"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]

zum Fußball 2019 (1)

 

 

 


10.3.19 * ESG Frankonia Karlsruhe - VfB Grötzingen 2   3:3  * 15:00 Uhr * Kreisklasse C * Frankonia Sportplatz, Karlsruhe * Zuschauer: 8 * Eintritt: nix * An- und Abreise mit der Bahn zu 52,30 EUR *

 


Die Tour nach Karlsruhe sollte ganz unter dem Motto „Lost Grounds“ stehen. Klappte nicht so ganz. Denn schon beim ersten Tagesordnungspunkt gab es Probleme. Kurz vor 11 Uhr kreuzte ich am August-Klingler-Stadion auf, wollte hier SG DJK / FV Daxlanden 3 – TSV Mörsch 2 (Kreisklasse C) gucken. Anwesend waren nur zwei Omas, allerdings in der Stadiongaststätte beim Zwiebelschneiden oder so. Diese bestätigten, was mir schon längst schwante. Spiel abgesagt! KA CK, die Erste!

Der 1958 eröffnete und nach dem Nationalspieler August Klingler benannte Ground wird im Sommer geschlossen und ab 2020/21 einer Wohnbebauung weichen. Denn durch die Fusion von FV und DJK und dem damit verbundenen Umzug des FV in die DJK-Anlagen im Gebiet Fritschlach werden die Anlagen des FV Daxlanden frei. Das unter Denkmalschutz stehende Vereinsheim und die Stadionwälle samt Baumbestand bleiben jedoch erhalten. Fußball wurde hier schon lange vor 1958 gespielt. An gleicher Stelle befand sich das sogenannte „Kleinstadion“ an der Pfalzstraße, eröffnet 1927. August Klingler war übrigens ein talentierter Stürmer, der in den letzten fünf Spielen des Deutschen Reiches zwischen August und November 1942 eingesetzt wurde und dabei sieben Tore erzielte. Zwei Jahre später fiel er an der Ostfront.



TOP 2: LOST GROUND Engländerplatz aufsuchen! Ziemlich im Karlsruher Stadtzentrum liegt an der Moltkestraße der sogenannte Engländerplatz. Fußballhistorisch ein Gelände ersten Ranges! Zuerst wurde hier exerziert, dann Rugby gespielt und dann kam der Fußball. Der Platz ist der Geburtsort des Karlsruher Fußballs, auf dem alle Karlsruher Fußballvereine in den Anfangsjahren des Fußballs spielten. 1889 gründete Walther Bensemann (der 1920 auch die Zeitschrift „Kicker“ ins Leben rief) den International Footballclub, bei dem auch einige Engländer kickten. Aus dem Verein wurde später der Karlsruher FV, der Deutsche Meister von 1910. Auf dem Engländerplatz fand am 28. November 1899 gegen England eines der sieben so genannten Ur-Länderspiele vor der Gründung des Deutschen Fußballbundes statt.

TOP 3: LOST GROUND Stadion Honsellstraße aufsuchen! Wo heute am Lameyplatz die Feuerwache steht, wurde 1908 das Stadion des drei Jahre zuvor gegründeten FC Mühlburg (später VfB Mühlburg) eröffnet. Im Krieg 1942 durch britische Bomber völlig zerstört, wurde der auch Mühlburger Stadion genannte Ground bis 1947 wieder aufgebaut und verfügte dann über 30 000 Stehplätze.  Für Zuschauerrekorde sorgten Spiele gegen Bayern München und Waldhof Mannheim (je 25 000). In der Saison 1952/53 fusionierte der VfB Mühlburg mit dem FC Phönix zum Karlsruher SC, woaraufhin der alte Phönix-Platz zum Wildparkstadion umgebaut wurde. Bis dieses fertig war, spielte der KSC seine Heimspiele an der Honsellstraße. Das letzte Freundschafts-(Spiel) dort fand am 25. Juni 1955 gegen Inter Mailand statt. 1959 wurde das Stadion abgerissen. Die Tribüne wurde jedoch nicht zerstört, sondern fand im Albgaustadion im benachbarten Ettlingen ihre neue Heimat. 2008 wurde die Tribüne dort wegen Sicherheitsmängeln gesperrt und erst 2018 abgerissen.



TOP 4: LOST GROUND KFV-Platz an der Telegraphenkaserne aufsuchen! Nur eine Viertelstunde Fußmarsch von der Honsellstraße befand sich bis 2006 das Stadion des Karlsruher FV. Heute in den Niederungen des Amateurfußballs kickend, gehörte der KFV bis zum ersten Weltkrieg zu den führenden Vereinen. Neben der schon erwähnten Deutschen Meisterschaft von 1910 gab es für den KFV 1905 (Finale in Köln im Weidenpescher Park !) und 1912 jeweils die Vizemeisterschaft. Der Ground wurde 1905 eröffnet und erlebte am 4.4.1909 den ersten Sieg einer Deutschen Nationalmannschaft überhaupt (gegen die Schweiz). Im 2. Weltkrieg zerstört, wurde der Platz vom KFV in Eigenregie zu einem 40 000 Zuschauer fassenden Stadion ausgebaut. Zuschauerrekord: 35 000 beim Viertelfinal-Wiederholungsspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen Offenbach und Worms. Auch wenn auf einem Teil des ehemaligen Stadiongeländes jetzt ein Altenheim steht, so sind noch deutlich die von der Straße zum Spielfeld abfallenden Ränge, die Spielfläche und sogar Werbeaufschriften auf der Stadionmauer vor der Telegrafenkaserne zu erkennen.



