"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]


13.3.10 * FC Fiorentino - Pennarossa Calcio   0:4 * 15 Uhr * Campionato Dilettanti * Stadio Olimpico, Serravalle (San Marino) * kein Eintritt * Zuschauer: 17 - 23 Leute * Anreise für 2 Personen: Flüge Köln <-> Bologna mit Germanwings zu 139,98 EUR * Zugfahrten Bologna <-> Rimini 31,20 EUR * Busfahrten Rimini <-> San Marino 14,80 EUR * Übernachtungen DZ mF: Villa Lalla in Rimini zu 54 EUR (sehr empfehlenswert), Hostel San Marino in Borgo Maggiore zu 45 EUR (sauber, aber Null Service) und Hotel Donatello in Bologna zu 64 EUR (zu teuer, kein Charme, schmales Büffet) *


Umkleidekabinen am Strand von Rimini.

Meine Frau Elena und ich stiegen in Serravalle aus dem Bus, um auf dem Campo di Calcio B das auf soccerway.de angekündigte Spiel der San Marino-Liga SP La Fiorta Montegiardino - AC Juvenes/Dogana anzusehen. Nachdem wir den Platz gefunden hatten, schauten wir uns auch das nebenan liegende National-stadion an, um die restliche Zeit bis zum Anpfiff im gespenstisch leeren Shopping-Center "Azurro" zu verbringen. Als Elena und ich dann wieder zurück zum Campo gingen, traf mich der Schlag: Offensichtlich kein Spiel, denn etwa 10 min vor Anpfiff war keine Sau auf dem Platz und die Tornetze noch hochge-zogen. Drei Tage nach Dudenhofen wieder ein Spielausfall? Wollte doch heute unbedingt Länderpunkt Nr. 39 einfahren!!!



Ich frustriert, Elena wohl innerlich grinsend, wollten wir wieder den Berg zur Busstation hochklettern, als Elena bemerkte, daß sich im Stadio Olimpico was regte. Hoffnung...!!! Wir durch das einzig offene Tor rein, rauf auf die Haupttribüne und tatsächlich ertönte gerade der Anpfiff zu irgendeinem Spiel. Ich fragte drei Einheimische, welche Partie das denn hier sei und einer tippte mit dem Finger auf die Stelle meines Zettels, wo Fiorentino - Pennarossa stand. Ein Mann mit  Fiorentino-Mütze meinte noch, die Plätze wären getauscht worden...

Geil, war nicht nur der Länderpunkt für heute schon gesichert, sondern es gab sogar einen Kick im "großen Stadion"! Die Begegnung war auf niedrigem Niveau, aber unterhaltsam. Pennarossa bekam u.a. zwei Elfer zugesprochen und gewann verdient. Die Zuschauerzahl stieg im Laufe des Kicks von zu Beginn 15 auf zum Abpfiff 23. Wahrscheinlich mein persönlicher Rekord für das am schlechtesten besuchte Spiel im Ausland überhaupt! Aber ich war total zufrieden und Elena hatte ihre Ruhe :-) !!!



Nuttentransfer?


Wir übernachteten in Borgo Maggiore, unweit der Stadt San Marino, in der sich Burg und Altstadt befinden. Das Kaff liegt glatt 600 m höher als Serravalle und so durften wir uns nicht wundern, daß die Gegend hier total eingeschneit war - in Serravalle war nicht die Spur einer Schneeflocke zu erahnen gewe- sen. Als wir in Bogo Maggiore aus dem Bus gestiegen waren, brauchten wir für die ca. 500 m zum Hostel mindestens eine dreiviertel Stunde, weil wir durch hüfthohen Schnee krabbeln mußten. So krasse Schneeverhältnisse hatte ich noch nie gehabt.



Regierungspalast.

Schneekuchen zum 40. Geburtstag (nicht Länderpunkt)!

Monte Titano mit Burg.



14.3.10 * Rimini Calcio - Ternana Calcio   1:1 * 14:30 Uhr * Lega Pro (Serie C) 1. Divisione, Girone B * Stadio Romeo Neri, Rimini * Eintritt: 20 EUR für Tribüne * Zuschauer: ca. 1 500

Da nun das Stadio Olimpico schon unerhoffterweise am Samstag gemacht wurde, wollte ich mir nicht, wie ursprünglich geplant, am Sonntag noch ein Spiel im gleichen ground (SM Calcio - Bellaria) ansehen. So fuhren wir nach der Besichtigung von San Marino Stadt zurück nach Rimini zum Stadio Romeo Neri, das ich  bereits am Samstag in der Früh inspiziert hatte. Elena wartete mit den Rucksäcken in einem benachbarten Café, weil es am Bahnhof keine Gepäckauf-bewahrung gab. Beim Kauf des Tickets mußte ich meinen Personalausweis zeigen und so wurde mein Ticket auf meinen Namen registriert.



Bezeichnenderweise stand auf den Kassenhäuschen mit großen Lettern "Grande Fratello", was soviel wie Big Brother heißen soll. Bevor ich in die erste Sicherheitszone vor dem Stadion gelangte, mußte ich sowohl Karte als auch Ausweis zeigen. Mich stört sowas eigentlich nicht großartig, wenn es denn dem Frieden im und um das Stadion dient?!


