"Wenn Du ein Land kennenlernen willst, gehe nicht zu den Ausgrabungsstätten, sondern in die Tavernen." Das habe er so oder so ähnlich einmal gelesen. Michael Höller hat den Spruch nur etwas abgewandelt und ihn zu seinem Lebensmotto gemacht: "Statt Tavernen sind es bei mir eben Stadien."[Allgemeine Zeitung / Rhein Main Presse, 1.8.2015]




Eingang zur Metro.

Übersichtliches Streckennetz.

Nächster Punkt im Programmablauf: Eine Fahrt mit der U-Bahn. Das gefällt mir. Ähnlich wie in der Metro in Moskau geht es auch hier auf endlos langen Roll- treppen in die Tiefe. Die Röhre ist blendend weiß, keine Werbung und keine Tags oder sonstige Schmierereien. Sehr ungewöhnlich: Die Namen der Stationen haben keinen Bezug zu ihrer örtlichen Lage, sondern sind nach Themen der Revolution benannt (wie z.B. "Blühendes Licht" oder "Triumphale Wiederkunft"). Da fällt mir ein, daß es in Pjöngjang auch keine Schilder mit Straßennamen gibt! Es soll den evt. einmarschierenden Südkoreanern die Orientierung erschwer- en. Wir kommen ja zum Glück nie in die Verlegenheit, mal nach Straßenschildern Ausschau zu halten.

Station Yonggwang: "Blühendes Licht"



Station Kaeson: "Triumphale Wiederkunft"

Die Stationen, an denen wir ein- und aussteigen, sind aufwändig mit Mosaiken verziert (während die, die wir später durchfahren werden, recht schlicht gehalten sind). Auf den Bahnsteigen ist die aktuelle Tagespresse ausgehängt. Die Metrowaggons sind auch wieder ein Kuriosum: Sie wurden zwischen 1957 und 1965 hergestellt und waren in Berlin-(West) unterwegs. Nach ihrer Ausmusterung 1999 wurden sie nach Nordkorea verschifft. Zwischen 1997 und 2001 fuhren in Pjöngjang auch Waggons aus dem ehemaligen Berlin-Ost.



So nah wie hier während der U-Bahn-Fahrt kommen wir der normalen nordkoreanischen Bevölkerung sonst nie. Fast alle aus unserer Gruppe müssen stehen, mir wird etwas Platz auf einer Bank gemacht. Die Leute schauen uns weder (freundlich oder feindlich) an, noch nehmen sie sonst irgendwie Notiz von uns. Es ist so, als wären wir gar nicht da. Aber sie schwatzen oder lachen auch nicht untereinander, sondern verharren schweigend. Man weiß, daß es den Nord- koreanern strengstens verboten ist, zu Fremden "Kontakt aufzunehmen".




An der Station "Kaeson" steigen wir aus und rollen wieder nach oben ans Tageslicht. Neben dem Triumphbogen, der als der größte weltweit gilt, befindet sich das Kim-Il-Sung-Stadion. Eigentlich stand in unserer Reisebeschreibung, daß wir diesen Ground zumindest besichtigen werden, doch wir gehen kommen-tarlos an ihm vorbei.

Die Sportstätte hat offiziellen Quellen zufolge 100 000 Sitze und wurde speziell für die Massengymnastik "Arirang" ausgelegt. Das bekannte "Arirang-Festival" findet jährlich im Rungnado May Day Stadium statt. 16 000 Schüler halten dann Bücher mit verschiedenfarbigen Seiten hoch, blättern die auf Kommando um und erschaffen so eine beeindruckende Choreographie. Gezeigt wird die offizielle Version dessen, wie die Führung Nordkoreas das Land sieht und zeigen möchte. Zielgruppe ist in erster Linie die einheimische Bevölkerung. Ein Nordkoreaner bezahlt etwa 25 Cent Eintritt für das Festival, der Ausländer bis zu 300 EUR!

Wer kann mit Sicherheit sagen, um welchen Spieler es sich hier handelt?




Nahe des Moranbong-Parks wartet unser Bus auf uns und wir werden in irgendein Restaurant zum Abendessen gekarrt. Das servierte Essen ist mal wieder nicht nach meinem Geschmack, aber dafür sind die gesanglichen und tänzerischen Darbietungen der Kellnerinnen die Besten auf der ganzen Tour.

