin verbrachte ich in einem pub und stellte mich später an den Eingang des neuen Rochdale Road Stand.

Was ich dann für zehn Pfund in die Hand gedrückt bekam, war für mich als Eintrittskartensammler ein Schock: Das Ding mit den Ausmaßen 5 x 50 mm trug nur die Aufschrift „Automatticket“ mit einer Nummer.

Was folgte, entschädigte aber für alles: Der Boundary Park war trotz TV-Übertragung fast voll (Att. 13 013) und beide Fanlager sorgten während der gesamten Partie für super Stimmung! Der kick hatte einen guten Unterhaltungswert. Das Tor des Tages für die Latics fiel bereits in der 8.min, was für Everton die erste Niederlage in diesem Stadion bei einem Ligaspiel seit 1922 bedeutete!

Die Rückfahrt dauerte endlos, da der Bus wohl die gesamte Great Manchester Area durchkreuzte, ehe ich nach über einer Stunde endlich raus springen konnte.

 

 

6.10.92   Blackburn Rovers – Huddersfield Town   4:3 n.V.

Erst am Tag zuvor erfuhr ich von den Ansetzungen der Rückspiele in der 2. Runde um den Coca-Cola-Cup (zuvor von Rumbelows gesponsert). Die Sensation des Wochenendes war zweifellos der 7:1-Sieg der Blackburn Rovers über Spitzenreiter Norwich City, die nun selbst die Premier League anführten.

Für mich kein Thema, nun selbst den Ewood Park zu besuchen. Das match gegen Huddersfield war all-ticket und so fuhr ich schon am Montag nach Blackburn (eine Stunde im Bummelzug ab Manchester), um mir eine Karte zu sichern. Am ground angekommen, staunte ich nicht schlecht. Mindestens 200 Leute standen Schlange vor der Geschäftsstelle. Ein Mann erzählte mir, er stünde für tickets gegen Manchester United in drei Wochen an. Nach ein paar Minuten ging ein Raunen durch die Menge und ein Cop verbreitete für viele die Hiobsbotschaft: Manchester ausverkauft! Und das, wo der Vorverkauft für das match erst vor drei Stunden begonnen hatte – Wahnsinn live! Viele der Wartenden zogen enttäuscht ab, doch ich blieb stehen und bekam nach einiger Zeit mein gewünschtes Ticket.

Am frühen Dienstagabend fuhr ich erneut nach Blackburn, wo fast die gesamte Stadt auf den Beinen war. Der alte Ewood Park platzte mit 15 038 Zuschauern fast aus allen Nähten. Es herrschte typische Pokal-Atmosphäre, besonders die ca. 300 Supporter vom Tabellenletzten der 3. Liga (!) Huddersfield Town (übrigens die erste Mannschaft, die dreimal in Folge englischer Meister wurde) feuerten ihr Team ununterbrochen an – Sagenhaft! Das Hinspiel war 1:1 ausgegangen und so war Blackburn mit Manager Dalglish klarer Favorit für das Erreichen der nächsten Runde. Absoluter Topstar der Rovers ist Alan Shearer und der markierte nach 9 min. das 1:0. Als eine ¾ Stunde später das 2:0 fiel, schien alles gelaufen zu sein. Denkste! Was sich dann auf dem Rasen und vor allem auf den Rängen abspielte,war einfach unglaublich. Huddersfield Town erzielte glücklich den Anschlusstreffer (65. min), der Tabellenführer Blackburn war geschockt und das Schlußlicht der Division 2 nutzte das eiskalt aus: 2:2 Ausgleich in der 76. min! Nur 60 Sekunden später führte Huddersfield sogar mit 3:2, die Pokalsensation schlechthin schien sich anzubahnen. Die Jungs im Gästeblock rasteten vor Freude endlos aus, sprangen in Euphorie über den Zaun auf´s Spielfeld und mussten von den Bobbies eingefangen werden. Die Masse tobte, der Ewood Park glich einem Hexenkessel! Von den Rovers-Fans gnadenlos supportet, trat wiederum Shearer in der 83. min das Leder zum 3:3 in die Maschen der Huddersfielder. Verlängerung!

Da allerdings der letzte Zug von Blackburn nach Manchester schon um 22 Uhr startet, musste ich jetzt schon abhauen und mich überfiel der totale Frust. In der extra-time gelang Blackburn noch das 4:3 und damit der Einzug in die 3. Runde. Trotzdem erlebte ich das wohl bisher beste match der Saison!

 

 Das dritte Spiel in Barcelona: Leeds United – VfB Stuttgart

Seit einer Woche beherrschte die Sportseiten in der englischen Presse nur ein Thema: Die regelwidrige Einwechselung eines ausländischen Spielers von Christoph Daum auf Seiten des VfB Stuttgarts bei deren EC-Spiel an der Elland Road. Die Stimmung in den Zeitungen gegen Deutschland allgemein war wegen des derzeit aktuellen Pfund-Crashs (angeblich sei die Bundesbank schuldig !) und der umstrittenen Raketenfeier von Peenemünde absolut negativ. Das nun der VfB Stuttgart trotz Regelverstoß die Chance auf ein drittes Spiel haben sollte, war eine weitere Provokation gegen die Fußballnation England. Gerade die Tatsache, dass der deutsche Sender RTL jenes 3. Spiel übertragen und somit kassieren sollte, machte die Situation besonders brisant. Eine „Verschwörung“ des DFB, RTL und der UEFA gegen Leeds United wurde vermutet.

Auf dem Weg vom Ewood Park zum Bahnhof von Blackburn kam ich mit einem Huddersfield-Fan aus Oldham ins Gespräch und der gab mir die letzte Neuigkeit, das jenes 3. Spiel nun endgültig am Freitagabend in Barcelona stattfinden wird.