Anhang aus Terni.

Aus Terni waren etwa 200 Fans angereist, aber die auf drei Blöcke verteilten Fans von Rimini waren deutlich lauter. Rimini spielte in der ersten Hälfte er- frischenden offensiven Fußball und führte zur Pause verdient 1:0. Als die Spieler in die Kabinen gingen, wurden sie von den Fans frenetisch gefeiert. Offen- bar hat man Rimini daheim lange nicht mehr so gut gesehen. Ich genoß das Spiel an meinem 40. Geburtstag, auch wenn mich ein neben mir sitzender Opa mit seiner sonoren Stimme "Forza Rimini..." schreiend doch etwas nervte. In der zweiten Hälfte waren die Gäste aus Terni aber überlegen und so gab es ein leistungsgerechtes 1:1. 

Fazit: Zwei Spiele, ein Länderpunkt! Pflicht erfüllt! Ciao!




Bologna




Bologna





25.4.10 * FK Lyn Oslo – Fredrikstad FK   1:2 * 16 Uhr * 1. Divisjon * Bislett Stadion, Oslo * Eintritt: 150 NOK (19,03 EUR) auf allen Plätzen * Zu- schauer: 2 523 * Anreise: Flug Weeze -> Moss Rygge und retour für 22 EUR mit Ryanair * Transfer Rygge -> Oslo und retour 240 NOK (30,44 EUR) * Übernachtung in Jugendherberge Haraldsheim, Oslo mit Frühstück und Bettwäsche im 4 Bett-Zimmer zu 270 NOK (34,25 EUR) *

Die Aschewolke des Eyjafjalla kriegte gerade noch die Kurve, um mir nicht noch meinen Kurztrip ins Hochpreisland Norwegen zu versauen . Wäre auch wirk- lich schade gewesen, denn es passte alles haargenau: Anreise Sonntagmittag, am Nachmittag und am Abend je ein Spiel und am nächsten Tag schnell wieder nach Hause. Und so kam es dann auch… 









Oslo empfing mich mit einer dicken Wolkendecke und kalten, leergefegten Straßen. Genau richtig, um meine überstanden geglaubte Winterdepression wieder aufleben zu lassen. Mit der Tram ab Jernbanetorget war das Bislett-Stadion schnell erreicht. Laut wiki ist es das bekannteste Stadion ganz Norwegens und über 60 Weltrekorde in der Leichtathletik wurden hier aufgestellt. Mir sagte der Name natürlich nix. Der Ground liegt mitten in einem Wohngebiet und wirkte zwar wie aus dem Ei gepellt, aber etwas seelenlos. Möglicherweise sah der alte Bau, 2004 abgerissen, etwas charaktervoller aus. Tickets wurden nicht an Kassenhäuschen, sondern von vor dem Stadion stehenden Tischen verkauft. Die Eingangskontrolle verlief penibel. Als ich begann, die Arena abzulichten, tippte mir ein ziviler Ordner auf die Schulter und meinte, es sei verboten hier zu fotografieren. Ha ha, toller Spruch!



Aus Fredrikstad war eine lautstarke Truppe mitgereist, die ihr Team fast pausenlos anfeuerten. Die Osloer, Osloniten, Oslokaner oder Ossler (?) waren etwas ruhiger, hatten aber auch kaum Grund für überschwängliche Gefühlsausbrüche. Lyn, was soviel wie „Blitz“ heißt, machten ihrem Namen keine Ehre und rutschten nach der neuerlichen Niederlage auf den letzten Platz der 2. Liga ab. Ich musste das Bislett beim Stand von 0:1 einige Minuten früher verlassen, um rechtzeitig zum Ullevaal zu gelangen. Das bezahlte ich bitter, denn in der 90. Minute fielen noch zwei Tore…




25.4.10 * Valerenga Oslo – Odd Grenland Skien   6:1 * 18 Uhr * Eliteserien * Ullevaal Stadion, Oslo * Eintritt: 200 NOK (25,37 EUR) für Sitzplatz Fanblock Kurve * Zuschauer: 12 227 *

Dank der wirklich hervorragenden öffentlichen Verkehrsverbindungen in Norwegens Hauptstadt brachte ich das Kunststück fertig, innerhalb von 22 Minuten das Bislett Stadion zu verlassen, mit Tram und T-Bane zum Ullevaal zu fahren, dort eine Eintrittskarte zu ergattern, um pünktlich zum Anpfiff in den Ground einlaufen zu können.



Zwei Spiele in 3 ¾ Stunden waren mir bisher auch noch nicht gelungen! Ich landete im Block von Valerenga, proppenvoll und mit richtig ausgelassener Stimmung. Die Fans aus Grenland (nicht zu verwechseln mit Grönland ) hinter dem gegenüberliegenden Tor, machten sich nur anfangs bemerkbar, denn ODD wurde vom VIF-Express gnadenlos überrollt. Ich sah ein Spiel der Extraklasse, was nicht nur die Hauptstädter von den Sitzen gerissen hätte. Auch wegen der sieben Tore, obwohl es noch einige hätten mehr sein können: Ein Ball beispielsweise hoppelte nach einem Super-Lupfer eines VIF-Spielers auf das leere ODD-Tor zu und versprang nach dem letzten Aufsetzer aufgrund eines Platzfehlers noch neben die Maschen….



