"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]

zum Fußball 2017 (2)



5.5.17 * Bayern München - SV Darmstadt 98  1:0 * 15:30 Uhr * Bundesliga * Allianz-Arena, München * Zuschauer: 75 000 * Eintritt: 35 EUR x 2 * An- und Abreise: mit der Bahn zu 90,65 EUR * ÜF im ibis budget Hotel Muenchen City Süd zu 55,60 *





Premiere! Erster Besuch eines Bayern-Spiels (in der Halle zählt nicht) mit Sohnemann Martin (5). Nach Ankunft in München unternahmen wir zunächst einen Abstecher nach Trudering, wo an der Unglücksstelle des ManU-Flugzeuges 1958 inzwischen ein Gedenkstein aufgestellt und die Straßengabelung in Manchesterplatz getauft wurde. Der Kleine wollte genau wissen, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. "...da lag viel Schneematsch auf der Startbahn und der hat das Flugzeug (unerwarteterweise) abgebremst. Am Ende der Startbahn war es zu langsam, um abheben und zu schnell, um noch abbremsen zu können....". So erzählte ich es ihm und so muß es wohl gewesen sein.

Maibaum in Trudering.
Absteiger feiern.

Dann fuhren wir nach Fröttmaning raus, um die Arena des berühmten FC Bayern München zu entern. Weil ich dem Kleinen kein Stehen in der Südkurve zumuten konnte, gab ich meine zwei Südkurvensteher ab und kam über Umwege zu 2x Nordkurve Oberrang Kat. 4. Kaum hatte Martin den Verlust seines Apfelsaftes an der Taschenkontrolle überwunden, gab es für Papa einen Schock: Beim Scannen der Tickets zeigte das Display plötzlich "Zweitmarkt" an und das Drehkreuz bewegte sich keinen Millimeter. Wir wurden gebeten, uns mit unseren Karten beim Servicecontainer zu melden, der nur ein paar Meter weiter stand. Was ich schon ahnte, wurde dann zur Gewißheit: Unsere Karten waren inzwischen vom ursprünglichen Käufer über den offiziellen Ticket-Zweitmarkt des FCB wieder verkauft worden und somit für uns ungültig. Ach Du Scheiße, wie war das nur möglich?

Der nette Mann am Schalter fragte mich, ob er uns die Ungültigkeit der Karten bestätigen solle und händigte mir ein entsprechendes Schreiben aus. Hätte ja auch durchaus sein können, daß ihm scheißegal ist ob man reinkommt oder nicht, weil man die Karten nicht über einen offiziellen Verkaufskanal erstanden hat. Das war bei mir so, wenn auch nicht über ebay o.ä.  Nun sah ich uns schon zurück zur U-Bahn laufen, um die dort herumschwirrenden Schwarzmarkt-händler wegen Tickets anzuhauen. Dann hätten wir es garantiert nicht mehr bis zum Anpfiff pünktlich ins Stadion geschafft. Horrorszenario! Stattdessen aber bekam ich auf Nachfrage und nach einigen Telefonaten des Schaltermanns doch glatt noch zwei Sitzplätze Kat. 1 (einer gar zu 50% errmäßigt) aus- geschrieben. Der FC Bayern ist ja schon ein geiler Verein!




Kommerz-Choreographie...

Das Spiel war ein richtiges Kackspiel, an dessen Ende die Bayern gewonnen (das mit der Meisterschaft war schon vorher klar) hatte und Darmstadt einen Elfer verschossen und abgestiegen war.

In der Südkurve waren für Fußballverhältnisse recht politische Transparente zu lesen. Ich werde wohl nie verstehen, wie man einerseits Polizisten als Schlägertrupps in Grün bezeichnen kann und sich dann noch um die Bürgerrechte im Lande sorgt. Ich denke, es ist ein Bürgerrecht, daß motivierte Polizisten spinnerten Gewalttätern in und um Fußballstadien kräftig auf die Mütze hauen. Fanblöcke in rechtsfreie Räume zu verwandeln ist eine "Freiheit", über die ich nur den Kopf schütteln kann. Das muß echt weh tun!

...und sinnfreie "politische" Spruchbänder.