Ein Tag voller beeindruckender Erlebnisse geht zu Ende - zumindest für mich. Viele andere Tourteilnehmer verkosten dagegen nachts reichlich nordkorea-nisches Bier.




20.8.16  (10. Tag)



Am Morgen nach dem Frühstück fahren wir nochmal dorthin, wo neulich das Beer Festival stattfand. Dort steht das ehemalige Osttor (oder ist es das Nord- tor?) und damit eines der ganz, ganz wenigen historischen Baudenkmäler, die Nordkorea aus der Zeit VOR der Staatsgründung 1945 zu bieten hat.

Nebenan beobachten wir eine Gruppe mittelalter Frauen, die sich bei lauter Musik mit schwunghaftem Trommeln beschäftigen. Auf mich persönlich wirkt das ziemlich blödsinnig - zumal zu vermuten ist, daß die sich hier nicht freiwillig versammelt haben, sondern dies eine Maßnahme zur Huldigung der Familie Kim und der ganzen Nation sein wird. Ich versuche den Minen der Damen zu entnehmen, inwiefern ihnen das Spaß macht. Ob die nur lächeln, weil WIR da sind? Denkbar wäre es. 





Nächste Station: Der Kim-Il-Sung-Platz. Übrigens ist Kim-Il-Sung nicht der richtige Name des Staatsgründers, sondern sein Kampfname (so wie sich ein Herr Tschugaschwili "Stalin" nannte). Eigentlich hieß er Kim-Song-Ju und "Il" bedeutet soviel wie "Sonne".

Sonnig ist es auf dem riesien Platz nicht, stattdessen eher grau und leer. Es ist so leer, wie ich es im Zentrum einer Millionenstadt noch nie erlebt habe. Sogar auf der Straße bewegt sich kaum etwas, nur ab und zu kommt mal ein Trolleybus vorbei, halbleer. Wo, verdammt noch mal, sind die Leute alle? Auf dem Boden sind überall Markierungen zu erkennen. Sie helfen bei Paraden usw. den 100 000 teilnehmenden Menschen dabei, ihren richtigen Platz zu finden.

Ohne Knoppers: Morgens, 10 vor zehn in Nordkorea.



Wir besuchen eine Seidenstickerei. Auch hier hängen draußen am Eingang und in den "Produktionsräumen" Losungen und die zu erreichenden Arbeitsnormen. Hätte gerne gewußt, wie diese bei so handwerklichen Tätigkeiten genau bemessen werden, denn die Frauen arbeiten an individuellen Motiven mit unter- schiedlichen Größen. Es ist bewundernswert, wie sie mittels der Vorlagen detailgetreu die Motive umsetzen.




Einige der Bilder eignen sich nicht unbedingt für´s Schlafzimmer: Ein Bootsmann fährt drei bewaffnete Soldaten durch einen Dickicht aus Schilf und ein Flintenweib schleicht sich hinter einem Lastochsen an den Feind heran.

Im Verkaufsraum wähle ich für mich ein friedlicheres Motiv und lasse es einpacken. Es sticht mir direkt ins Auge, daß die schöne Arbeit auf einen Rahmen aus einfachen Latten, die primitiv zusammen genagelt wurden, aufgezogen und mit billigem Dekopapier beklebt wurde.





Anschließend fahren wir etwas über den Stadtrand von Pjöngjang hinaus, nach Mangyongdae. In einem großzügig angelegten Park befindet sich das Geburtshaus von Kim-Il-Sung. Ähnlich wie an den großen Mansudae-Bronzestatuen ist es auch hier üblich, daß der Nordkoreaner einmal im Jahr vorbeikommt und sich durch ein paar Blumen beim "Ewigen Präsidenten" bedankt. Man kann es getrost als Wallfahrtsort bezeichnen. Im Park verteilt stehen einige Mosaik-tafeln, auf denen offensichtlich Lebensstationen Kim-Il-Sungs abgebildet sind. Es gibt sogar Steine, auf denen der Staatsgründer einst gesessen haben soll und die abgesperrt sind, damit Normalsterbliche ihm nicht gleichtun können.