Die Fans von Valerenga, die übrigens ein Lied nach der Melodie von „Oh Tannenbaum …“ im Repertoire haben, feierten ihr Team frenetisch und die Spieler ließen sich gerne feiern. Fehlte nur noch ein Pokal oder ne Schale.



Völlig zufrieden verließ ich gegen 20 Uhr das Stadion, sah mich noch im Fanladen um (wo es leider nur Souvenirs englischer Vereine gab) und fuhr zum „Haraldsheim“ am Stadtrand. Hier hatte ich ein Bett in einem 4er-Zimmer gebucht. Da gerade 40 geworden, fühlte ich mich anfangs in der JUGENDherberge etwas unwohl. Aber später bemerkte ich, dass ich noch der jüngste Bewohner meines Zimmers war: Der Kollege im Bett unter mir war mindestens 70! Heimreise am nächsten Mittag.



Fazit: Länderpunkt 40 eingefahren! Norwegen ist schweineteuer!!!





VORBEREITUNGEN

Mache ja keinen Hehl daraus, dass ich seit einigen Jahren meine Fußballaktivitäten ganz nach Groundhopping ausrichte und der FC Bayern eine eher untergeord- nete Rolle spielt. Über die Zuteilung von Tickets für das DFB-Pokal-Halbfinale in Schalke und das Endspiel in Berlin hatte ich mich zwar aufrichtig gefreut (endlich mal Spitzenfußball, was man beim Hopping auf Aschenplätzen und Fahrten nach San Marino eher selten hat), aber ist ja trotzdem Alltag.

Das Rauskicken von Man Utd. ist nach langer, langer Zeit ein Ereignis gewesen, das mich selbst brav daheim vor dem TV sitzend, total begeistern konnte. Das Feuer „FCB“ war bei mir wieder entfacht (typisch Erfolgsfan, ha ha!), an das Finale in Madrid aber noch nicht zu denken.

Einige Tage später stellte ich beim Surfen im ticketing-Portal der „Roten“ überrascht fest, dass tatsächlich schon Karten für das CL-Finale in Madrid beantragbar waren. Da war gegen Olympique noch keine Sekunde gespielt. Das schien mir sehr, sehr verwegen zu sein. Meine Mittagspause war noch nicht zu Ende, also hab ich fix mal ein Ticket beantragt. Nur eines statt der max. möglichen zwei, um meine Zuteilungschancen zu erhöhen.

Als dann Ivica Olic am 27.4. Lyon düpierte, stieg mein Adrenalin in ungekannte Höhen und aus dem Feuer „FCB“ war längst ein Großbrand „Finale“ geworden. 1987 in Wien die Endspielpleite gegen den FC Porto im Praterstadion erlebt und beim Triumph 2001 in Ägypten vor dem Hotelfernseher gesessen… Ne, das geht nicht! Für mich war längst klar: Ich will, nein ich muss die Bayern im Finale der Champions League sehen, …ich muß nach Madrid! Es ist DAS SPIEL MEINES LEBENS!   ICH MUSS !!!


Im Internet stellte ich überrascht fest, dass der FCB schon Tage zuvor keine weiteren Kartenanfragen mehr für das Finale zuließ und das Ticketing-Portal für Madrid geschlossen hatte. Boah, Schwein gehabt. 80 000 Anfragen standen 20 000 tickets gegenüber. Chance 1:4 auf Zuteilung. Das ist nicht schlecht, aber nicht gut genug, wenn man fahren muss!

Doch da der Hinweis auf ein sogenanntes Youth Package, das „in größerer Anzahl“ vorrätig sei: ein Vater-Sohn-Ticket sozusagen. Bingo! Wozu hat man einen 10jährigen Sohn? Wer hätte gedacht, dass er einem mal bei der Kartenbeschaffung für ein Champions League Finale hilfreich sein könnte? Weil erstmals an einem Samstag ausgetragen, würde sein Mitkommen theoretisch möglich sein, ohne das er in der Schule fehlen müsste. Und sein Mitkommen sei Pflicht, so lautet es in der Ankündigung. Einfach Youth Package bestellen und dann ohne Kind am Stadion erscheinen ginge nicht. Eine ¾ Stunde später stand ich bei Paul auf der Matte und frage ihn, der bisher den FCB noch nie live gesehen hat und erst einmal überhaupt in einem großen Stadion war (2003 bei Köln – Braunschweig, 2. Liga), ob er Lust hätte, mitzukommen. Als ich ihm die Wichtigkeit des Spiels und das zu erwartende Stadionerlebnis in den buntesten Farben ausmalte, war sein Interesse geweckt. „Na gut Papa, bestell mal…!“. Seine Mami war auch einverstanden, also ging die Bestellung als Fax vom Copy-Shop am 28.4. um 17:46 Uhr raus.


