"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]



21.10.18   *   FC Shkupi - Sileks Kratovo   2:0   *   1. Liga   *   Stadion Čair, Skopje   *   2 000 Zuschauer

Als wir am Nationalstadion ankommen, wundern wir uns, warum es hier keine Leute bzw. Fans gibt und warum der Ground geschlossen ist. Dabei soll doch heute hier das Spitzenspiel der Liga Erster gegen Zweiter stattfinden. Easy fragt herum. Keiner weiß was. Easy kontrolliert seine Sport-News-Seiten. Doch, das Spiel wird in 15 Minuten angepfiffen. Fragt sich nur, wo?!

Wir machen aus der Not eine Tugend und Easy bringt mich zum FC Shkupi zurück. Hätte gleich da bleiben sollen. Die Bude dort war mir gleich sympathischer als die große Arena. Easy läßt mich raus und verspricht, mich in zwei Stunden wieder abzuholen. Bestens!



Kontrollen gibt es keine, Tickets zu 100 Mazedonischen Dinar (ca 1,62 EUR). Pünktlich bin ich drin! Das Stadion inmitten eines Wohngebietes besteht aus einer neuen Tribüne und auf drei Seiten aus Mauern aus Beton-Elementen. Die Ultras stehen in ihrem eigenen Block links von mir. Support und Stimmung ist klasse und auch das Spiel ist deutlich besser als das vom Vortag.

Mich faziniert neben dem Kick am meisten ein ziemlich agiler Vogelkorn-Verkäufer. Gekleidet in auffälligem Trikot (das Oberteil ist Kolumbien-Gelb, dazu eine kurze rote Hose) rennt er pausenlos die Treppen hoch und runter und zwischen den Sitzreihen hin und her. Bald ist der etwa 65-70 Jähige nass geschwitzt. Das macht ihm nichts aus. Ich hätte vermutlich schon nach 15 Minuten schlapp gemacht. Gekonnt wirft er seine Beutel zu Kunden und zu potentiellen Kunden (ggf. bekommt der die Ware halt zurück), unterbrochen von gelegentlichen Tourette-artigen Tics. Mein Respekt für diesen Mann und seinen Job!




Verstehe nicht, was dieses Symbol hier macht. Egal, es ist in jedem Falle Pfui!!!

Nach dem Spiel holt mich Easy, der Deutsche wegen ihrer Zuverlässigkeit toll findet, ab und fragt mich, ob ich noch weitere Stadien besichtigen möchte. Nee, der Kasten drückt und so will ich zu meinem Hotel. Easy hat inzwischen herausgefunden, wo Vardar tatsächlich gespielt (und 0:2 verloren) hatte: Im Boris-Trajkovski-Stadion vor 1 500 Zuschauern. Fazit: Dank Easy war ich beim richtigen Spiel.

Im Umgang mit Fremden muß man ja, das lehrt einem die Erfahrung, immer vorsichtig sein. So war ich auch Easy gegenüber, trotz seines offenen, sympathischen Wesens, bis zum Schluß mißtrauisch. Würde noch "was kommen"? Eine hohe Geldforderung, ein schwieriger "Gefallen" (etwas, was man nicht abschlagen kann) oder was Schlimmeres (wie schon mal in Bukarest erlebt)? Es kam nichts dergleichen und so wird mir der quirlige Albaner Ismet, genannt Easy, in guter Erinnerung bleiben.


5. Tag (Montag, 21.10.)

Transfer Skopje nach Thessaloniki mit "Taxi Service Skopje Airport" zu 105 EUR * Zugfahrt Thessaloniki -> Athen in 1. Klasse zu 52,60 EUR * 2x Übernachtung mF im Centrotel Hotel, Athen zu je 27 EUR *

Montag. Eigentlich war für heute Abend die Heimreise mit Wizzair nach Köln/Bonn geplant. Doch die Auslosung in der Champions League Gruppenphase hatte für den morgigen Dienstag ein Spiel des ruhmreichen FC Bayern im benachbarten, nur 698 km entfernten Athen ergeben. Also hin da!