Das Geburtshaus ist ein primitiver ländlicher Bau, wie er für die vorletzte Jahrhundertwende in Nordkorea typisch ist. Die umliegenden Häuser hat man später abgerissen.




Grünflächen werden in "Handarbeit" gepflegt.

In einem Restaurant: Wasser zum Händewaschen und Nachspülen des Klos. Fließendes Wasser gibt es nur stundenweise.

Auf den Autobahnen Nordkoreas ist zwar nicht die Hölle los, aber dennoch sind sie ein Highway To Hell...! Siehe unten.


Auf dem Weg in den Süden nutzen wir erstmals eine Autobahn. Auch sie ist etwas besonderes, denn bei ihr steht Anzahl Fahrspuren (vier bis etwa sieben) in einem eklatantem Mißverhältnis zum tatsächlichen Verkehrsaufkommen (etwa vier bis sieben Fahrzeuge... pro halber Stunde). Was nach einem Paradies für Autofahrer klingt, ist tatsächlich eher ein Alptraum, wenn man die Fahrbahndecke berücksichtigt. Auf einem (zugegebener Weise nur kurzem, etwa 2 km langem Teilstück) gab es mehr Schlaglöcher als Atome im Universum. Wo war mein Aspirin?

Daheim am Fernsehen bekam ich wenige Tage nach der Rückkehr vor Augen geführt, wofür die Autobahnen auch (oder gar hauptsächlich ?) dienen: Als Transportwege und Abschußorte von Raketen. Möglicherweise verursachen die Raketenstarts mehr Schäden an der Fahrbahndecke als die paar Autos, die über sie hinweg sausen.



Auf dem Pflichtprogramm vieler Nordkorea-Touristen dürfte die Mineralwasser-Abfüllfabrik Kangso bei Nampo stehen. Wir werden vom Werkleiter persönlich empfangen. Da wir einen Lebensmittelbetrieb betreten, bekommen wir stoffige Überschuhe verpasst. Super Sache! Als einige aber mal austreten müssen und im WC durch tiefe Wasserpfützen waten, saugen sich die Überschuhe voll und entsprechend zieht man anschließend eine feuchte Schmutzspur durch den Betrieb. Scheint egal zu sein. Mindestens zwei kompliziert aussehende Hygiene-Schleusen können wir schnell durchlaufen, da sie nicht im Einsatz sind. Frag- lich ist überhaupt, warum wir Überschuhe tragen müssen, während der Werkleiter mit nackten Füßen in Badelatschen herumlaufen darf...?


Der Meister sieht sehr skeptisch aus.



Produziert wird gerade in grüne Glasflaschen. Es gibt auch Plastikflaschen und große Gallonen. An der Abfüllanlage fällt uns auf, daß die Flaschen nicht alle gleich groß sind und sich zum Teil auch in der Färbung unterscheiden. Der Anlage macht es nichts aus, obwohl sie relativ oft angehalten werden muß, weil irgendwo was klemmt. Der Werkleiter gibt einer Mitarbeiterin die Anweisung, für uns einen Kasten frisch abgefülltes Wasser ohne Kronenkorken und Etiketten aus der Linie herauszuziehen. So dürfen wir das gute Heilwasser, dessen Wirkung der Werkleiter ausdrücklich betont (Die Gesundung eines verletzten Rehes machte einen Bauer einst aufmerksam auf diese Quelle...), genießen.

Als ich mir meine Flasche genauer anschaue, muß ich mich sehr wundern bzw. im Land der unbeschränkten Unmöglichkeiten darf ich mich darüber eigentlich gar nicht mehr wundern. Ich halte eine Flasche der Heineken-Brauerei in der Hand. Einer der Guides quittiert meine Entdeckung mit einem trockenen "Ha ha ha....". Es wird klar, daß ich keine Nadel im Heuhaufen gefunden habe, sondern ein nicht unerheblicher Anteil (10% ???) der Flaschen nicht aus einheimischer Produktion stammt. Doch auf welchem Wege sind sie nach Nordkorea gelangt? Zu kaufen gibt es in Nordkorea weder Heineken noch sonst ein ausländisches Bier. Und ist es reiner Zufall, daß die Wasserflaschen den Heineken-Flaschen so sehr ähneln? Wir werden es wohl nie erfahren!