Für mich war klar, dass ich diesen kick sehen musste und nachdem später in Manchester die Zugverbindungen nach Barcelona studiert wurden, war die Tour nach Spanien für mich zu 100% gemachte Sache. Am Mittwochmorgen mit dem ersten Zug nach London gefahren, besorgte ich mir in der Victoria Station eine Liegeplatzreservierung Paris – Port Bou für donnerstags und nahm den nächsten channel-train nach Dover. Starkes Unwetter ließ die Fähre zum Festland ausfallen und ich musste mehrere Stunden warten. Dann ging es im Jetfoil mit extremem Seegang weiter. Ein kleiner deutscher Junge meinte zu seiner Schwester: „Die Schaukelei geht mir voll auf die Eier, sei froh das du keine hast.“, doch der jungen Dame war es auch ohne diese Organe äußerst schlecht.

Um Mitternacht zu Hause angekommen, wollte ich 12 Stunden später über Paris / Port Bou nach Barcelona railen. Im Reisebüro wurden am nächsten Tag Zugverbindungen und Reservierungen klargemacht und bei der Bank Peseten getauscht.

Es war um ca. 11 Uhr, als ich es endlich schaffte, bei der VfB-Geschäftsstelle telefonisch durchzukommen, um zu erfahren, wie es um Eintrittskarten steht. „Tickets werden nur in Verbindung einer Flug- oder Busreise abgegeben“ laberte die Olle. „Ich fahre aber mit dem Zug hin!“ – „Da haben Sie keine Chance am Stadion Karten zu bekommen!“. Das hat mich völlig umgehauen. Sollte die UEFA wirklich auf die Idee gekommen sein, für dieses unnormale 3. Spiel aus Sicherheitsgründen vor Ort keine Tickets in den freien Verkauf zu bringen? Ich überlegte lange und kam zu dem Entschluß, es nicht zu riskieren nach Barcelona zu fahren um letztendlich vielleicht wirklich vor dem Nou Camp zu stehen und nicht drin zu sein.

Als ich später hörte, dass ca. 2 000 Spanier die Partie live verfolgten und ich so besser doch nach Barcelona gefahren wäre, schossen mir Gedanken durch den Kopf, die Olle in der VfB-Geschäftsstelle zu killen!


7.11.92   KAA Gent - RFC Antwerpen   3:1

Nach dem DFB-Pokal-kick Bayer 04 - Hertha BSC hatte man sich am ground mit LEV-Karsten verabredet, um am Wochenende in Belgien zu hoppen. Dieser fühlte sich fit und trieb seinen Japaner mit 160 km/h über den Asphalt, so daß wir schon nach 150 min in Gent am Ottenstadion ankamen. Der Leichlinger wollte unbedingt in den away-Block, von wo wir mit geschätzten 12 000 anderen Zuschauern ein hochklassiges Spiel geboten bekamen. Ich bemerkte ziemlich viele Gewalttäter in unserem Block und als Laie in diesen Sachen erklärte mir LEV-Karsten, daß der RFCA DER Hool-Club in Belgien sei.

Das war nicht gelogen, denn Mitte der 2. Hälfte spielten sich nach der 2:1-Führung für Gent dramatische Szenen ab: Etwa 100 Antwerpener sprangen an den Zaun zum benachbarten  Block des harten Genter Kerns, diese provozierten mit dem Werfen von Geldstücken und Feuerzeugen zunächst harmlos zurück. Schnell die Eskalation: Beide Gruppen schafften es irgendwie Steine und Betonbrocken aus dem Boden zu reißen und es begann eine 20minütige Schlacht, in Folge der ca. 300 Steine die Seiten wechselten. Man stand dicht gedrängt und so war wohl jeder Wurf ein Treffer, zumal man den Geschossen wegen der Dunkelheit kaum ausweichen konnte. Die RFCA-Hools brachen ein Tor zum Innenraum auf und stürmten den Rasen. Während Spieler und Schiris flüchteten, wurden Werbetafeln und Eckfahren zerstört. Am Zaun vor den Gentern ging die Randale munter weiter. Der Ex-Kölner Lehnhoff kam zurück und schaffte es, die Antwerpener zu beruhigen und nach einem 2. Ansturm auf den Genter Block zogen sie sich zurück. Erst jetzt tauchten fünf Cops auf, wo alles schon gelaufen war.

Nach dem 3:1 für Gent schafften es LEV-Karsten und ich nach heil aus dem ground rauszukommen. Die Nacht ließ man in verschiedenen Kneipen ausklingen und während ich mir in unsrem Nachtquartier (Metjes Automobil) die letzten Dosenbiere reindrückte, versucht der in seiner Kleptomanie über eine Stunde einen überdimensionalen Vogelkäfig ("Den brauche ich!") zu zerlegen, was allerdings kläglich scheiterte.

 

5.12.92   VfL Bochum – Bayern München   2:2

Im IC nach Bochum trieb ich im Speisewagen Udo, Jochen und Bernd auf, die ihrer Leber schon kräftig mit Dujardin zu schaffen machten. Das fand im „chocolate“ seine Fortsetzung und als wir wenige Minuten vor Spielbeginn das Ruhrstadion enterten, gab es dank des Massenandrangs absolut keine Chance mehr, eine Aussicht auf den Rasen zu erwischen. Drei energische Versuche, sich doch irgendwie durch den Zuschauerpulk an den Treppenaufgängen zu schleusen, schlugen fehl. Wenigstens war der Weg zum Bierstand frei, so dass man für die kommenden 90 min. doch noch eine Beschäftigung fand. Schade, denn das später vom „kicker“ mit der Note 1 bedachte match hätte ich mir zu gerne angeschaut.