"Wir sind Meister!" In seinen fünf Lebensjahren war es nie anders!


Sonntags Besuch im Deutschen Museum und, dank der netten Fräuleins von der DB-Kinderbetreuung, entspannte Heimfahrt.

Ach ja, das mit den ungültigen Eintrittskarten war ein "Irrtum" des Verkäufers. Er hat zweifelsfrei dargelegt, daß er mich nicht übers Ohr hauen wollte und hat mir die teureren Kat. 1 bezahlt. Alles gut! Nur der FCB!


30.4.17 * TV Herkenrath - FC Wegberg-Beeck   0:2 * 15:30 Uhr * Verbandsliga Mittelrhein * Stadion Braunsberg, Bergisch Gladbach * Zuschauer: 250 * Eintritt: 7 EUR * An- und Abreise: im Auto meiner Frau zu was für 12 km Diesel halt kostet



Mit Verspätung Spiel Nr. 900. Dazu ging es ins 6 km entfernte Herkenrath, einem dörflichen Stadtteil meiner Heimatgroßstadt Bergisch Gladbach. Und das erstmals im Auto meiner Frau mit ihr am Steuer und den kleinen Nachwüchsen im Gepäck. Also eher ein Familienausflug denn ein Hopping-Abenteuer. Es trafen der 2. und 3. der Verbandsliga Mittelrhein aufeinander. Von diesem Spitzenspiel und auch von dem ganzen Drum und Drann am Braunsberg hätte ich mir mehr versprochen. Revisit zu 99% ausgeschlossen.






Blick auf die Bucht von Kotor


An-und Abreise mit 3 Personen: Bergisch Gladbach <-> Berlin-Schönefeld mit der Bahn zu 99,50 EUR * SXF <-> Podgorica TGD mit Ryanair zu 328,38 EUR * 1x Ü in Pension Schwalbenweg, Berlin zu 57 EUR * 7x Ü in Apartment Center Kotor zu 315 EUR *

Manche Länder sind widerspenstig und lassen einen nicht so einfach einen Länderpunkt machen. Montenegro gehört nicht dazu. Es ist auf meine eigene Unaufmerksamkeit zurückzuführen, daß ich hier einen zweiten Anlauf brauchte: 2016 den Zug verwechselt und so den Flug verpaßt.


Ostrvo Sveti Đorđe

Mit meinen zwei Großen im Schlepptau ging es für eine Woche in den Osterferien nach Kotor, einem einmalig schönen Örtchen, daß sich tief in einer fjord-ähnlichen Bucht versteckt und leider doch von den großen Kreuzfahrtschiffen gefunden wird.


15.4.17 * Lovcen Cetinje - Iskra Danilovgrad   0:0 * 16 Uhr * 1. Liga * Stadion Obilića Poljana, Cetinje * Zuschauer 400 * Eintritt nix, sonst 1 EUR * An- und Abreise ab Kotor: Hin mit dem Bus zu 5 EUR, Rück als Mitfahrer von Sebastian für umsonst *

Paul und Pia hatten erwartungsgemäß keine Lust, mich zum Hoppen nach Cetinje zu begleiten. Aufgrund eines merkwürdigen Mittaglochs in den Busverbin-dungen blieb mir nach dem Ausschlafen nur noch der Bus, der knapp ne Viertelstunde nach Spielbeginn in Cetinje ankommen sollte. (Übrigens fahren in Wirk- lichkeit noch viel weniger Busse, als es einem das Internet verspricht.) Ein Taxifahrer wollte für die Strecke Kotor -> Cetinje 40 EUR haben, das aber lag deutlich über meiner Schmerzgrenze. Überhaupt ne komische Sache, daß Montenegro und der Kosovo als offizielle Währung den EUR führen, obwohl sie (noch) nichts mit der EU zu tun haben und die EU dies auch nicht so richtig toll findet. Politik!

Beim Warten auf den 14:49 Uhr-Bus ging ich in der/die/das Kafana FK Bokelj, offensichtlich eine Art Vereinskneipe des örtlichen Erstligisten. Viele alte, teils historische Mannschaftsfotos an der Wand zeugten - neben einem KSC-Wimpel - von der langen Tradition des Clubs. Ließ mir die Nationalspeise Cevapi schmecken.