Prost! Auf Kangso... oder Heineken!


Heilquelle und Werkleiterfüsse in Badelatschen.




Wieder auf der Autobahn, nähern wir uns bald dem eigentlichen Ziel unserer Tagestour, der sogenannten Westmeerschleuse. Doch zuerst fahren wir durch das Städtchen Nampo und sehen, wie hunderte Schüler und Schülerinnen auf den Bordsteinen sitzen und auf irgendwas warten. Der Guide kann keine sichere Erklärung abgeben. Er vermutet, daß ein Sportler aus Nampo bei Olympia in Rio eine Medaille gewonnen hat und er nun in seiner Heimatstadt glor- reich empfangen wird. Es wäre ihm zu wünschen.

Unterwegs fahren wir an zahlreichen Salzpfannen vorbei. Die meisten von ihnen sind leer. Der Guide erklärt, daß man Salz heutzutage eher mit modernen Methoden aus dem Berg holt. Das kann stimmen, vielleicht auch nicht. Fest steht jedoch, daß viele Salzpfannen seit den Bau der Staumauer brach liegen. Woher soll das Meerwasser kommen, wenn es vom Staudamm abgehalten wird?

Salzpfannen zur Meersalzgewinnung.

Auf dem Trockenen...

Wir fahren mit dem Bus über den 8 km langen Staudamm am Westmeer, der in den 80er Jahren als der größte Staudamm der Welt galt. In einem Besucher- zentrum sehen wir die Anlage im Modell und bekommen einen deutsch synchronisierten Film vorgespielt. Man erhält einen Eindruck von der Rhetorik, die in Nordkorea gepflegt wird. Das ganze Projekt geht auf eine geniale Idee von Kim-Il-Sung zurück. Gebaut wurde von 1981 bis 1986. Ziel von Staudamm und Schleuse: Bewässerung der Reisfelder im Umland, Schutz vor Sturmfluten und bessere Schiffbarkeit des Hafens Nampo.



Von einer Aussichtsplattform können wir uns später das Wunderbauwerk in natura anschauen. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Dabei muß es da- mals für Staat und Arbeiter eine enorme Kraftanstrengung bedeutet haben, mal eben eine 8 Kilometer-Staumauer mitten ins Meer zu setzen.



Abends landet in einem Restaurant irgendein Fleisch auf im Tisch versenkte Grills. Mal nicht das Schlechteste! Auf alle anderen Spezialitäten verzichte ich. Gerne! Freiwillig! 




11. Tag (21.8.16)

Wieder geht es nach Süden, diesmal sogar - aus der Perspektive eines Nordkoreaners gesehen - bis ans Ende der Welt. Oder ist es gar das Tor zur Hölle? Im Klartext: Wir fahren an die Grenze zu Südkorea, nach Panmunjeom.



Fünfzig Kilometer vor der Grenze erteilt uns unser Guide erstmals ein konkretes Fotografierverbot: Nicht mehr aus dem Bus heraus knipsen. Es gäbe sicht- bare und unsichtbare militärische Einrichtungen.

Süd- und Nordkorea werden durch eine etwa vier Kilometer breite demilitarisierte Zone (DMZ) getrennt. Innerhalb dieser Zone verläuft eine sogenannte Demarkationslinie, die Grenze also. Einen regulären Grenzübergang gibt es ebensowenig wie eine (längere) Mauer. Als wir die DMZ erreichen, müssen wir warten und können uns - wie praktisch - die Zeit in einem Souvenirshop vertreiben.

Obwohl verboten, fotografieren einige von uns ein Plakat, daß einen erhobenen Zeigefinger vor der Landkarte Gesamtkoreas zeigt. Der Text soll soviel wie "Korea ist eins!" bedeuten. So verschieden Nord- und Südkorea auch sind, beide Länder bestehen auf der Einigkeit des Landes. Im Norden klingt das so: "Ein Territorium, eine Blutlinie, eine Sprache, ein Brauchtum.“ Im Süden wollen fast alle die Vereinigung. Man fürchtet aber - wie menschlich - u.a. die hohen Kosten. Immerhin 40% der Südkoreaner empfinden ein Zusammengehörigkeitsgefühl und nur 13% sehen in Nordkorea ein Feind. Ich finde das kurios, wo doch keine zwei Regierungen so weit auseinander stehen, wie die der beiden Koreas.