Mir ne Karte auf dem Schwarzmarkt zu besorgen, kam gar nicht in Frage, so begann jetzt die Zeit des Wartens und Zitterns…

Am 3.5. erschien auf der Bayern-Homepage der Hinweis, dass bis zum 7.5. alle Bestätigungen bzw. Absagen verschickt werden. Üblicherweise bekommt man eine mail vom FCB, wenn ein Kartenantrag erfolgreich war. Im ¼-Stunden-Takt checkte ich den e-mail-Eingang (hatte Urlaub und saß zu Hause). Aber nix. Der 3.5. ging zu Ende, der 4.5. verstrich. Nicks! . Am 5.5. kam ich auf die glorreiche Idee, mich mal in mein ticketing-Konto beim FCB einzuloggen und mir den Status meiner Bestellung anzuschauen. Was ich da sah, konnte ich nicht so richtig begreifen: Unter „gebuchte Bestellungen“ stand sinngemäß zu lesen „1 Tageskarte Bayern – Inter, Package“. Heißt das…? Sollte es wirklich bedeuten, dass…? Hmm, leichte Vorfreunde machte sich breit, aber so ganz wollte ich dem Braten noch nicht trauen. Wo blieb dann bitte die schriftlich Bestätigung in irgendeiner Form??? Es folgte eine fast schlaflose Nacht.

Natürlich kontrollierte ich weiterhin 10minütig mein e-mail-Postfach, bis am 6.5. gegen Mittag Elena mit einem Briefumschlag vor meiner Nase wedelte „…vom FC Bayern!“ Den Umschlag aufgerissen und zwei Formulare rausgefischt: Die Rückantwort der Anfahrtsdaten (die UEFA will Anfahrtsweg und Ausweis-Nummern der Karteninhaber wissen) und eine Erklärung, keine Pyrotechnik zu verwenden. Jepp, strike! Etwa 20 min später gingen die ausgefüllten Blätter in gescannter Form per e-mail an den FCB zurück. Und dann der alles entscheidende Moment: Keine Stunde später blinkte in meinem e-mail-Postfach die Nachricht „Zustellbenachrichtigung Kartenversand“ auf. Und schon am nächsten Tag warf die Paketfahrerin den üblichen, gelben DHL-Großumschlag vor unsere Küchentür auf dem Balkon. Ts, ts , die wußte wohl nicht welch (ideeler) Wert in diesem Umschlag steckte?! Mit zittrigen Fingern holte ich die so begehrten Karten aus dem Umschlag. MADRID, WIR KOMMEN !!!




Aber es blieb keine Zeit zum Entspannen. War die wichtigste aller Fragen, die der Tickets, geklärt, galt es nun, eine preiswerte und vor allem kindertaugliche An- und Abreise zum Estadio Santiago Bernabeu zu organisieren. Knackpunkt: Paul hat am 21.5. bis 12:30 Uhr Schule. Vorher kann die Reise nicht beginnen. Nach hinten (Rückreise) hatte ich wegen seiner Pfingstferien genug Luft. Um es vorwegzunehmen: Es wurde die nervigste, aufwändigste und komplizierteste Reiseplanung, die ich je zu eine Fußballspiel durchgeführt hab.

Flüge checken: Direktflug Köln-> Madrid ausgebucht. Direktflüge ab Deutschland -> Madrid: ab 500 EUR pro Person und aufwärts. Umsteigeverbindungen mit Billigfliegern über Londoner Airports, Prag, Warschau, Porto, Barcelona, Santiago de Compostella, Palma de Mallorca… Nichts, was terminlich passt. Am billigsten wäre eine Verbindung Köln -> Sibiu / Hermannstadt (Rumänien) und dann weiter Sibiu -> Madrid mit Blue Air gewesen – und wohl auch am verrücktesten, aber der Startzeitpunkt in Köln passte nicht zu Pauls Schulschluss. OK, dann eben nicht Westdeutschland -> Madrid per Flieger, sondern die Option „Teilstrecke mit Zugfahrt“ einbauen. Ryanair fliegt in Spanien alles mögliche an: Valladolid, Valencia, Sevilla, Girona, Reus… aber es passt nichts richtig zusammen. Entweder geht der Flug zu früh ab, kommt zu spät an oder er ist mit über 400 EUR viel zu teuer. Und ich will nicht erst 3 ½ h vor Anstoß in Madrid eintrudeln. Das würden meine eh schon angespannten Nerven nicht mitmachen. Letztendlich entschied ich mich für Lleida (Pyrenäen) –> Frankfurt/Hahn mit Ryanair. Rückflug sonntags ab 16:35 Uhr. Da passte Preis (138 EUR) und Zeitrahmen. Jetzt nur noch hinkommen. Nach stundenlanger Suche im Internet kam ich nur auf eine einzige passende und bezahlbare Verbindung: Paris CDG -> Madrid am späten Freitagabend für 295 EUR mit der mir völlig unbekannten Vueling Airline. Kurz gezögert, durchgeatmet und gebucht… denkste. Die Kreditkarte (?) muckte, keine Zahlung möglich. Fluch!!! Statt am 6.5. gegen Abend gelang es mir erst nach etwa 30 vergeblichen Versuchen am 8.5. vormittags die Flüge unter Dach und Fach zu bringen. Die Preise konnte man glücklicherweise solange blocken, für 4 EUR…