Kafana FK Bokelj



Stadion Pod Vrmcem, Kotor


Der Minibus füllte sich beim Zwischenstopp in Budva völlig und so ging es vollgeladen mit herrlicher Aussicht die steile Küstenstraße in Richtung Cetinje hoch. Die kleine Stadt, bis 1918 Hauptstadt von Montenegro und auch heute noch Sitz des Präsidenten, liegt auf 670 m über NN und somit 3 m höher als - man staune - Madrid, meinem bisherigen Spitzenreiter in Europa. Wegen reger Bautätigkeit an den Straßen durchs Gebirge gab es die ein oder andere längere Rotphase zu überstehen und so hatte ich bei der Ankunft Verspätung.

Garagendach dient als Tribüne


Von Weitem schon konnte ich Leute auf den Mauern des Stadions sehen, die das Spiel verfolgten. Knapp eine halbe Stunde nach dem Anpfiff war ich endlich am Ground. Dort lief mir Sebastian über den Weg, der mit Freundin Urlaub auf dem Balkan machte und sich rein zufällig ein paar Tage parallel mit uns in Kotor aufhielt. Am Abend zuvor hatten wir uns für dieses Spiel verabredet.

Am Eingangstor lagen hunderte Papierschnipsel herum, die nach abgerissenen Eintrittskarten aussahen. Uns wollte man aber keine mehr geben, weswegen wir zwar umsonst reinkamen, aber uns unsere Tickets für die Sammlung vom Boden klauben mußten.

Stadion Obilića Poljana, Cetinje


Der Ground Obilića Poljana ist so ungewöhnlich wie einmalig: Die Tribüne besteht aus großen Betonstufen, auf die blaue Plastiksitzschalen montiert sind. Tritt man (versehentlich) auf eine, so zerspringt diese in tausend Teile, weswegen es schon deutliche Lücken in der Bestuhlung gibt. Oberhalb der Betonstufen zeugt nur noch das Gerippe eines Unterbaus davon, daß die Tribüne ursprünglich mal größer (und evt. aus Holz ?) gewesen sein muß. Auch von hier hatte man eine prima Sicht auf das Spielfeld. Hinter einem der Tore steht vor einem Wäldchen eine Art Denkmal unbekannten Anlaßes. Tippe auf den 1. Weltkrieg.

Ein grüner, teilweise schon deformierter Zaun soll wohl die einheimischen Fans im Zaum ...ähm Zaun halten. Die Gäste standen uns in einem niedlichen Quadrat zusammengefercht gegenüber. Der Anblick dieser Ultras passte so gar nicht in die sie umgebende Berglandschaft. Voll beflaggt wurde hier lautstark supportet.



Für die Unterstützung des FK Lovcen (so heißt nicht nur der Club, sondern auch ein Berg und ein Nationalpark) hatten sich weder Ultras noch andere Leute in Fanklamotten eingefunden. Auch konnte kein Vereinsschal gesichtet werden. Wie Wochen zuvor in Bosnien erlebt, gab es im Ground nichts ess- oder trinkbares zu kaufen. Dafür gab´s wenigstens auch keine Klos. Wozu auch?!



Ein kleiner Hund bespaßte zwischendurch das Publikum, in dem er dem Linienrichter zeitweise hinterher hoppelte. Leider hat man das Tierchen eingefangen und ausgesperrt. Die Stimmung war prima, das Spiel für mich OK. Lovcen, obwohl in der Tabelle hinter Iskra positioniert, machte mehr Druck und hatte mit einem Lattenknaller auch die einzige 100%ige Torgelegenheit zwischen der 30. und 90. Minute. Es blieb beim 0:0, was die Gäste aus Danilovgrad zum Anlaß nahmen, mit ihren Fans abzufeiern. Für Lovcen war das Remis wohl weniger attraktiv, von Freude keine Spur.



Nach einer kurzen Besichtigung der Fußgängerzone Cetinjes mit seinen alten, ehemaligen Botschaftsgebäuden konnte die knapp zweistündige Rückfahrt nach Kotor beginnen. Das erlebte Spektakel war eines Länderpunktes durchaus würdig!