"Korea ist eins!"

Waffenstillstandsurkunde.

Verhandlungspartner UN, vertreten durch die USA.

Nach etwa einer halben Stunde werden wir von einem Hauptmann abgeholt. Er erklärt uns in kurzen Sätzen die Situation vor Ort und wir fahren mit ihm etwa ein bis zwei Kilometer in die DMZ hinein. Rechts und links der schmalen Straße liegen riesige Betonblöcke, die nur durch ein paar faule Holzklötze gesichert werden. Wir können Baracken besichtigen, in denen nach dem Koreakrieg der Norden mit der UN (vertreten durch die USA) ein Waffenstillstands-abkommen geschlossen haben.





Nach kurzem Aufenthalt wieder alle in den Bus und Weiterfahrt bis zur Grenze. Ich kann gar nicht so richtig beschreiben, wie mir die Szenerie vorkommt. Es fehlt ihr an allem, was irgendwie bedrohlich aussieht.

Dabei ist die Grenze wahrlich kein Kinderspielplatz. Immer wieder ist es zu tödlichen Zwischenfällen gekommen. Auch an dieser Grenze wurden geheime Tunnel gegraben. Allerdings nicht wie in Deutschland von der freien Seite aus, sondern vom Norden in den Süden. Vier Tunnel sind entdeckt worden, etliche weitere werden vermutet. Im Ernstfall sollen so nordkoreanische Soldaten nach Südkorea eindringen können.

Übrigens verbietet sich jeglicher Vergleich zwischen BRD / DDR und Südkorea / Nordkorea, auch wenn einige Dinge ähnlich scheinen. Ich kann jedem Inter-essierten nur empfehlen, das Buch "Nordkorea - Innenansichten eines totalen Staates" von Rüdiger Frank zu lesen!

Wir gehen auf die Aussichtsterasse mit direktem Blick auf Südkorea. Bis zur Grenzlinie sind es nur 50 Meter, nach Seoul nur 50 Kilometer. Interessant sind in Panmunjeom nur drei blaue Baracken. Sie stehen jeweils zur Hälfte im Norden und im Süden. So haben beide Seiten die Möglichkeit, miteinander zu verhan- deln, ohne ihr Land verlassen zu müssen.

Seltsam verlassen sieht die andere Seite aus. Wo sind die Südkoreaner? Ein gut informierter Mitreisender klärt auf: Niemals bewachen beide Länder gleich- zeitig die Grenze. Nach einem festgelegten Turnus wechselt man sich ab. Diesmal ist halt der Norden dran. Auch das klingt für mich so verrückt, daß ich es kaum glauben kann. Aber so ist es!







Anders als sonst im ganzen Land, ist es gerade an dieser sensiblen Stelle, an der Grenze zum Erzfeind, ausdrücklich erlaubt, alles abzulichten, was einem vor die Linse kommt - auch die Soldaten. Gerne ist der Hauptmann bereit, sich auf ein Gruppenfoto zu stellen.

Glaube, in mehr als der Hälfte aller Länder auf diesem Globus würde man für das Fotografieren von Grenzanlagen richtig Ärger bekommen, wenn nicht sogar in den Knast gehen. Hier im bösen Nordkorea wird man dazu noch richtig ermuntert. Verstehe einer die Welt...



Hier ein paar Postkarten, die man in Pjöngjang kaufen konnte. Ähnliche Motive waren in Panmunjeom auch handgemalt im Großformat erhältlich. Wie sehr man in Nordkorea Antiamerikanismus betreibt, kann man den Bildchen leicht entnehmen. Einen viel krasseren Eindruck erhält man jedoch, wenn man sich die TV-Doku "Die Tränen der Revolution" von Vitaliy Manskij anschaut. Eine hübsche Lehrerin erklärt kleinen, achtjährigen Schulkindern, was Amerikaner sind. Da bleibt einem fast die Spucke weg.








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