Für den Abend hatte ich aus Anlass der Fertigstellung meiner Wohnung ein paar Leute zur Fete eingeladen. LEV-Karsten brachte Udo und mich nach Gladbach, wo schon der Dicke Hammer und zwei ehemalige Kollegen Einlass begehrten. Am Vormittag hatte ich mit Norbert in einer spontanen Aktion in Leverkusen ein 20 l Fass Diebels aufgetrieben, das es nun anzuschlagen galt. Der Dicke Hammer glaubte zu wissen wie das geht und schnell hatte man 10 % des Inhalts auf der neuen Tapete und an der frisch gestrichenen Decke verteilt – „ozapft is!“. Nun konnte das Besäufnis beginnen: Kurze Gastspiele gaben der Norbert mit seinem Freund, dem Taxifahrer Ralf (dank eines von Udo eingetrichterten Ouzo entleerte der seinen Mageninhalt mehr neben als in die Toilette) sowie Alex und Ralph (der schon prall genug war um sich „früh“-alkoholfrei schmecken zu lassen). Irgendwann gegen 3 Uhr trafen aus dem „früh“ Wolfgang, Harald und drei andere Kölner ein und als letzten Neuzugang registrierte ich den Oliver B. aus München, der wegen des Wegklatschens einiger Bochumer Kutten von den dortigen Cops kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurde und deshalb in der Nacht am Kölner Hbf rum hing. Es muss wohl gegen 5 Uhr gewesen sein, als sich mich ein Filmriss erwischte… aber man bekam noch mit, als um 7 Uhr mit Wolfgang der letzte Partygast nach Hause torkelte. Nur der Dicke Hammer und LEV-Karsten blieben zum „Übernachten“.

 

 

Nach Wülfrath – „Danke Sport-BILD !“

Um die Mittagszeit wachte jeder von uns dreien aus seinem Koma auf. Der Dicke Hammer wollte zum Oberligaspiel Wülfrath – Rheydt und da LEV-Karsten und ich den ground auch noch nicht hatten, schlossen wir uns an.

Die Partie sollte um 14.15 Uhr losgehen und zur gleichen Zeit erreichten wir diese karge Ortschaft. Wir entdeckten zwar einen Sportplatz, aber nach Oberliga sah das nicht aus und nach kurzem Durchfragen fanden wir das richtige „Stadion“ (ein von einer Baustelle umgebener Aschenplatz!). Nur war da kein Mensch zu sehen, obwohl das match schon seit 15 min. laufen sollte. Der Dicke Hammer präsentierte seine Sport-BILD, wo stand: 6.12. Wülfrath – Rheydt. Wie war das nur möglich? LEV-Karsten fiel nebenbei auf, dass an dem Tag auch die Amateure von Köln und Leverkusen gegeneinander spielten, aber in dem Heft ganz andere Ansetzungen angekündigt wurden. Langsam schwante uns was und als wir aus einer Mülltonne auf der Baustelle den Sportteil einer Lokalzeitung mit dem Hinweis: 6.12. Brück – Wülfrath herausfischten, wurde unser Verdacht bestätigt: Sport-BILD hatte die Spiele der kommenden Woche abgedruckt! Mit LEV-Karsten lachte man kräftig ab, während der Dicke Hammer frustriert schien, da er zum 2. mal auf „Deutschland Sportzeitung Nr. 1“ hereingefallen war.

Um vielleicht doch noch ein match mitzubekommen, fuhren wir zurück zu dem Sportplatz, wo wir zuerst  waren. Dort stand das Spiel der Damenmannschaften Wülfrath – Lohausen (Verbandsliga) an. Der Trainer der Gastgeber war in heller Aufregung, denn der bestellte Schiri hatte ihn sitzen lassen. Da wir die einzigen männlichen Zuschauer waren, kam er plötzlich auf uns zu: „Hey Jungs, will nicht einer von Euch Schiri machen? Da braucht man nur wenig Ahnung vom Fußball zu haben und ihr kriegt auch 30 Mark dafür!“ Die Vorstellung der Möglichkeit, die Mädels mit massenhaft roten Karten vom Platz zu stellen oder serienweise Elfmeter o.ä. Blödsinn zu verhängen, verlockte natürlich, aber schließlich lehnten wir dankend ab. Die Wahrscheinlichkeit, von den sportbegeisterten Damen massakriert zu werden, war uns doch zu hoch. Als Schiri fand sich nach langer Diskussion der Gästetrainer.

Wir verfolgten noch kurz einige Aktionen auf dem Spielfeld (insbesondere Lohausens Nr. 7 war attraktiv !) und zogen wegen starker Kälte frühzeitig ab. Aus gleichem Grund ließen wir am Abend Schalke – Köln sausen und LEV-Karsten fuhr mich nach Hause.


28.12.92   Wolverhampton Wanderers – Bristol City   0:0

Am 2. Weihnachtstag ging´s mit dem Brandoberndörfler Udo für eine Woche nach England. Zwei Tage wurden in London verlebt, ehe wir nach Norden aufbrachen, um doch noch fußballmäßig was mitzubekommen.

Birmingham erreicht, wollte Udo gleich zum Saufen in den nächsten pub. Keine Chance, - er wurde von mir ins nahegelegene Wolverhampton geschleppt, weil dort ein match der Division 1 angesagt war. Am Bahnhof gab es die Überraschung: Dean aus Pforzheim mit zwei KSC-Hools wurde angetroffen!

Bis zum kick off um 15 Uhr zockte ich dem Hessenfrontler und dem inzwischen auch erschienenen LEV-Karsten in einer Kneipe je ein Bier ab und begab mich später mit Udo auf unsere seats im Molineux ground. 16 000 wollten die Wolves sehen und die verbreiteten gute Atmosphäre! Nur Udo hielt es nicht lange aus und schon nach 20 min wurde das Stadion wieder verlassen. Genial-sinnlose Aktion,  aber wenigstens reichte die Zeit im pub von vorhin zum Kartenschreiben.

 

 

28.12.92   Aston Villa – FC Arsenal   1:0

Zurück in Birmingham ließ man sich im Taxi zum Villa Park bringen und passierte frühzeitig nach Zahlung von neun Pfund das Drehkreuz zur Stehplatztribüne – ohne allerdings ein Ticket als Gegenleistung zu kriegen. Die Arena ist nach meinem Geschmack mit die beste in England und füllte sich mit 37 500 Besuchern fast vollständig. Mit Udo fror ich mir gut einen ab, ehe man sich am unterhaltsamen, aber keinesfalls hochkarätigen match erwärmen konnte. Aston Villa siegte schließlich verdient durch einen Elfmeter in der 45. Minute. Was dem Udo in der Bundesliga nicht gelingt, schaffte er in England: 90 min hielt er ohne Bier (oder gerade deswegen ?) durch. Klasse Leistung!