Dabei möchte ich unbedingt die Gelegenheit nutzen, mich unterwegs ein paar Stunden in Thessaloniki umzuschauen. Dazu darf ich natürlich nicht erst am späten Abend dort eintreffen, wie das bei einer Busreise der Fall gewesen wäre. Wenn Zug (wie eingangs erklärt) und Bus nicht gehen, bleibt für den Landweg nur noch das Auto. Ich gebe gerne zu, daß ich nicht selber auf die Lösung des Transportproblems, ein Taxi zu nehmen, gekommen bin. Da mir Zuverlässigkeit und Sicherheit wichtig sind, entscheide ich mich bei der Auftragsvergabe für den Marktführer "Taxi Service Skopje Airport".

Auf der E75 nach Süden.


Grenzübergang Mazedonien -> Griechenland.


Bahnhof Thessaloniki.


Hinter dem Türkischen Konsulat liegt Atatürks Geburtshaus.


Nach knapp drei Stunden im Mercedes auf der Autobahn nach Süden, läßt mich mein Fahrer am späten Vormittag am Bahnhof von Thessaloniki raus. Rucksack eingeschlossen, will ich nun die drei großen Stadien der Stadt spotten. Eigentlich wollte mich Georgios, den ich von der Arbeit kenne und der bald seinen Militärdienst in Griechenland ableisten wird, dabei begleiten - doch der arme Kerl ist plötzlich krank geworden. Schade, Schade! So muß ich auf eigene Faust los.

Ich gehe zum Taxistand, tippe auf meine google map-Karte und deute den Fahrern an, daß ich eine kleine Rundreise der besonderen Art machen möchte - inklusive jeweilis 20 Minuten Fotostopp. Die Kosten werden auf ca. 30 EUR geschätzt, womit ich einverstanden bin. Während der Fahrt läuft das Taxameter. Ordnung muß sein, auch in Griechenland.

Kaftanzoglio-Stadion.


Toumba-Stadion von PAOK.




Zuerst steuern wir das Kaftanzoglio-Stadion von Iraklis (ist offen), dann das Stadion Toumba von PAOK (geschlossen) und zuletzt das Kleanthis-Vikelidis-Stadion von Aris (geschlossen) an. Bei den letzten beiden scheint ein Besuch mal sehr zu lohnen! Rund um den Aris-Ground sind frische BVB- und "Heiligenhaus"-Schmierereien zu sehen. Erst am Vortag hatte es das Derby Aris - PAOK gegeben. Wie ich später hörte, wurden dort Bayern-Fans von Aris / BVB-Anhängern angegriffen und schwer verprügelt. Ultra-Kacke!

Kleanthis-Vikelidis-Stadion.



Sirtrivani = Brunnen.


Hier stand früher das alte Stadion "Sirtrivani" von PAOK.


Zurück in der Altstadt, in der Nähe des Weißen Turms, bleibt das Taxameter bei 27 EUR noch was stehen. Für eine gut 90 minütige Tour ist das, wie ich finde, akzeptabel. Ich lokalisiere noch den Standort des ersten PAOK-Stadions "Sirtrivani" und laufe dann in der Stadt herum. Gefällt mir hier irgendwie etwas besser als in Athen / Piräus.

Der einzig wahre Alexander der Große. Oder?!


Weißer Turm.



Sehr kultig: Bahnhof von Thessaloniki.


Pünktlich ab 18:04 Uhr rolle ich die restlichen 500 km über Schienen in die griechische Hauptstadt. Ist meine erste Zugfahrt hier im Lande. Fazit: Die Bahn hat IC-Niveau und so läßt es sich angenehm reisen. Das es im Zugrestaurant auch Frappé gibt, läßt mich wunderbar entspannen.

Kurz vor Mitternacht bin ich im bahnhofsnahen Hotel und quartiere mich ein, während meine Begleiter für die nächsten 24 Stunden, Sebastian vom Bayern-Fan-Club 1st Class Supporters aus Köln und sein Kollege - auch gerade erst (mit dem Flieger) angekommen - noch auf einer Dachterrasse Weingläser heben wollen und dabei auf die Akropolis glotzen. Nicht mit mir!

Fahrkarte Thessaloniki -> Athen.