TOP 5: Arbeitersportverein Durlach – SV Langensteinbach (Landesliga) im Turmbergstadion gucken! Nachdem ich schon im letzten Jahr mit meinem kleinen Sohn am leeren Stadion des ASV herumgelaufen bin, wollte ich hier nun mal ein Spiel sehen. Denn auch dieser Ground wird in den nächsten ein, zwei Jahren für Wohnungen Platz machen müssen. Der Rekordbesuch von 12 000 Zuschauern datiert vom Eröffnungsspiel am 17.5.1948 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Fritz Walter schoss vier der fünf Lauterer Tore.

Aber watt iss? Gegen 14:40 Uhr verließen einige Spieler mit ihren Sporttaschen die Kabinen. Ich erfahre, daß das match wegen des herannahenden Sturmtiefs „Eberhard“ abgesagt worden ist. KA CK, die Zweite!



Gerade als ich stinkesauer in der Straba 1 die Durlacher Allee entlang rauschte, verriet mir Fußball.de, daß nicht in ganz Karlsruhe der Ball ruhte. Drei Minuten (!) später stand ich erleichtert und entspannt am Sportplatz der ESG Frankonia. Die Karlsruher hatten die Zwote des VfB Grötzingen zu Gast! Mit mir sahen sieben Leute und ein Hund zu. Die Sturmböen waren ziemlich heftig, schienen das Spielgeschehen aber nicht zu beeinflussen. Grötzingen ging schnell 2:0 in Führung, verdaddelte diese aber, um kurz nach dem Rückstand noch auszugleichen.



Ach ja, LOST GROUND: Auch an der Durlacher Allee soll nicht mehr lange gespielt werden. Die ESG Frankonia (der Verein ist aus der im Jahre 1927 gegründeten Reichsbahn-Sportgemeinschaft Karlsruhe und aus dem 1959 erfolgten Zusammenschluss mit dem im Jahre 1895 gegründeten Karlsruher Fußballclub Frankonia hervorgegangen. Gründungsjahr: 1895.) soll bis 2023 auf dem Kleingartengebiet an der Stuttgarter Straße (am Rangierbahnhof) eine neue Bleibe finden und die vergammelten Bahngebäude aus den 1950er Jahren zurücklassen.




Und weil ich dann noch Zeit hatte, ein kurzer Abstecher zum Wildparkstadion. Hier hatten die Abrissarbeiten an der Nordkurve schon begonnen. Da der Stadionwall aus Bauschutt besteht, ist hier mit Schadstoffen zu rechnen, aber – wie fast überall - auch mit Kampfmitteln. Ob der jetzige Wildpark demnächst als LOST GROUND bezeichnet werden kann, hängt (meiner Meinung nach) davon ab, ob die Spielfläche während der Bauarbeiten für die neue Arena erhalten bleibt – oder eben nicht.



Sturmtief Eberhard wütete vor allem in NRW, weswegen ich auf der Heimreise mit massiv gestörtem Schienenverkehr konfrontiert wurde. Das übliche DB-Chaos, vor allem in Frankfurt/M-Flughafen: Hunderte standen am Info-Stand Schlange, verlässliche Infos gab es keine. Und doch kam ich nur ne halbe Stunde später als geplant zu Hause an. Denn die Bahn hatte mir ne Freifahrt im Taxi von Köln nach Hause spendiert. Geht doch!



 

23.2.19 * VfL Osnabrück - Hallescher FC   2:0 * 14:00 Uhr * 3. Liga * Stadion an der Bremer Brücke, Osnabrück * Zuschauer: 10 134 * Eintritt: 2x 25 EUR * An- und Abreise mit der Bahn zu 24,30 EUR *

Das Sohn Paul nun in Osnabrück studiert, nahm man als Anlaß, nicht nur ihn, sondern nach 26 Jahren auch mal wieder ein Heimspiel des VfL Osnabrück zu besuchen. Der damalige Gegner hieß Blau-Weiß 90 Berlin und meldete 1992 Konkurs an. Die Stimmung in dem tollen Stadion, das wir so schön "Old Skool" per Fußmarsch vom Bahnhof durch Wohngegenden erreichten, war durchgehend super und das Spiel wirklich packend. An der Bremer Brücke gibt es garantiert die hübschesten Bierverkäuferinnen auf den Rängen :-)!

 


 



Protest gegen unangekündigtes Testspiel der Hallenser.


2.2.19 * Bayer Leverkusen - Bayern München   3:1 * 15:30 Uhr * Bundesliga * BayArena, Leverkusen * Zuschauer: 30 210 (ausverkauft) * Eintritt: 32,50 EUR * An- und Abreise mit der Wupsi *

Besuch mit Martin in der BayArena. Wohl endgültig die Meisterschaft verdaddelt?!