Einen Schritt weiter, aber noch nicht fertig. Die Anreisen zu den Flughäfen per Bahn fehlten noch. Von Köln nach Paris fährt ziemlich rasant der Thalys. Prima, dachte ich. Bullshit, dachte ich, als ich die Preise sah: 204 EUR für Kind und Erwachsener einfache Fahrt. Alternative: Bis Brüssel „nur“ ICE, dann mit dem Thalys weiter. Umsteigen bedeutet aber bei Verspätungen evt. das Risiko, den Anschlusszug zu verpassen. Egal, ich muß sparen! Mit „Sparpreis Belgien“ kommen wir für 34 EUR schon bis Bruxelles Midi, ab da kostet der Thalys „nur“ noch 102 EUR. Verbindung online gebucht…. ne, ne! Bei der Bezahlung brach das System ab, die Meldung „Fehler beim Bezahlvorgang“ tauchte auf und per e-mail bekam ich nur eine Reservierung, für die ich aber 7 Tage Zeit hatte, die zu bestätigen und zu bezahlen.

Von Madrid-Puerta de Atocha nach Lleida mit dem AVE in gut zwei Stunden bietet sich an, auch wenn mir der Fahrpreis mit 130 EUR sehr hoch schien. Ich wollte was buchen, bevor die Züge nachher von Tausenden heimfahrenden Inter-Tifosi besetzt würden – vor allem aber auch, weil es dazu keine Alternative gibt. Die Homepage der spanischen Bahn RENFE ist eine Katastrophe. Umständlich, immer wieder von Englisch in Spanisch zurückspringend und – vor allem – bei Sitzplatzauswahl oder Buchungsabschluss ständig „ERROR“. Erst Vueling, dann Thalys, jetzt RENFE. Reisebüro und DB-Agentur in GL können (oder wollen ?) mir keine innerspanischen Fahrkarten buchen, das ginge nur in Köln. Am 11.5., nach sechs Tagen und – keine Übertreibung – nach etwa 50 Buchungsabbrüchen kommt endlich ein Online-Ticket zustande.

Am 10.5. wollte ich die Thalys-Reservierung in eine Fahrkarte umwandeln. Sollte kein Problem sein. Aber es klappte nicht, egal was ich auch anstellte. Auch hier das RENFE-Syndrom: Aus Deutsch wurde in der Buchungsmaske plötzlich Französisch und das Klicken auf den Abschluß-Button blieb ohne Reaktion. Am 11.5. rief ich bei der thalys-Hotline an. Da sei ein Buchungsfehler unterlaufen, ich solle die Buchung neu durchführen. Aber die ist ja jetzt viel teurer, entgegnete ich. Ja, stimmt! antwortet mein französicher Gesprächspartner… *murmel, murmel* Statt mich abzublocken, gab sich der nette Mann echt Mühe und unter Klärung aller Details wird mir zugesichert, dass die Fahrkarten am selben Abend noch per Post rausgehen würden. Hoffentlich kommen die rechtzeitig an.

Aufgrund des Reiseplans sind also zwei Übernachtungen in Madrid erforderlich. Am 5.5. hatte ich mal bei HRS reingeschaut: Etwa 150 freie Hotels für das Final-Wochenende. Alles normal. Am 7.5. schaute ich abends wieder rein: Waahhh…! HRS meldete noch fünf freie Hotels. Preis fürs Doppelzimmer: zwischen 450 und 3 000 EUR. Ja, dreitausend EUR! Und da ist nicht mal Frühstück dabei. Ich klapperte meine üblichen Hostel-Portals ab. Alles ausgebucht oder Zimmer für 250 bis 600 EUR, pro Nacht. Nicht verwunderlich, werden doch etwa 70 000 Besucher von außerhalb nach Madrid strömen. Aber dieser sprunghafte Wechsel von 150 auf nur noch 5 freie Hotels... Hatte wahrscheinlich mit der Ticketzuteilung durch die Vereine in diesen Tagen zu tun?! Ich sah mich schon mit Paul auf der Straße schlafen… aber nach etwas Sucherei fand ich doch noch was passendes: Erste Nacht in der Jugendherberge im 8-Bett-Zimmer für 31,50 EUR und die zweite Nacht in einem Hostel in einer Vorstadt (zwei Einzelzimmer zu je 44 EUR). Puh….!

Die Planung von groundhopping-Touren läuft ganz relaxed ab. Billige Flüge und Hostels checken, mit dem Spielplan vergleichen, buchen und fertig. Wenn man Pech hat, wird evt. mal ein Spiel verlegt. Sei´s drum. Ein Länderpunkt läuft nicht weg (höchstens der der Malediven säuft irgendwann ab).  Bei einem Champions League Finale ist das logischerweise ganz anders! Es findet nur einmal in dieser Konstellation statt und lässt sich nicht wiederholen. Einmal verpasst, ist es für alle Zeiten nicht mehr nachzuholen. Und wann hat man schon das Glück, über den legalen Kartenkanal für das bedeutendste Spiel des Jahres auf europäischem Boden bedacht zu werden? Eben!