Hier kann ich zwei meiner Leidenschaften gleichzeitig geniessen: Frappé trinken und im Speisewagen fahren.


6. Tag (Dienstag, 23.10.)


Bis auf eine sind alle Tauben in Dortmund... zum Kacken :-)!


Kontrast.


23.10.18   *   AEK Athen - Bayern München   0:4   *    Youth League (U19)   *   Stadio Georgios Kamaras, Athen * Zuschauer: ca. 700 * 

Europapokaaaaaal....! Hab ich persönlich mit dem FC Bayern ja nicht mehr so oft. Ausgeschlafen und gut gefrühstückt stapfe ich mit Sebastian und Stephan durch Athen, man genehmigt sich hier und da mal einen Drink oder erliegt den Düften der Gyros-Buden. Nachmittags ist Youth League angesagt, leider hab ich den Ground schon. Um an eine Eintrittskarte zu kommen, muß man zwar - anders als aufgedruckt - keinen EUR bezahlen, sich jedoch ausweisen und registrieren lassen. Unter dem regendurchlässigen Tribünendach treffe ich den ein oder anderen Bekannten, u.a. Festus. Der Hagener ist wohl gerade nicht sehr beliebt in der Fanszene, hat wohl einige äußerst unpassende Kommentare abgelassen. Aber Festus wäre nicht Festus, wenn er so krass politisch unkorrekt wäre, wie er nun mal ist. Das Spiel war gar nicht so schlecht und zwischendurch gab es sogar etwas rot-weißen Support.





Nach dem Spiel ist vor dem Spiel... Es warten Busse vor dem Stadion, die einen - von der Polizei eskortiert - zum Hauptact des Tages bringen  - wenn man denn will. Einige, die nicht wollten, haben anschließend um der Ecke von ein paar Griechen auf´s Maul bekommen. Ich will nicht laufen, also will ich im Bus mitfahren.


23.10.18   *   AEK Athen - Bayern München   0:2   *    Champions League, Gruppenphase   *   OAKA Spiros Louis (Olympiastadion), Athen   *   Zuschauer: 61 221

Am Stadion hab ich genug Zeit, sinnlos abzuhängen. Der Ground beflügelt nicht unbedingt die Phantasie, hier gleich eine glorreiche Europapokalnacht zu erleben. Wundersam, daß es im Inneren gar keine Toiletten gibt... und außen nur eine Armee Dixi-Klos. Zum Glück bleibt mir das Entleeren erspart.







Hätte nie gedacht, daß sich das Olympiastadion an diesem Abend beinahe komplett füllt. Die 3 200 Fans im Away-Block machen - von mir abgesehen - Stimmung und können so der guten Athener Atmosphäre mithalten. Das Geschehen auf dem Rasen hängt qualitativ dem Geschehen auf den Rängen deutlich hinterher. Die Bayern gewinnen durch einen Doppelschlag in der 61. und 63. Minute verdient, aber äußerst glanzlos.

Und sonst? Blocksperre, warten, mit Polizeieskorte ziemlich lange durch Athen gurken, ab Syntagma mit der Metro zum Hauptbahnhof fahren. Ende eines ereignisarmen Tages. Europapokaaaaal... vermutlich wird es so abenteuerliche Reisen wie Ende der 1980er bis Mitte der 1990er für mich nie mehr geben. Liegt ein großes Stück an mir, aber wohl auch an der sich stets verändernden Fußballwelt.




Echte Siegertypen: Der große FC Bayern!



Bayern Fan-Club Athens.


Blocksperre.


7. Tag (Mittwoch, 24.10.)

Flug ATH -> FRA mit Aegean Airlines zu 141,69 EUR * Bahnfahrt Frankfurt -> nach Hause mit der Bahn zu 22,40 EUR

Mit der ersten S-Bahn um 4 Uhr irgendwas fahre ich vom Bahnhof Larissa zum Flughafen. Zurück in Frankfurt/M wird das alte, seit dem 2. Weltkrieg verlorene Stadion am Riederwald und - liegt auf dem Weg - das Stadion am Bornheimer Hang gespottet. Dann Rückkehr in den Kreis der Familie.

LOST GROUND: Riederwald.


Stadion am Bornheimer Hang.