Später fanden wir in einer Mülltonne noch eine der begehrten Eintrittskarten und stellten uns an der „Aston Station“ an, um per Brit-Rail in die Innenstadt befördert zu werden. Wenn eine Station weiter die Arsenal-Supporters im Sonderzug nach London nicht randaliert hätten, wäre das kein Problem gewesen – so wurde der Bahnhof gesperrt und man latschte mangels Busse und Taxis, stets von einem ebenfalls orientierungslosen Mob Engländern gefolgt, die drei Meilen Richtung Innenstadt. Um eine Fortsetzung unserer Nachtwanderung zu umgehen, wurde ein Taxi zu unserer Unterkunft im Stadtteil Acocks Green gechartert.

 

Silvestermorgen: Höller ante portas!

Operation „Deep Freeze“ in Sheffield

An diesem Tag steuerten Udo und ich Sheffield an und fanden in einem pub in Bahnhofsnähe ein würdiges Quartier. Das Stadion von Sheffield United lag in Sichtweite und so besorgten wir uns schon am Vormittag Karten für das match gegen Oldham Athletic. Nach shopping, Essen und Saufen latschten wir wieder zur Bramall Lane, wo der Hessen-frontler als erster merkte, dass die Flutlichtanlage nicht in Betrieb war. Wir sahen weder irgendwelche Fans noch Programmverkäufer oder Würstchenbuden. What´s going on here? Ein Professor aus Norwegen, der auch in unserem pub nächtigte, klärte auf: Spiel kurzfristig wegen Kälte abgesagt! Den totalen Frust spülte ich mir in der ground-Kneipe von United mit etlichen pints runter, während Udo das alles amüsierte. Er war ja zum Vergnügen und nicht wegen Fußball nach England gekommen. Den endgültigen Vollrausch holten wir uns auf unserem Zimmer, obwohl der geizige Wirt es bei Minustemperaturen nicht nötig fand, die Heizung in Gang zu setzen. Morgens fühlte man sich wie tiefgefrorene Fischstäbchen, oder so ähnlich.

An den restlichen Tagen auf der Insel trieben wir uns in Liverpool und zum Silvester-Abfeiern in London rum. Am 1.1. des neuen Jahres war man froh, deutschen Boden unter seinen Füßen zu haben und die Vorzüge mitteleuropäischer Gastronomie genießen zu können! Udo kam ab den Abend unserer Ankunft in Köln nicht mehr weiter nach Butzbach, so dass er eine weitere Nacht in meinem Heim verbringen musste.                    

   

19.3.93   FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf   2:1

Mit Wolfgang saß ich im IC nach Hamburg, als in Düsseldorf eine Marke von Typ in den Zug einstieg, die man nicht so schnell vergessen wird: Über 30, hellblond, tätowiert an Armen, Hals und Stirn mit F95- und FCK-Motiven in Begleitung einer Appelkornflasche. Wir waren bereits am ballern und das schien der Gestalt zu gefalle, so da er sich in unserem Abteil breit machte. Mit dem kam man gleich gut ins Gespräch, gab sich allerdings nicht als Fußballinsider aus und so amüsierten wir uns hinter vorgehaltener Hand auf gezielt dumme Fragen, was beim Fußball so abgeht und was es mit den Hooligans so auf sich hat. Arnoldi, so ist er in der Szene in Düsseldorf bekannt, gehört zu den „alten Hauern“ und ist Fortune mit Leib und Seele. Bis hinter Dortmund pöbelte er in den Bahnhöfen die Passanten an (z.B. „Wuppertal! Asozial! Und Elberfeld? Hat auch kein Geld!“), so dass man sich vor Lachen auf dem Boden wieder fand. Der Zug wurde voll, alles drängelte sich in den Gängen, nur zu uns traute sich keiner rein. Der Höhepunkt der Tour kam, als eine junge, hübsche Farbige sich erdreistete, die Gesellschaft von Arnoldi zu suchen. Der Düsseldorfer ließ einen Gag „schwarzen Humors“ nach dem anderen vom Stapel und während uns die Tränen kamen, machte das Mädel schnell den Schuh.

Arnoldi torkelte in HH Hbf raus, während wir gleiches in Altona taten. Ab ins Taxi und zum Wilhelm-Koch-Stadion rausgefahren. Der Fahrer verarschte seine volltrunkenen Gäste sauber, indem er einen Umweg fuhr und uns Orientierungslose vor der Kurve der Zecken rausließ. Den Irrtum bemerkten wir in unserem Zustand zu spät und so verbrachten wir das match, von dem wir nicht allzu viel mitbekamen, in der St. Pauli-Fankurve. Was da an Pack und Gesindel rumschwirrt ist kaum zu glauben und mit dem so berüchtigten Millerntor-Roar war auch nix. Selbst die Autonomen sind nur dann zu begeistern, wenn der sportliche Erfolg stimmt. Zur Abschluß-Tour nach Hamburg brachte Fortuna um die 300 Verrückte mit (Wo war der Schürres ?), die beim zwischenzeitlichen 1:1 genial am Abfeiern waren.

Den Rest des Abends lungerten wir auf der Kirmes und im Kölsch-pub auf St. Pauli rum, ehe es im Nachtzug nach München ging.

 

20.3.93   Bayern München – 1. FC Köln   3:0

Jenseits des Weißwurst-Äquators in München angekommen, stand Frühstück bei Hertie (oder Karstadt ?), Frühschoppen im Hofbräuhaus und Sich-die-Kanne-geben bei Susi auf dem Programm. Viel fällt mir zum 52. vor Ort gesehenen Spiel der Bayern dank Dauerrauschs nicht mehr ein. Nach ´nem Stadionbier überfiel mich endgültig die Krise, bekam kaum noch was mit und während der no-money-mehr-Wolfgang frühzeitig nach Köln railte, traf ich im üblen Zustand nach dem kick im Stadion-Restaurant nach langen Jahren den Frank aus Bensberg wieder. Wir sahen uns „ran“ in SAT 1 an und… finito jeglicher Erinnerungen. Ich weiß aber noch, dass ich am nächsten Morgen den „Luna“ (Schlafwagenzug) rechtzeitig in Köln verlassen konnte.     