Aschewolke mit "VVVV" gekennzeichnet.


Heute am 13.5. habe ich tickets, Flüge, Fahrkarten und Unterkunft. Aber, ich gebe es umunwunden zu, meine Nerven liegen dennoch blank. Aschewolken…! Obwohl mir vor drei Wochen noch selbst Flüge nach Oslo auszufallen drohten, hab ich diese GEFAHR beim ganzen Surfen, Buchen usw. verdrängt. Für mich war das abge- hakt. Der Vulkan hat sich beruhigt, der Käs ist gegessen. Und jetzt geht es von vorne los: Am 11.5. Flughafenschließungen in Spanien, Irland und Frankreich und Flugausfälle. Nein, nicht für Ziele in Island, Norwegen oder Russland. Ausgerechnet in SPANIEN und FRANKREICH konnten die Flieger weder starten noch landen… DAS HORROR-SZENARIO hat sich längst in meinem Hirn festgefressen: Stehe mit Paul am Flughafen Paris-Charles de Gaulle vor verschlossenem Boarding-Gate. Der Flug nach Madrid fällt aus… Das wäre nicht schlimm, es wäre auch keine Katastrophe. ES WÄRE DER WELTUNTERGANG !!! Wieso konnte ich Idiot nicht meine Sinne bei einander halten und mich, zumindest für die Hinreise, für eine Zugfahrt entscheiden? Klar, hätte was länger gedauert und wäre auch teurer geworden. Aber sicher nicht durch Ascheteilchen aus dem Inneren der Erde zu verhindern gewesen. Was tun? Hoffen auf „Buenos Aires“, gute Winde!!! Von mir aus wird Bremen Pokalsieger und Nordkorea Weltmeister. Selbst eine Meisterschaft von Schalke 04 in 2011 könnte ich akzeptieren. Ich will mit Paul nur nach Madrid, am 22.5.2010. Nicht früher und nicht später! Ich will? ICH MUSS NACH MADRID! Ich suche bereits seit zwei Tagen nach Plan-B-Alternativen. Irgendwas, was mindestens vier Räder hat, nach Madrid rollt und so den WELTUNTERGANG verhindern könnte. Die Atletico-Fans in Hamburg hatten ja gestern auch Glück. Warum nicht ich auch?

Heute am 14.5. habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Der Vulkan ließ mir auch keine Chance: Vor einer Stunde kam die Meldung, daß der Eyafjöll wieder große Mengen Asche in 9 km Höhe geschleudert hat und das diese Wolke bis Dienstag die Schweiz erreichen wird. Gleich zwei Plätze im Hotelzug Paris -> Barcelona, abgehend am 21.5. abends gebucht, nachdem ich die Stornierungsbedingungen genau gelesen hab. Ticket kann bis vor der Abfahrt zurückgegeben werden und wird erstattet - allerdings erst "nach einigen Wochen", so ehrlich ist die SNCF wenigstens. Jetzt kann nix mehr dazwischen kommen: WIR WERDEN DABEI SEIN !



Heute am 20.5. um 21:41 Uhr habe ich die Nägel wieder rausgezogen! Entwarnung! Es liegen keine Anzeichen (oder Aschestäube) in der Luft, die das Fliegen in Europas Luftraum einschränken könnten. Storno des Zugtickets.


DIE REISE

Inter Mailand - Bayern München   2:0 * 20:45 Uhr * Champions League Finale * Estadio Santiago Bernabeu, Madrid * 74 954 Zuschauer *

Am Freitagmittag traf ich mich mit meinem Sohn Paul am Kölner Hbf, wo er mit seiner Schulklasse nach einem Besuch des Römisch-Germanischen Museums auflief. Seine Lehrerin wünschte uns viel Spaß und einige von Pauls Klassenkameraden versorgten uns noch mit gewagten Tipps auf den Spielausgang.

Um 14:43 Uhr ging es endlich los. Erstmal im ICE nach Brüssel. Ein Mitreisender bemerkte mein „Madrid Final“-T-Shirt. "Sie wollen doch nicht nach Madrid?" „Doch…“ Pünktlich in Bruxelles Midi angekommen, setzte sich aber der Thalys nach Paris Nord erst mit über 30 min Verspätung in Bewegung. Am Gare du Nord ärgerten wir uns etwas mit der Beschaffung der RER-Tickets herum (Schalter schloß vor unseren Nasen, Automaten nahmen nur Münzen, von denen wir aber keine 17 EUR in der Tasche hatten…) und fuhren zum Flughafen Charles de Gaulle raus. Dort an der Metro begegneten wir den ersten Bayern-Fans. „Fliegt ihr auch mit Vueling?“ „Klar, was anderes geht ja nicht…!“ „Alles andere war zu teuer.“ „Eben!“ „Wo kommt ihr her?“ „Ich aus München, mein Kumpel aus Saarbrücken…“

Paris CDG ist ein katastrophaler Flughafen, aber Terminal 3 geht noch, da klein und übersichtlich. Dennoch: Wenn sich an einem Kiosk mehr als 30 Leute anstellen müssen, scheint irgendetwas nicht gründlich ausgereift zu sein?! Etwa ein gutes Dutzend FCB-Anhänger hatten sich ebenfalls für „Vueling“ entschieden. Um 21:15 Uhr sollte der Flieger starten, doch es wurde fast eine Stunde später. Aber nur, weil das Einsteigeprocedere der proppevollen Maschine von der Crew amateuerhaft durchgeführt wurde. Es gab viel zu viel Handgepäck an Bord und tausendmal gingen die Gepäckfächer auf und wieder zu. Es wurde umgestaut und wieder auf und… Oah! Ich bin kein Fan von Ryanair, aber denen wäre so ein Theater nicht passiert.