Ehemalige Französische Botschaft, Cetinje
Blick auf´s Mittelmeer Nähe Budva



16.4.17 * FK KOM Podgorica - FK Cetinje   x:x * nicht um 18 Uhr * 2. Liga * Stadion Zlatica (weder im alten noch im neuen) * Eintritt: hatte sich erübrigt * An- und Abreise von Kotor: Hin im Bus zu 7,50 EUR und 2 EUR für n Taxi, Rück im Taxi zu 40 EUR (für 93 km) *

In der festen Absicht, am Abend um 18 Uhr Spiel Nr. 900 zu sehen, startete ich 13.55 Uhr mit dem Bus in Kotor. Strecke wie am Vortag über Budva und Cetinje. Nur diesmal gab´s statt Aussicht nebelbedingte Sichtweiten von teilweise unter 5 m. Da fiel es leichter, die hunderte Meter tiefen Schluchten am Straßenrand zu ertragen.

Blick auf´s Mittelmeer Nähe Budva
Platte in Podgorica


Keine Werbung für "The Walking Dead", sondern ein Anti-NATO-Plakat
Fluß Morača
König Nikola I.


Podgorica präsentierte sich an diesem Ostersonntag ziemlich trist und leer. Ich lief durch Plattenbausiedlungen und grüne Parkanlagen, um dann das Stadion pod Goricom zu spotten.

Stadion pod Goricom, Podgorica


Als ich dort ankam, öffnete der Himmel alle Schleusen und es blitzte und donnerte fast unaufhörlich. Ich flüchtete in ein Café im Stadion und hoffte auf ein Nachlassen des Regens. Vergeblich. Um 18.10 Uhr kapitulierte ich und lief mit einem kurz zuvor erstandenen 4,97 EUR-Schirm in den Regen, wo ich ein Taxi aufstöberte, das mich zum Stadion Zlatica bringen sollte.

Im Stadtteil Zlatica angekommen, deutete der Fahrer auf die rechte Seite der Straße: "...hier ist der neue Platz von KOM...". Da spielte aber niemand! "...und hier...", etwa 200 m weiter, "...ist das alte Stadion!". Mir schwante übles. Trotzdem stieg ich aus, der Regen war mir jetzt egal geworden.

Das alte Stadion sah danach aus, als ob hier mindestens seit einem halben Jahr nicht mehr gespielt wurde: Keine Tornetze, grasüberwucherte Steinstufen und eine exponiert positionierte, baufällig aussehende Minitribüne. Ich schloß diesen LOST GROUND direkt in mein Herz!

Stadion Zlatica (alt)


Sachbeschädigung von Budućnost-Fans


Rüber zum neuen Stadion, vielleicht würde ja auf einem Nebenplatz gekickt?! Als ich dort einlief, stapfte einsam der Platzwart über den Rasen und meinte, das Spiel wäre schon zu Ende, 2:0 hätte KOM gewonnen. Wenn ich es von seinen Fingern richtig abgelesen habe, war der Anpfiff für die Partie schon um 14 Uhr gewesen! Dreck....!

Stadion Zlatica (neu)


Ob ich diese Hopperpleite hätte verhindern können, wenn ich etwas mehr recheriert hätte... wer weiß?! Allein die späte Anstoßzeit hätte mich in Verbindung mit den in Montenegro eher spärlich verbreiteten Flutlichtanlagen stutzig machen können. So fuhr ich sickenass und voller Frust die 93 km in einem vorbestellten Taxi nach Kotor zurück. Die unterwegs eintreffende SMS von Sebastian, er gucke gerade in Albanien ein Erstligaspiel, konnte mich nicht wirklich aufheitern.

Ein Ground = Länderpunkt mit nur 60 gesehenen Spielminuten geht zwar konform mit meinen eigenen Regularien und so muß ich mir diesen aufgrund des nicht gesehenen zweiten Spiels nicht aberkennen. Aber eine Rückkehr ins schöne Montenegro sollte mal drin sein!

Impressionen aus und um Kotor, Montenegro





Tasse "Deutsch", zu haben am Flughafen Podgorica