Flugschein aus der Vor-"e-ticket"-Zeit

24.3.93   Schottland – Deutschland   0:1  (in Glasgow)

Der trip zum Länderspiel des DFB-Teams nach Schottland war nicht nur Pflicht für jeden, der was auf sich hält, sondern auch absolut Kult! Der Höhepunkt eines sonst fanmäßig ärmlichen Jahres der Nationalmann- schaft sollte es werden. Für mich war das fast schon gelaufen, als klar wurde, dass der kick nicht im Hampden Park, sondern im Ibrox Park der verhassten Rangers steigen sollte. Na ja, holte man sich halt den ground ein zweites mal.

Die alkreichen Tage begannen schon am Dienstag. In GL´s Stadtmitte sich mit  Norbert schon gut eingestimmt, fiel man mit ihm und den   FC-Schottlandfahrern Wolfgang und Stefan in die Düsseldorfer Altstadt   ein. Norbert blieb im Lande und fuhr zu nem Finalspiel der DEG, während sich der Rest zum DUS-Flughafen absetzte. Schnell eingecheckt blieb im Flughafengebäude noch Zeit für das allerletzte Alt. Der  „Hubschraubereinsatz“ (ein BMG- Supporter aus Düsseldorf – oder   andersrum) schwirrte an und so waren serienweise Ablacher garantiert. Irgendwann hob man per British Airways mit einigen DFB-Kutten an Bord ab. Den Roten Baron aus Krefeld jagte eine Krise nach der anderen, während Wolfgang und ich die süße Stewardess mit weiteren Bierforderungen am Laufen hielten. Nach einer Zwischenlandung in Birmingham war man im Anflug auf Glasgow schon so prall, dass man sich eine Flugzeugentführung nach Hawaii herbeisehnte. War nix, Endstation in   der größten Metropole Schottlands! Mit einem Schalker enterten die Kölner mit mir ein Taxi zu der Absteige, die ich Wochen zuvor klargemacht hatte. Ausgebucht, man war kurzfristig in ein anderes Hotel (Nähe Celvinbridge) umdisponiert worden. Im Zimmer sprangen die FC-Hools  auf die Einzelbetten und so stand mir eine Nacht mit einem Schalker im Bett zuvor. Gibt es was Schlimmeres?

Morgens beim Frühstück wurde alles geplündert, was Vitamine beinhaltet (bis auf  Orangensaft und Eier nicht viel). Die Überraschung am Morgen: Ralle war  mit dem Witten (der lag allerdings noch vollbreit in der Koje) im gleichen Hotel abgestiegen! So war das Haus trotz Kölner Übermacht in   meinem Zimmer fest in Münchner Hand. Den Vormittag verbrachten Wolfgang, Feuermelder und der Schalker unter meiner Führung mit dem Besuchen, Leerkaufen der Shops und Betreten des jeweiligen heiligen Rasens von den Ranger-Bastards und den Super-Celts! Einmal einen Schuh auf das Grün des Parkhead von Celtic Glasgow zu setzen, war schon genial. Später in der Innenstadt wollten die anderen Pizza fressen gehen und so setzte ich   mich ab. Pubs sind in der Innenstadt von Glasgow rar gesät. In einer feierten blöde Kutten herum, aber bald entdeckte ich die Kneipe am Bahnhof mit den richtigen Leuten: Dort hingen neben den üblichen Länderspiel-Freaks aus Bielefeld, Essen, Hamburg und sonst woher auch die bekannten Gestalten aus München ab. Mit McEvans, Newcastle Ale und Warsteiner ließ man es sich gut gehen. Nicht wenige volltrunkende   Deutsche lagen unter den Tischen und verpennten den bevorstehenden Abend. Ähnliches Schicksal zu umgehen, schaffte ich trotz des wohlschmeckenden Bieres den Absprung und fuhr zum Ibrox Park raus. War einiges los in der Gegend, doch überzeugen konnte das alles nicht. Zwar traf ich im Block u.a. den Dean und den dicken Hammer, aber das alles   nutzte nix: Das match wurde ein Flop in allen Belangen! Kids im  Vorschulalter mit ihren Vätern bevölkerten vorzugsweise die nicht ausverkauften Ränge und so erbärmlich schallten auch die Anfeuerungsrufe   für Schottland. Das kein Spieler der Glasgow Rangers auf dem Rasen agierte, war mehr als deutlich zu spüren. Von den Celts geht eh keiner freiwillig in diese Arena. Es lag also an den Deutschen für Stimmung zu sorgen. Volltreffer! Die schottischen Cops hatten ihre liebe Mühe, die nicht zu bändigende Masse aus Deutschland auf ihren Sitzen zu halten. Dabei waren die Aktionen unserer Nationalmannschaft bekanntlich katastrophal und nur mit viel Glück konnten wir im Ibrox Park einen   Erfolg verbuchen. Spiel gesehen, geärgert, vergessen! Anders ging es nicht.

Der herbei gesehnte Schlusspfiff war schon längst verhallt, als man sich mit den Kölnern und dem Schalker an dem pub vor der U-Bahn wieder traf. Die von irgendwelchen Hools vermutete Randale blieb völlig aus und so kannte man sich ganz dem Problem hingeben, wo es in diesem Lande um diese Uhrzeit noch „lager“ gibt. „Mit der Zimmerbesatzung zog man in einen pub in Hotelnähe, und als dieser später dicht machte, wurde man   von Einheimischen in eine Disco gelotst, wo es für Inselverhältnisse günstigst „lager“ und sonstigen Alk gab. Discos sind öde und so war ich der erste, der am frühen Morgen den Schuh Richtung Schlafgelegenheit machte. 