So trafen Paul und ich erst gegen Mitternacht in der spanischen Hauptstadt ein. Wir machten etwas Tempo, um mit der Metro vor deren Betriebsschluß noch bis zu unserer Herberge zu gelangen. Aber schon beim Eingang „muckten“ unsere 2-Tages-Finale-Metro-Tickets. Wir kamen nicht rein. Ein sehr netter Herr, sogar deutsch sprechend, half  unbürokratisch, tauschte unsere Final-Metro-Tickets aus und gab uns zudem zwei weitere Tickets für die jetzige Fahrt. Am Metro-Bahnsteig prangten große, blau gerahmte Hinweisschilder „FC Internazionale“. So war die richtige Metrostation mit den entsprechenden Terminals für die Rückreisenden in der nächsten Nacht gekennzeichnet worden. An der nächsten Metro-Station prangten konsequenterweise Schilder „FC Bayern München“, allerdings in schändlichem Grün gerahmt. Egal, wir waren in der richtigen Stadt! MADRID, HIER SIND WIR !!!

Etwa 70 % aller Metro-Werbetafeln standen im Zusammenhang mit dem Champions League Finale. Madrid scheint ja riesig zu sein, jedenfalls brauchten wir über 1 ½ h Fahrtzeit, um vom Flughafen bis zur Metrostation San Fermin-Orcasur zu gelangen. Nach kurzem Fußweg erreichten wir gegen 2 Uhr nachts die Jugendherberge San Fermin, wo wir allerdings keine Fiesta mehr feierten, sondern müde und verschwitzt in unsere Betten fielen – ich oben, Paul unten.



Wir hatten ein Acht-Bett-Zimmer erwischt, gemischt: Vier Jungs hinter einer Trennwand, vier Mädels jenseits dieser. Als ich um 9 Uhr wach wurde, waren die meisten Bewohner schon weg. Ich weckte Paul und wir liefen in die Cafeteria, wo es bis halb zehn Frühstück gab. Das übliche JH-Angebot, aber erstmal satt. Nach dem Duschen in die Stadt: Endlich Sonnenschein und Sommer, geil!!!



Zuerst ging es zur Puerta del Sol. Wie der newsletter des Club Nr. 12 richtig ankündigte, waren die Interista deutlich in der Überzahl. In der Innenstadt im Verhältnis 4 :1, mindestens! Größere Gruppen feierten lauthals, kleinere Gruppen zogen friedlich durch die Straßen. Paul und ich liefen zum Plaza Mayor und Plaza de Espana und wir genossen das Treiben überall. Während der Mittagshitze verdrückten wir uns in den Parque del Retiro, wo das Champions Festival stattfand. Ein Museum, wohl mit vielen Ausstellungsstücken zur Geschichte des Landesmeisterwettbewerbes und der Champions League, war uns zu voll. Andere Stände waren gut aufgemacht, boten aber inhaltlich bloß uninteressante Heftchen oder Flyer. Auch den offiziellen Fanshop ließen wir links liegen, nur ein Stadionprogramm zu 10 EUR gönnte ich mir.







Am frühen Nachmittag verließen wir kurz Madrid, um im Vorort San Fernando, nur wenige Schritte von der gleichnamigen Metro-Station entfernt, unsere Unterkunft für die kommende Nacht zu beziehen. Das Hostel war prima, auch wenn die Fahrt dahin etwas lang wurde. Weil es nur Einzelzimmer gab, hatte ich zwei davon gebucht, die nebeneinander lagen. Letztendlich nutzen wir nur ein Zimmer.



Wieder zurück in der Stadt, fuhren wir zur Station Concha Espina, wo sich die Fan Zone der Münchner befand. Hier tummelten sich massig Bayern-Fans, aber die Stimmung schien mir angesichts der Hitze (gegen 18 Uhr immer noch 34° C) doch etwas müde. Zudem hatten wohl die allermeisten eine anstrengende Busreise und reichlich Alkoholkonsum hinter sich. Und so liefen wir schon früh in Richtung Bernabeu, entlang einer endlosen Reihe an Reisebussen aus Alemania.







Sobald der Ground der Königlichen in Sicht kam, fand die erste Vorkontrolle statt. Wer kein Ticket hatte, konnte sich die Arena nur aus etwa einem ½ km Entfernung ansehen. Hier, wie auch sonst in der Stadt zuvor, waren nur wenige Schwarzmarktaktivitäten zu beobachten. Keine Ahnung, wie hoch die verlangten Preise waren. Paul und ich gingen weiter, schauten uns nach Bekannten um, aber fanden niemanden (Karsten, was war mit Deinem Handy los?). Irgendwann entschieden wir uns, reinzugehen. Die Kontrollen waren für ein solches Spiel ziemlich lasch. Mein Rucksack wurde von außen nur grob abgetastet, die Sicherheitsmerkmale der Eintritts-karten wurden dagegen genau geprüft.






