"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die  Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur  etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]


Estádio Ulrico Mursa, Santos



Unweit des Estádio Urbano Caldeira befindet sich noch ein Stadion, nämlich das von Portuguesa Santista.

Gegen Mittag zog es mich an den Strand. Auf der Fahrt dorthin kamen wir (mein UBER-Fahrer und ich) am gigantischen Hafen von Santos vorbei, wo es nur so von riesigen Silos, Kränen und Güterzügen wimmelte. Der Hafen ist der größte Brasiliens und auch einer der wichtigsten in Lateinamerika. Gegenüber einer Markthalle befindet sich dieses große Wandgemälde, das die Wahrzeichen der Stadt zeigt: Die Linha Turística de Bonde, den Hafen und in der Mitte natürlich Pelé.

am Hafen von Santos: Pça. ALM. Gago Coutinho


Der Strand in Santos gefiel mir natürlich 10x mehr als die Copacabana, was möglicherweise am Wetter (Sonnenschein) und dem Wochentag (Samstag) lag.

Praia do José Menino, Santos




Centro Estadual de Educação Técnica Paula Souza



Murals in der Nähe des Busbahnhofs




Valongo ist ein altes Stadtviertel von Santos, in dem sich neben meinem Hotel auch das Museu Pelé befindet. Es zeichnet sich durch seine vielen alten und teilweise leider baufälligen Wohnhäuser aus.

Centro Histórico de Santos









Estação do Valongo von 1867


Valongo Tram (Bonde)


Gegenüber der alten Bahnstation liegt das Museu Pelé. Hier wird an vielen interessanten Exponaten das Leben und die Karriere des Fußballers Pelé und seine Teilnahme an den Fußballweltmeisterschaften 1958 bis 1970 nachgezeichnet. Der Eintritt ist frei. 

Museu Pelé, Santos




















11.4.2026 * Santos FC - Atletico Mineiro   1:0 * 20 Uhr * Campeonato Brasileiro Série A * Estádio Urbano Caldeira, Santos, Brasilien * Eintritt: 150 EUR (via homfans) * Zuschauer: 12 175


Estádio Urbano Caldeira, Santos


Etwa anderhalb Stunden vor dem Spiel traf ich mich mit Mateus, meinem heutigen Guide. Ich war heute sein einziger Kunde. Mateus ist so Mitte 20 und natürlich auch glühender Fan der Alvinegro. Er lud mich zu einem Drink ein und wir verbrachten die Zeit mit Quatschen in einem der vielen Gaststätten rund um das Stadion. Auch hier, wie schon bei Botafogo, zog der Geruch von gegrilltem Fleisch durch die Straßen und genau das ist es meiner Meinung nach, was Fußball in Brasilien so toll macht.



Wir platzierten uns im Stadion hinter einem der Tore, wo es Sitzstufen gab. Klar, das während der Begegnung alle standen. Das widerum sorgte dafür, daß man das Tor und die beiden Ecken vor einem kaum sehen konnte. Mir schien auch, daß die Beleuchtung in den Stadien Brasiliens etwas "dunkler" ist, als bei uns. Der Preis bei homefans.com für so ein Ligaspiel liegt bei etwa 100 EUR. Dieses hier war mit 150 EUR deutlich teurer, was wohl an dem aktuell prominentestem Spieler des FC Santos liegt: Neymar (34). Ob der alte Mann den Zuschlag wert war, darüber läßt sich streiten. Das Estádio Urbano Caldeira war gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Die hohen Ticketpreise sind Schuld. 








Die Aktionen auf dem Rasen waren eher mittelmäßig. Wenn die Qualität des Vereinsfußball in Brasilien Maßstab für die Nationalmannschaft sein soll, dann braucht man auf einen Weltmeister 2026 Brasilien nicht zu wetten. Die zwei Stunden im Vila Belmiro haben mir richtig gut gefallen, was an der Stimmung und vor allem an dem Ambiente dieses wundervollen alten Stadions lag. Vielleicht trug auch der Geist von Pelé mit dazu bei, der hier mehrere hundertmal in seinem Leben aufgelaufen ist.




5. Tag

Santos -> São Paulo Jabaquara mit dem Bus zu 7,55 EUR, 2x Ü Hotel Jabaquara Imigrantes, São Paulo zu je 55 EUR, 4x UBER zu insgesamt 14 EUR


Abfahrt nach São Paulo


Neuer Tag, neue Stadt: São Paulo! Der Gebirgszug Serra do Mar, der zwischen Santos und São Paulo liegt, wurde natürlich auf der knapp anderthalbstündigen Busfahrt verpennt. Am Busbahnhof Japaquara angekommen, warf ich meine Sachen ins Hotel und machte mich mit der Metro sogleich auf den Weg zum Allianz Parque, dem Heimatstadion von Palmeiras. Anlaß dafür war nicht der neue Ground, sondern der LOST GROUND, der sich dort vorher befunden hatte und von dem ich noch ein paar "Relikte" entdeckte. Leider ließ mich der Sicherheits-Heini nicht auf´s Gelände, sonst hätte ich evt. noch mehr gesehen. Das ganze Viertel war grün-weiß, also in den Farben von Palmeiras. Man stimmte man sich bestimmt schon auf das Derby am Abend ein. 