Edinburgh. The day after. Die Laberköppe von FC-Hools wollten im Hotel die Zeche prellen, was nix wurde – logisch. Mit dem Schalker fraßen die sich im „deep pan“ (für 2.85 punds all you can eat) bis zum Brechreiz voll, während ich mir selbst für einen halben Tag Diät verordnete. Lager soll angeblich dick machen!? Am Bahnhof Glasgow Central folg noch der „Hubschraubereinsatz“ (mit five pounds und drei Heiermännern für vier Tage in der Tasche) ein und man verabschiedete die gen London reisenden Münchner Bischof und Merger, ehe man selbst in einen Zug nach Edinburgh stieg. Die Reise dauerte nur knapp zwei Stunden und am Bahnhof wurde gleich ein Zimmer für die nächsten Nächte bzw. Tage klargemacht. Vom Fußball mal abgesehen ist Edinburgh gegenüber Glasgow absolut ein Paradies: Kleiner, sauberer und abends viel mehr los. Erst hier merkt man, dass man in Schottland ist! Fast den ganzen Abend suchte ich gezielt nach einem pub, in dem ich vor einiger Zeit mal mit einer Bekannten gewesen bin: „the last drop“. Diese Studentenkneipe ist „der“ pub schlechthin in der Stadt, da geht es bis weit über die Sperrstunde hinaus bis zum Äußersten. Klar, da wurde die erste (und nicht die letzte) Nacht abgesoffen.

Am Freitag stand erstmal groundhopping „auf dem Trockenen“ statt, d.h. Stadien ohne Spiel zu gucken. Den ersten machten wir rein zufällig und nur durch Flutlichtmasten angelockt: Meadowbank Thistle, Zweitligist. Die Arena ist nicht übel, dient mit anliegenden Sporthallen als Mekka für Freizeitsportler. Wo am Wochenende evt. tickets verkauft werden, blüht wochentags reger Handel mit Blumen aus Holland. Uns trieb es weiter zur Easter Road, der Heimat von Hibernian Edinburgh. Zwischen abgefuckten Gyros- und Dönerbuden kann man den fan-shop finden. Dort deckte man sich wie üblich mit Souvenirs ein und vor allem der Rote Baron orderte grüne Schals. Später fiel ihm ein, dass grüne Schals Scheiße sind und schon wollte er n Bauchladen aufmachen, um den Schund loszuwerden. Die spinnen, die Krefelder! Später gelangten wir durch die offenen Tore sogar in den ground der Hibs. Die Spielstätte ist zwar reiner Bruch, aber doch (oder gerade deswegen ?) genial. Die Uerdinger Grotenburg ist dagegen ein Fußballpalast. Sitzt man aber bei einem Derby oder Celtic- Gastspiel ohne Zaun nur 20 Zentimeter neben der Seitenauslinie, so muß das einem das football-feeling ohne Ende geben. Als letzte Station steuerte ich mit Wolfgang und Stefan per Bus den Tynecastle Park von Hearts of Midlothian an. Für diesen ground hatte ich sogar mal Karte für das EC-Spiel des FC Bayern in der Hand gehabt, musste aber am selben Tag zur Bundeswehr-Musterung nach Wuppertal-Elberfeld. Der Platz liegt inmitten eines Häuserblocks und ist von außen kaum einzusehen. Das der Hearts-shop auch schon längst dicht war, machte den Ausflug ins westliche Edinburgh dann total zur Pleite. Am Abend wurde wieder im „the last drop“ rumgesoffen. Wolfgang fand im Publikum seine pretty woman, die sich sogar später zu uns gesellte. Seitdem läuft der Kypke mit Selbstzweifeln herum („Warum ist deine Nase so platt? Schlägerei?). Den Rest der Nacht torkelte man in einer Disco in einem Kellergewölbe without exit rum. Nicht schlecht, aber man war selbst der erste, der den Ausgang fand und sich ein Taxi zum Hotel gönnte. Da scheuchte ich durch penetrantes Dauer-Klingeln den bereits schlafenden Hausherrn aus der Koje, um in mein teuer bezahltes (twenty pounds per night) Schlafgemach zu fallen. Wenig später zogen die Kölner nach und der Tag fand ein Ende.

 

27.3.93   Dundee United – Celtic Glasgow   2:3

Am vorletzten Tag der Schottland-Tour wollte man sich noch ein match reintun und den Tannadice Park antesten. So ging es am frühen Morgen im Zug die zwei Stunden nach Dundee. Die City of Discovery hat für den Tourist kaum was zu bieten und hätte sie nicht zwei Erstligaclubs, so könnte man das Städtchen aus sämtlichen Urlaubsplanungen streichen. Die einzigen Deutschen vor Ort waren wir nicht, da man drei Münchner Hools begegnete, womit die bajuwarische Überlegenheit im ground gesichert war. Mit ´nem Bus ließen wir uns den Berg hoch zum Tannadice Park chauffieren. Nicht mal 50 m entfernt von dem ground liegt das Dens Park Stadium von Uniteds Lokalrivalen Dundee FC. Wahnsinn! Das dürfte sicher weltweit einmalig sein. Darüber hinaus fasst der Dens Park nicht nur 10 Zuschauer mehr als die Arena gegenüber (nämlich 22 320), sondern macht aus optisch den weitaus besseren Eindruck. Denn der Tannadice Park ist von seiner Architektur her ziemlich misslungen.

Das Spiel war all-ticket, aber vor allem die Fans aus Glasgow boten noch Karten in Massen an. Für uns hatte ich schon vorher per Post die tickets besorgt und so konnten wir uns in der United-Sitzplatz-Arena niederlassen. Wenige Minuten vor kick off herrschte im leeren ground Friedhofsstimmung und so waren wir uns absolut sicher, nach Ibrox den nächsten Flop gelandet zu haben. Plötzlich strömten die Supporters doch noch rein und schraubten die attendance auf 11 353 hoch. Für ein solches Topspiel sicherlich schwach, aber was die paar Leutchen für eine gigantische Stimmung erzeugen können, wurde uns eindrucksvoll demonstriert. Von Celtic waren über 6 000 im Tannadice Park und sobald der Ball durch die Reihen der Grün-Weißen tanzte, bebte der away-Block und die Gegengerade. Nach 11 min das 0:1 durch McAvennie und er Celtic-Mob rastete gnadenlos aus. Ebenso wie seine Fans brachte das Team von Dundee United bis dahin nur wenig zustande. Celtic dominierte das Spiel nach Belieben und nach dem 0:2 (59. min) drohte der Heimmannschaft ein Debakel. Plötzlich der glückliche Anschlusstreffer zum 1:2 (65. min) und die Utd.-Fans wachten auf. Mit unbeschreiblichem Fanatismus supportete Dundee gegen die Übermacht der Celts. Selbst der älteste Opa neben uns schwang seine Krücke und war nicht mehr zu bändigen. Was sich in den Köpfen der Leute abspielt ist mehr als nur Abneigung gegen den Konkurrenzclub, das ist Hass! Als dann nach 77 min Collins mit seinem 1:3 für klareVerhältnisse zu sorgen schien, glich der ground einem Tollhaus. Eine Minute vor Schluß besorgte der Star vom Länderspiel am Mittwoch, Duncan Ferguson, noch das 2:3, doch für Celtic reichte es zum Sieg. What a game!!! Ein Reporter schwärmte am nächsten Tag in der Presse: „Games are either very good or very bad, never just average. Fortunately this encounter came into the “very good” category. In fact, it was a good game I ve watched all season.” Noch Fragen?