Irgendwann fanden wir unseren richtigen Block. Hier saßen später nur Youth Package-Inhaber, d.h. immer Papa-Sohn- bzw. Papa-Tochter-Duos. Sah ganz lustig aus. Auf jedem Platz lag ein Teil der FCB-Choreografie in Form von roten oder weißen Folien-Quadraten und dazu eine Anweisung des Club Nr. 12 aus. Das Vorhaben, sich vor Anpfiff noch mal richtig zu stärken, schlug fehl, da es außer Tüten-Hot Dogs nur Chips und Popcorn gab. Es war ne gute Idee, dass von beiden Clubs die heimischen Stadionsprecher mitgereist waren, für die Bayern also Stephan Lehmann. Die Stimmung wurde immer besser, je näher der Zeitpunkt des Anstoßes rückte. Was im Bernabeu ablief, war echt superklasse, auch wenn ich mir das Ganze noch einen Tick verrückter gewünscht hätte. Aber wahrscheinlich bin ich schon viel zu verwöhnt…



Als die Spieler einliefen und die CL-Hymne ertönte, hielten alle Bayern-Fans in der Südkurve die Folienstücke hoch. Welche Choreografie sich bildete, konnten wir natürlich nicht sehen. Aber das Motto „Ohne dich fahren wir heut Nacht nicht heim…“, angelehnt an einen Song der Münchner Freiheit, war über den Flyer bekannt gemacht worden. Naja, da hätte es sich evt. gelohnt, noch über einen anderen Spruch nachzudenken?! Die Choreo der Inter-Fans kam gut rüber, auch wenn deren großen Fahne beim Herunterlassen etwas hakte.






Es folgte ein unterhaltsames Spiel, auf dessen Einzelheiten ich hier nicht eingehe. Kann man ja im „Kicker“ nachlesen. Ob nun Inter verdient gewonnen oder die Bayern unglücklich verloren haben…. Sch*** egal! Paul und ich haben uns mehr als gut unterhalten, wir hatten viel Spaß und es war einfach ein außergewöhnliches, genial-megageiles Event.





Nach dem Abpfiff beobachteten und beklatschten wir später die unterlegenen Münchner, während sich die Italiener in ihrer Kurve feiern ließen. Genau im Augenblick des Konfettiregens (das Spektakel mit Feuerwerk eine Woche zuvor in Berlin war aber besser) wurde in meiner ersten Kamera der Akku leer, mit der zweiten Kamera dasselbe Drama.



Vor uns saß ein kleiner, etwa 5 Jahre alter Junge, der schon nach den Inter-Toren von Heulkrämpfen geschüttelt wurde. Auch jetzt war er untröstlich und rieb sich ständig mit seinem Bayern-Schal durchs Gesicht, um sich die Tränen abzuwischen. Der arme Bub! Ich verließ mit Paul das Bernabeu und wir mussten etwas suchen, um die Metro-Station zu finden. Nun drängten alle Zuschauermassen gen Innenstadt zum Fressen und Feiern. Auf gut Glück stiegen wir in „Tribunal“ aus und fanden auch gleich einen leeren BuKi, Volltreffer! Danach machten wir uns ziemlich fix und alle auf die Heimfahrt nach San Fernando ins Hostel.




Am nächsten Morgen mussten wir schon um 7 Uhr wieder raus, denn ich hatte für 9:30 Uhr ab Madrid-Atocha Tickets für den AVE gen Lleida gebucht. Um ½ 8 Uhr losgefahren, brauchten wir gut 1 ½ h bis zum Bahnhof. Die etwa 400 km nach Lleida Pireneus schaffte der Zug in gut zwei Stunden mit z.T. 300 km/h Spitze. Uns blieb in Lleida noch etwas Zeit zum Sightseeing, ehe uns ein Flughafenbus zum Airport brachte. An der Haltestelle sammelten sich schon etliche FCB-Fans (einer berichtete von chaotischen Zuständen am Flughafen Madrid in der Nacht), der Mini-Flughafen Lleida Alguaire war sogar fest in bayrischer Hand. War ja zu erwarten, dass nicht wenige die Route mit Ryanair nach Hahn nehmen würden. Ein Passagier war so voll, dass ihn die Stewardess nicht mitfliegen lassen wollte, aber eine drohende Revolte anderer Mitreisender ließ die Verantwortliche umdenken. In Hahn durften wir noch 2 h auf den Bus gen Köln warten und nach Verpassen der S-Bahn nach GL um ca. 0,054 Sekunden waren Paul und ich am Pfingstmontag kurz nach Mitternacht daheim.






Fazit: Nicht gewonnen, aber dennoch ein unvergesslicher trip! Hatte mit meinem Paulchen viel Spaß, vor allem weil er ganz brav war, he he!!!


Diaschau mit vielen Fotos.