Allianz Parque, São Paulo



Einen weiteren LOST GROUND, den es allerdings noch gibt, stellt das Estádio do Pacaembu (auch Estádio Municipal Paulo Machado de Carvalho) dar. Hier hatte ich das besondere Glück, daß dort drinnen gerade eine Laufveranstaltung stattfand, an der wohl jeder mitmachen konnte. So konnte auch ich rein und fotografieren. Kurios, daß ich ausgerechnet hier, knapp 10 000 km Luftlinie von dem Ort entfernt, wo er eigentlich hingehört (nach München nämlich), dem Europapokal der Landesmeister begegnete. Das Ding war wohl gerade auf Werbetour. Am 30. Mai 2026 wandert der Pokal wieder an die Säbener Straße.

LOST GROUND Estádio do Pacaembu, São Paulo




Trotz Niederlage eine schöne Erinnerung an meine Reise mit meinem damals 10jährigen Sohn Paul :-)



Avenida Paulista, São Paulo


12.6.2026 * Corinthians Paulista - Palmeiras São Paulo  0:0 * 19 Uhr * Campeonato Brasileiro Série A * Neo Química Arena, São Paulo, Brasilien * Eintritt: 100 EUR (via homefans.com) * Zuschauer: 46 466

Treffpunkt mit dem Guide für dieses Spiel, Tomaz, war um 16 Uhr an der Metrostation Paulista, d.h. im Stadtzentrum. Diesmal waren ein Ire und noch zwei Typen als Kunden dabei. Das Stadion liegt im Osten ziemlich weit außerhalb. Das Setting erinnerte mich irgendwie an die Allianz Arena in München: Die Metro, der Bahnhof mit anschließend langer Brücke, das moderne Stadion usw.

Das Derby Paulista zählt zu den brisantesten in Brasilien. Diesmal waren keine Fans von Palmeiras zugelassen und es war auch strikt verboten, sowohl in Farben der Gäste als auch in Farben irgendeines anderen Fußball- oder Sportvereins zum Spiel zu kommen. So strömten über 45 000 nur in weiß-schwarz gekleidete Menschen aus der Metrostation und zogen durch die Fressmeilen in Richtung Stadion. Eine Ausnahme stach optisch deutlich heraus: Ich erspähte ein T-Shirt in königsblau-weiß. Typisch, ein Fan welches Vereins wohl sonst muss aus der Reihe tanzen? dachte ich mir.


Übersetzung von Google: "Lutschschwein" und "Willkommen im Hospiz"


γεια μας!






Einer fiel farblich aus dem Rahmen!



Neo Química Arena, São Paulo


Was erwartet uns oben? Ming-Vasen oder van Gogh?


Der Ground ist ein Stadionneubau, den man hinter den Toren offen gelassen hat. Direkt beim Reingehen hat man eher das Gefühl, daß oben eine zeitgenössische Gemäldeausstellung auf einen wartet. Der Gesichts-Scan am Drehkreuz funktionierte, aber beim Betreten des Blocks hätte man einen QR-Code vorzeigen müssen. Das Handy von Guide Tomaz lud aber nix und so wollte man uns nicht rein lassen. Haben wir einen anderen Eingang genommen, war eh wieder freie Platzwahl.








Zum Intro gab es gleich ein heftiges, offiziell außerhalb des Stadions gezündetes Feuerwerk und eine Nebelshow. Besonders beeindruckend fand ich das Fahnen-Spektakel der Corinthians. Nicht weniger als acht verschiedene Blockfahnen wurden während der ersten 25 Minuten hochgezogen. Wahnsinn! In der zweiten Hälfte dann nochmal das selbe. Die Stimmung war natürlich mega, ausverkauft war der Ground aber nicht ganz. Sei´s drum. 



Auf dem Rasen gab es einen derbywürdiges Match. Die schlecht gestarteten Corinthians standen mächtig unter Druck, um den Favoriten Palmeiras in der Tabelle nicht enteilen zu lassen. Trotz zweier roter Karten erkämpften sich die Weiß-Schwarzen ein Unentschieden, was sich an diesem Abend wie ein Sieg anfühlen musste. Ob der Schalker davon was mitbekommen hat, kann ich nicht sagen.











Metro Jaquabara: Kostenlose Kondome für alle!


Eigentlich wollte ich am Abend duschen... aber dann hab ich mich fürs Weiterleben entschieden.



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