Mit den beiden Kölnern verließ ich schnell das Stadion und auf den Straßen spielten sich Szenen ab, die man bei uns leider nie zu sehen bekommt. Die Supporters von Dundee Utd. und Celtic ziehen aneinander vorbei und fetzen sich total an, aber nur verbal – es fliegen keine Fäuste, wie man es evt. erwartet hätte, alles bleibt ohne Randale. Sicher mit einer der stärksten Eindrücke, die ich von der Insel mit nach Hause nahm. Mit dem Bus wieder zum Bahnhof gefahren, railten wir zurück nach Edinburgh. In einem pub flossen für uns noch einige pints, man gab sich aber nicht, wie in den Nächten zuvor, endgültig die Kanne.

Am Sonntag endete unser trip und von Edinburgh aus brachte uns die British Airways über Birmingham nach Düsseldorf. Den dortigen Zoll konnte Wolfgang statt Personalausweis mit Bundesbahn-Tramper-Ticket passieren („Wo ist mein Ausweis?“), bekam aber den Spott der Grenzschützer zu hören: „Demnächst reisen die noch mit ihrer Sauna-Zehnerkarte ein!“. Endlich wieder im Bergischen musste ich per SAT 1 die Bayern-Pleite beim HSV erleben. Unter allen Umständen wollte ich eigentlich mit den Kölnern live in Hamburg gewesen sein, doch flug- und zugverbindungsmäßig war das absolut unmöglich und darüber war ich letzten Endes doch froh.

Fazit: Länderspiel war Scheiße, dafür aber Dundee genial. Schottland bleibt Kult!

Der sportliche Höhepunkt in der Geschichte des RFC Antwerpen !

22.4.93   RFC Antwerpen – Spartak Moskau   3:1

Zuerst wartete ich an unserem Treffpunkt in Hürth-Hermülheim eine halbe Stunde  auf LEV-Karsten, ehe der endlich mit seiner Karre angerauscht kam. Auf  der Autobahn laberte er mich dann so dermaßen voll, wie toll das Hoppen  irgendwelcher belgischen Zweitligagrounds doch sei, dass wir die Abfahrt  nach Antwerpen verpassten. Über etliche zeitraubende Umwege auf der  Landstraße (zu allem Überfluß kam man noch am ground von KTH Dienst – 2.  Liga, Belgien vorbei) gerieten wir auf der Autobahn sofort in einen  Stau. Weit nach 19 Uhr kamen wir endlich in die Nähe der Arena und  wunderten uns über die menschenleeren Straßen. Am Bosuil-Stadion an den  Kassen ausgestiegen, tobten die Massen im ground: Der RFC war soeben 2:1  in Führung gegangen. Ein Offizieller klärt auf, dass das match auf  Anweisung des Bürgermeisters bereits um 18 Uhr begonnen hatte. Wir  hatten dem „kicker“ geglaubt und mit der Anstoßzeit zwei Stunden später gerechnet. Toll, und nun? An einem Kassenhaus fiel gerade die letzte  Luke herunter und eine Dame mit den Einnahmen und restlichen Tickets auf einem Tablett machte sich davon. Ich nahm sofort die Verfolgung auf und  konnte nach einigen Überredungskünsten noch ein Stehplatzticket für ca. 30 DM abzocken! Geizhals LEV-Karsten kam mit Presseausweis gratis rein.  

So standen wir zwar erst zur 65. Minute im Block, erlebten aber die dramatischsten Momente der Vereinsgeschichte des Royal FC Antwerp:   Tumulte im Strafraum von Spartak, ein Belgier fiel, das match ging weiter und erst Sekunden später unterbrach der Schiri die Partie. Es folgten Diskussionen. Foul, Freistoß oder was? Nein, Elfmeter für den RFC! Der Ex-Kölner Hans-Peter Lehnhoff (absoluter Star in Antwerpen) legte sich den Ball zurecht, lief an und traf!

Da die Russen in der letzten Viertelstunde vergeblich auf das Antwerpener Gehäuse anrannten, hatte der RFC nach dem 0:1 im Hinspiel erstmals ein Finale im Europapokal erreicht. Die Euphorie der Belgier war nicht mehr  zu bremsen und zu Tausenden stürmten sie nach Abpfiff auf den Platz, um ihre Helden zu feiern. Das ging einem selbst als Unbeteiligtem stark  unter die Haut! Obwohl die Jubelorgien kein Ende nahmen, verließ ich mit LEV-Karsten nach einiger Zeit das Bosuil-Stadion.

In einer Frituur etwas außerhalb der Stadt stärkte man sich für die Heimfahrt und auf der A 4 Richtung Olpe konnte ich LEV-Karsten um   Mitternacht zu dessen 26. (oder 27. ?) Geburtstag gratulieren. Alter Sack, nichts besseres als Fußball im Kopf? Während dieser Stunden später  zur Arbeit musste, gönnte ich mir daheim noch ein Bier, sah mir im TV den ARD-Film „Elf Freunde müsst ihr sein“ über den FC Bayern an und schrieb diesen genialen Bericht.

8.5.93   1. FC Nürnberg – Bayern München   0:0

Nach der Nachtschicht wollte ich wenigstens im Zug ins Frankenland versuchen, ein paar Takte zu pennen. Doch als mich Festus im Abteil überraschte, war alles vorbei. Sein Gesülze raubte mir die letzte Hoffnung auf Schlaf und so stieg ich total am Ende in Nürnberg aus dem Zug. Festus musste EMA-Sports-Prospekte verteilen und so war ich ihn los. In der Stadt traf ich später auf die komplette Hessenfront und so war Labern und Saufen angesagt. Am Stadion gab es Schwarzmarkt-tickets für das seit Monaten ausverkaufte match in Massen, aber meines hatte ich mir schon über einen „kicker“-Inserenten gesichert.

Erstmals betrat ich das umgebaute Frankenstadion nach der 0:4-Pleite des FCB im Dezember 1989 und ich war zufrieden: Der ground ist auf seine Weise einfach genial und im Block wurden die Aufgänge freigehalten (garantiert selbst beim Kommen in letzter Sekunde optimale Sicht). Der FCB bot nicht gerade ein überragendes match. Randalemäßig war nix gebacken, kaum ein Münchner Hauer war im ground auszumachen.

Nach dem Spiel trieb es mich mit Otti & Co. In die Nürnberger Altstadt, wo man der gedepperten Bedienung zwei Helle plus sechs Rostbratwürste mit Kraut gratis abzocken konnte. Die Franken sind einfach zu blöd! Als die Oberbayern sich im Auto wieder auf denHeimweg gen Rosenheim machten, durfte ich mich selbst bis Mitternacht in Nürnberg Hbf mit Pennern, drogenabhängigen Bettlern, Punks und amerikanischen Touristen rumplagen.

 

9.5.93   Slavia Prag – Ceske Budejovice   2:1

Denn es sollte am nächsten Tag in die Hauptstadt der Tschechischen Republik gehen. Der trip ab Cheb/Grenze bis Prag und retour kostete mich twen-ticket-mäßig nur läppsche 38 DM. In Nürnberg um 0:25 Uhr reingesprungen, kroch ich schon knapp sechs Stunden später in Praha-Hlavni nadrazi (Hbf) aus dem Zug. Am Bahnhof sah ich mich besonders interessiert um, denn immerhin hatte ich mich erstmals in den Ostblock gewagt, sieht man mal von der DDR und zwei Stunden mit Festus in Slubice / Polen ab.

Der erste Eindruck (sollte sich später auch nicht ändern): Alles wirkt irgendwie selbst besser als das, was man so in Ostdeutschland gewöhnt ist. Im Change-Office setzte ich 150 DM auf die Tschechei und gewann stolze 2 400 Kcs! Früh am Morgen lungerte man zunächst am Vaclavske namesti (Wenzelsplatz) herum, der kurioserweise eine Straße ist und keinen Platz darstellt.

Da auch in der Innenstadt noch nichts los war, seilte ich mich mit Hilfe der Metro und meinen Schuhsohlen zum ground von Dukla Prag ab. Das Stadion machte für hiesige Verhältnisse keinen so üblen Eindruck. Das dagegen der Renomierclub Dukla derzeit das Ende der Tabelle ziert, wunderte einen schon etwas. Laut der tollen Sport-BILD sollte heute das Derby Dukla – Sparta stattfinden. Denkste! Ein Soldat in Pförtner-Funktion in der Dukla-Geschäftsstelle teilte mir mit, dass der kick erst morgen angepfiffen würde. Auf meine in Englisch gehaltenen Fragen bekam ich von dem freundlichen Menschen zu hören, dass evt. Slavia Prag noch heute ein Heimspiel hätte und bekam die Wegbeschreibung zu deren Stadion gleich mitgeliefert. Zu der Arena von Sparta Prag wäre einiges an Fußmarsch von Nöten gewesen und so hole ich mir den ground beim nächsten Besuch in Prag. Stattdessen ließ man sich es in der Stare mesto (Altstadt) gut gehen, die sich mittlerweile mit Touristen gefüllt hatte. Hier läßt´s sich billig leben: Im nobelsten Cafe am Platze ein Pils 0,5 l für 3,60 EUR, Boulevardpresse und Auslandsporto für Postkarten 30 Pfennig, U-Bahn-ticket für 25 Pfennig und West-Zigaretten gibt es für 20 DM die Stange.

Liegeplatzkarte Prag -> Frankfurt/Main

Am späten Nachmittag trieb es mich zum Fußball und mit der Metro fuhr ich den halben Weg zum ground von Slavia. Auf dem Stadtplan sah die restliche Strecke gar nicht so weit aus – aber ich hatte Bergsteigerschuhe, Seile, Sicherungswinden sowie den Kompass vergessen! Der Berg, der sich vor mir auftat, war Horror für jeden Freund des blauen Dunstes. Der Höhenunterschied von mindestens 150 m machte mir übelst zu schaffen, doch als bald irgend-welche Flutlichtmasten zu erkennen waren, ging es mir schon wieder besser. Man passierte das Spartakiadni Stadion und begutachtete das Stadion Ratelstvi. Direkt zwischen beiden grounds liegt die Arena von Slavia Prag. Am Eingang ergatterte ich für 6 Kcs ein bunt bedrucktes Programm, für weitere 10 Kcs gab´s einen Slavia-Wimpel. An den Backstein-Kassenbüdchen hingen mit Kreide beschriftete Tafeln aus, an denen irgendwas von Tribuna, 20 und 30 stand. Mit 30 Kcs an einer der Luken gewedelt, bekam ich ein ticket. Endlich erfhr ich auf diesem Wege, dass Dynamo Budweis der heutige Gegner von Slavia sein sollte. Es tat sich nicht viel rund um das Stadion, ehe gegen 17 Uhr die Prager Fan-Horden den Bau stürmten. Man enterte selbst auch das Stadion Evzena Rosickeho, welches ca. 22 000 Freaks ausschließlich Sitzplätze anbietet. Nur geschätzte 7 000 wollte den kick sehen. Etwas wenig, wenn man bedenkt, dass Slavia Prag als Zweiter hinter dem Lokalrivalen Sparta durchaus noch Chancen auf die Meisterschaft hatte.